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Anhebung der Verbrauchssteuer Russland erhöht Wodka-Preise um ein Drittel

 ·  Die russische Regierung macht Wodka künftig um ein Drittel teurer. Umstritten ist aber, ob dies den Konsum eindämmen oder dazu führen wird, dass die Russen sich künftig vermehrt mit Industrie-Alkohol, Frostschutzmitteln oder anderen Ersatzstoffen berauschen.

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Unter den Trinkern im Wodka-Paradies Russland herrscht Katerstimmung. Ab Januar greift ihnen die Regierung kräftig in den Geldbeutel - mit einem Preisaufschlag auf harten Alkohol von rund einem Drittel. Eine Halbliterflasche des beliebten Wodkas kostet dann staatlich vorgeschrieben mindestens 170 Rubel (etwa 4,20 Euro), bislang sind es 120 Rubel.

Die einflussreiche Alkohol-Lobby bringt sich bereits in Stellung. Schon jetzt liege der Anteil von Verbrauch- und Mehrwertsteuer am Flaschenpreis bei mehr als 60 Prozent, kritisiert Dmitri Dobrow, der Vorsitzende des Verbandes der Alkoholproduzenten. Der Preisanstieg werde dazu führen, dass sich viele Russen wieder vermehrt mit Industrie-Alkohol, Frostschutzmitteln oder anderen Ersatzstoffen berauschen, warnt Dobrow. So war es bereits Ende der achtziger Jahre, als der damalige Kremlchef Michail Gorbatschow mit einem umstrittenen Alkoholverbot für Ernüchterung sorgte - auch deshalb ist der Friedensnobelpreisträger in seiner Heimat umstritten.

Hunderttausende sterben an den Folgen des Alkoholkonsums

Offizieller Grund für die neuen Preise ist der Anstieg der Verbrauchsteuer für reinen Alkohol von 300 auf 400 Rubel je Liter - bei einem Anteil von gut einem Prozent am Jahresbudget kommt dabei eine hübsche Summe zusammen. Bis 2015 soll der Wodkapreis sogar auf 250 Rubel klettern. Experten meinen aber, dass die Regierung nicht nur an höheren Einnahmen interessiert ist.

Jährlich sterben Hunderttausende in Russland an den Folgen des Alkoholkonsums. Gerade die Lebenserwartung von Männern ist deshalb deutlich niedriger als in westlichen Ländern. Russen trinken der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge rund 15,7 Liter reinen Alkohol im Jahr - mehr als doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt. Und der Verzehr steigt immer weiter.

Denn noch immer fehlt im Riesenreich eine wirksame Strategie gegen den Rausch. Wodka gilt vielen nach wie vor als Allheilmittel. Feste ohne kistenweise Krimsekt (Schampanskoje) und Cognac sind undenkbar. Lange galt Bier mit weniger als fünf Prozent Alkohol als Lebensmittel. Allein an den kommenden Neujahrsfeiertagen rechnen Händler mit dem Verkauf von Hunderten Millionen Flaschen Alkohol. Von Kremlchef Wladimir Putin, der oft betont hemdsärmelig beim einfachen Volk um Sympathien buhlt, sind kaum klare Worte gegen das Trinken zu hören.

Einige neue Regeln verbieten mittlerweile Werbung auch für Wein und Bier nicht nur im Fernsehen, sondern ebenso in Zeitungen und ab dem neuen Jahr sogar in Kneipen. Und vor allem Großstädter haben längst westeuropäische Trinkgewohnheiten angenommen: Sie trinken deutlich weniger Schnaps. Dazu trägt auch die Null-Promille-Regel für Autofahrer bei. Dafür herrscht vor allem auf dem Land, wo Millionen Menschen mit Alkohol die Angst vor der Perspektivlosigkeit betäuben, weiter der kollektive Suff. Die Regierung ist fern, illegaler Wodka wird oft unter der Hand verkauft.

Ein großes Problem bleiben die Panscher und Schwarzbrenner. Denn der Regierung gehen durch die Schattenwirtschaft Milliarden verloren. 2011 betrug der Anteil illegal hergestellten Wodkas der zuständigen Regulierungsbehörde zufolge rund ein Viertel. Auch deshalb plant die Regierung, das Staatsmonopol auf harten Alkohol wieder einzuführen.

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