Eines muss man Mark Zuckerberg lassen: Der Gründer und Vorstandsvorsitzende des sozialen Netzwerks Facebook hat es mit dem Börsengang nicht überstürzt. Das unterscheidet ihn von anderen Börsenneulingen wie dem Schnäppchenportal Groupon oder dem Spieleanbieter Zynga, die sich mehr Zeit hätten nehmen sollen, um die Nachhaltigkeit ihrer Konzepte zu beweisen. Dagegen präsentiert sich Facebook als ein solider Börsenaspirant: Das Unternehmen ist klar profitabel, die Umsätze wachsen rasant.
Sättigungsgrenze teilweise erreicht
Eine ganz andere Frage ist, ob die im Markt kursierenden Bewertungen von bis zu 100 Milliarden Dollar für Facebook angemessen sind. Facebook wäre damit zum Beispiel rund halb so viel wert wie der Internetkonzern Google, macht aber nur ein Zehntel seiner Umsätze und Gewinne. Um die diskutierte Bewertung zu rechtfertigen, müsste Facebook also in den nächsten Jahren gewaltige Umsatz- und Gewinnsprünge schaffen. Das liegt nicht auf der Hand, zumal Facebook in manchen Regionen allmählich an eine Sättigungsgrenze stößt, was die Mitgliederzahlen betrifft.
Aber Facebook hat einige potentielle Wachstumsmotoren: Mit der Strategie, Facebook mehr und mehr zu einer Plattform zu machen, nicht nur zum Kommunizieren, sondern etwa auch zum Spielen oder Musikhören, werden Nutzer enger an die Seite gebunden, und ihnen kann mehr Werbung gezeigt werden. Daneben baut Facebook in schnellen Schritten sein Geschäft außerhalb der Werbung aus und streicht zum Beispiel Provisionen ein, wenn Partnerunternehmen etwas auf der Seite verkaufen.
Kein Selbstläufer
Trotzdem hat Facebook gerade im Geschäft mit der Werbung eine grundsätzliche Herausforderung, denn hier lauert ein Interessenkonflikt mit den eigenen Nutzern. Facebook schlachtet die Daten seiner Nutzer aus, um ihnen möglichst maßgeschneiderte Werbung zu zeigen. Schon heute haben die Anzeigen auf der Seite oft etwas Unheimliches an sich, und mancher Nutzer wundert sich, welche Schlüsse die Facebook-Computer aus den eingegebenen persönlichen Informationen ziehen. Dies ist ein Balanceakt für Facebook, denn es besteht die Gefahr, dass Nutzer sich zurückziehen oder zumindest weniger von sich preisgeben, zumal das Unternehmen beim Datenschutz ohnehin einen miserablen Ruf hat.
Zuckerberg spricht von einer neuen „sozialen Norm“ einer mitteilungsfreudiger gewordenen Gesellschaft. Wenn Facebook aber nicht behutsam vorgeht und das Vertrauen seiner Mitglieder aufs Spiel setzt, ist diese Vision von Zuckerberg kein Selbstläufer.
Der Vergleich mit Google hinkt.
Klaus Letis (odysseus_8)
- 03.02.2012, 04:55 Uhr