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Angeschlagene Drogeriekette Schlecker „Es ist nichts mehr da“

30.01.2012 ·  Zum ersten Mal seit über 20 Jahren hat die Drogeriemarktkette Schlecker zu einer Pressekonferenz geladen. „Es ist nichts mehr da“, sagt Meike Schlecker, die Tochter des Firmenpatriarchen. Die Familie habe ihr gesamtes Vermögen verloren.

Von Susanne Preuß, Ehingen
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© AFP „Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da“: Drogeriekettenerbin Meike Schlecker auf die Frage einer Reporterin, ob sie und ihre Familie noch größeres Privatvermögen besäßen.

Die Eigentümerfamilie der Drogeriekette Schlecker glaubt eine Woche nach dem Insolvenzantrag, das Unternehmen selbst fortführen zu können: „Wir denken nicht daran, das Unternehmen zu verkaufen. Wir glauben an unser Konzept, es ist klasse“, sagte Meike Schlecker, Tochter des Gründers, am Firmensitz in Ehingen auf der Schwäbischen Alb. „Es ist nur bitter, dass wir so kurz vor dem Ziel gestoppt wurden. Auch mein Vater steht ganz klar hinter der Restrukturierung.“ Die Familie habe in den vergangenen Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag ins Unternehmen investiert. Man habe aber zu spät begonnen und sei zu langsam gewesen: „Hinterher ist man immer schlauer.“ Die Insolvenz sei letztlich notwendig geworden, weil ein zweistelliger Millionenbetrag nicht aufgebracht werden konnte: „Es ist nichts mehr da“, sagte Meike Schlecker.

Weil der größte Teil der Drogeriekette in der Rechtsform des eingetragenen Kaufmanns geführt werde, hafte Anton Schlecker mit seinem gesamten Privatvermögen, bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der kraft Anordnung des Insolvenzgerichts Ulm die komplette Verfügungsgewalt inne hat. Es gebe im Privatvermögen Schleckers keine Vermögenswerte, die das Unternehmen hätten stützen können, sagte er. Allerdings gebe es sehr profitable, nicht belastete Tochtergesellschaften. Diese könnten im Zuge der Insolvenz verwertet werden. Als Beispiel nannte Geiwitz die Versandapotheke Vitalsana.

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© dpa Anton Schlecker auf einem Archivbild aus dem Jahr 1999

Nach den Vorstellungen der Familie soll mit der Insolvenz die Führung von Schlecker auf die Kinder Meike und Lars Schlecker übergehen. Einer solchen Familienlösung stehe er offen gegenüber, sagte Geiwitz: „Es ist der klare Wille des Gesetzgebers, dass Schuldner sich durch einen Restrukturierungsprozess entschulden können und danach weitermachen. Die Sanierungskultur in Deutschland ändert sich in diese Richtung.“

Wie viel die Familie aber letztlich an dem von Anton Schlecker gegründeten Unternehmen behalten könne, sei – sieben Tage nach dem Insolvenzantrag – noch völlig offen: „Wir brauchen erst einmal einen Business-Plan, daraus ergibt sich dann der Finanzierungsbedarf.“ Frisches Geld könnte sowohl als Fremdkapital beschafft werden (etwa in Form von Mezzanine-Kapital) wie auch über die Beteiligung von Investoren. Diese müssten neben Geld auch Verständnis für den Markt mitbringen, fordert Geiwitz, der schon erste Gespräche geführt hat. „Für eine Zerschlagung bin ich nicht zu haben“, betonte er.

Meike Schlecker: Imageprobleme größer als erwartet

Am Namen Schlecker wird offenbar nicht gerüttelt. Meike Schlecker räumte ein, dass die Imageprobleme größer seien als erwartet, obwohl Schlecker schon viele Missstände beseitigt habe. Man sehe sich aber auch bestärkt durch viele Kunden: „Schlecker steht für Nähe.“ Finanzchef Sami Sagur erklärte, es wäre angesichts eines Bekanntheitsgrads von 98 Prozent betriebswirtschaftlich unsinnig, auf den Namen zu verzichten.

Einstweilen wird die Filialkette noch einmal weiter schrumpfen. „Wir werden noch einige wenige hundert Filialen schließen“, sagte Sagur. Auch danach werde Schlecker noch mehr Geschäfte haben als alle Wettbewerber zusammen, die auf knapp 4000 Läden kommen.

Sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist, was spätestens Anfang April der Fall sein dürfte, müssen die insgesamt rund 33.000 Mitarbeiter von Schlecker und Ihr Platz wegen des Schrumpfkurses zum Teil mit Entlassungen rechnen. Insolvenzverwalter Geiwitz sucht den Schulterschluss mit den rund 1000 Betriebsräten von Schlecker: „Egal was wir tun, es geht nur, wenn die Arbeitnehmer weiter zum Unternehmen stehen.“

Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Schlecker, Christel Hoffmann, bezeichnet die Beschäftigten als „das wichtigste Kapital“ der Drogeriekette: „Die Frauen haben über viele Jahre mit Ausdauer und Engagement ihre Rechte erkämpft, und sie werden auch in Zukunft ihre Kraft für den Erfolg des Unternehmens einsetzen.“

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Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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