Home
http://www.faz.net/-gqe-75cr2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Anhebung der Verbrauchssteuer Russland erhöht Wodka-Preise um ein Drittel

Die russische Regierung macht Wodka künftig um ein Drittel teurer. Umstritten ist aber, ob dies den Konsum eindämmen oder dazu führen wird, dass die Russen sich künftig vermehrt mit Industrie-Alkohol, Frostschutzmitteln oder anderen Ersatzstoffen berauschen.

© dpa Vergrößern Katerstimmung: Bringen die höheren Preise die Russen auf Entzug?

Unter den Trinkern im Wodka-Paradies Russland herrscht Katerstimmung. Ab Januar greift ihnen die Regierung kräftig in den Geldbeutel - mit einem Preisaufschlag auf harten Alkohol von rund einem Drittel. Eine Halbliterflasche des beliebten Wodkas kostet dann staatlich vorgeschrieben mindestens 170 Rubel (etwa 4,20 Euro), bislang sind es 120 Rubel.

Die einflussreiche Alkohol-Lobby bringt sich bereits in Stellung. Schon jetzt liege der Anteil von Verbrauch- und Mehrwertsteuer am Flaschenpreis bei mehr als 60 Prozent, kritisiert Dmitri Dobrow, der Vorsitzende des Verbandes der Alkoholproduzenten. Der Preisanstieg werde dazu führen, dass sich viele Russen wieder vermehrt mit Industrie-Alkohol, Frostschutzmitteln oder anderen Ersatzstoffen berauschen, warnt Dobrow. So war es bereits Ende der achtziger Jahre, als der damalige Kremlchef Michail Gorbatschow mit einem umstrittenen Alkoholverbot für Ernüchterung sorgte - auch deshalb ist der Friedensnobelpreisträger in seiner Heimat umstritten.

Hunderttausende sterben an den Folgen des Alkoholkonsums

Offizieller Grund für die neuen Preise ist der Anstieg der Verbrauchsteuer für reinen Alkohol von 300 auf 400 Rubel je Liter - bei einem Anteil von gut einem Prozent am Jahresbudget kommt dabei eine hübsche Summe zusammen. Bis 2015 soll der Wodkapreis sogar auf 250 Rubel klettern. Experten meinen aber, dass die Regierung nicht nur an höheren Einnahmen interessiert ist.

Jährlich sterben Hunderttausende in Russland an den Folgen des Alkoholkonsums. Gerade die Lebenserwartung von Männern ist deshalb deutlich niedriger als in westlichen Ländern. Russen trinken der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge rund 15,7 Liter reinen Alkohol im Jahr - mehr als doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt. Und der Verzehr steigt immer weiter.

Mehr zum Thema

Denn noch immer fehlt im Riesenreich eine wirksame Strategie gegen den Rausch. Wodka gilt vielen nach wie vor als Allheilmittel. Feste ohne kistenweise Krimsekt (Schampanskoje) und Cognac sind undenkbar. Lange galt Bier mit weniger als fünf Prozent Alkohol als Lebensmittel. Allein an den kommenden Neujahrsfeiertagen rechnen Händler mit dem Verkauf von Hunderten Millionen Flaschen Alkohol. Von Kremlchef Wladimir Putin, der oft betont hemdsärmelig beim einfachen Volk um Sympathien buhlt, sind kaum klare Worte gegen das Trinken zu hören.

Einige neue Regeln verbieten mittlerweile Werbung auch für Wein und Bier nicht nur im Fernsehen, sondern ebenso in Zeitungen und ab dem neuen Jahr sogar in Kneipen. Und vor allem Großstädter haben längst westeuropäische Trinkgewohnheiten angenommen: Sie trinken deutlich weniger Schnaps. Dazu trägt auch die Null-Promille-Regel für Autofahrer bei. Dafür herrscht vor allem auf dem Land, wo Millionen Menschen mit Alkohol die Angst vor der Perspektivlosigkeit betäuben, weiter der kollektive Suff. Die Regierung ist fern, illegaler Wodka wird oft unter der Hand verkauft.

Ein großes Problem bleiben die Panscher und Schwarzbrenner. Denn der Regierung gehen durch die Schattenwirtschaft Milliarden verloren. 2011 betrug der Anteil illegal hergestellten Wodkas der zuständigen Regulierungsbehörde zufolge rund ein Viertel. Auch deshalb plant die Regierung, das Staatsmonopol auf harten Alkohol wieder einzuführen.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
TV-Fragestunde Putins große Show

Das Interesse an der Fernsehsprechstunde von Russlands Präsident Wladimir Putin ist gewaltig. Mehr als 1,5 Millionen Fragen schickten die Russen vorab ein. Dieses Jahr sind eindeutige Schwerpunkte des Interesses auszumachen. Mehr

16.04.2015, 11:40 Uhr | Politik
Rubel-Krise Russische Märkte im freien Fall

Trotz einer drastischen Zinserhöhung in Russland rutscht der Rubel immer stärker ab und beschwört die Gefahr einer erneuten Staatspleite des Riesenreichs herauf. Mehr

17.12.2014, 10:32 Uhr | Wirtschaft
Russland Nawalny vereint die Opposition

Mehrere Oppositionsparteien in Russland wollen ein Wahlbündnis schmieden, darunter das Bündnis des ermordeten Kremlkritikers Nemzow. Ihr Ziel: Mehr Demokratie. Mehr

18.04.2015, 20:12 Uhr | Politik
Rubel-Krise Kaufrausch in Russland beginnt

Der Rubel hat mit dem schweren Devisen-Crash vom Dienstag in diesem Jahr etwa 60 Prozent seines Wertes verloren. Fallende Ölpreise und westliche Sanktionen wegen des Ukraine-Konfliktes belasten die russische Währung schwer. Mehr

18.12.2014, 11:43 Uhr | Finanzen
Russischer Motorradclub Polen lässt Nachtwölfe nicht einreisen

Die Putin-nahe Motorradgang Nachtwölfe will mit einer Fahrt nach Berlin an den Sieg Russlands über Nazi-Deutschland erinnen. Doch Polen will die Biker nun nicht durchreisen lassen. Der Kreml reagiert verärgert. Mehr

25.04.2015, 05:56 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.12.2012, 15:42 Uhr

Der Gedöns-Vorstand

Von Julia Löhr

Personalarbeit hat einen schweren Stand. Zu oft wird sie als nebensächlich abgetan. Dabei kann sie über Gedeih und Verderb eines Unternehmens entscheiden. Mehr 1 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden