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Angeblicher Datenmissbrauch DIW und Statistikamt streiten

13.07.2009 ·  Das Statistische Bundesamt stellt Forschern Einkommensteuerdaten anonymisiert zur Verfügung. Doch nun klagen die Statistiker über das DIW in Berlin. Dort würden Daten so miteinander verknüpft, dass einzelne Personen identifiziert werden könnten. Vor allem Spitzenverdiener.

Von Philip Plickert
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Zwischen dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und dem Statistischen Bundesamt ist ein heftiger Streit über die angeblich missbräuchliche Verwendung von Einkommensteuerdaten ausgebrochen. Das Wiesbadener Statistikamt droht den Berliner Ökonomen mit rechtlichen Schritten, da diese amtliche Daten, die ihnen zu Forschungszwecken anonymisiert übergeben wurden, in einer nicht genehmigten Weise genutzt hätten.

In einer Studie über die Einkommensverteilung in Deutschland habe das DIW die anonymisierten Daten so mit anderen detaillierten Datensätzen des Sozioökonomischen Panels (Soep) verknüpft, dass einzelne Personen identifiziert werden könnten. Dabei geht es offenbar vor allem um absolute Spitzenverdiener, weil deren Gruppe sehr klein ist.

Statistisches Bundesamt nennt das Vorgehen „völlig inakzeptabel“

Der Präsident des Statistikamtes, Roderich Egeler, nennt das Vorgehen des DIW in einem Schreiben „völlig inakzeptabel“. Das Vertrauen sei damit untergraben. Egeler hat entschieden, alle Datenlieferungen an das DIW zu stoppen.

„Des Weiteren fordere ich Sie auf, alle Einzeldaten, die Ihr Haus von uns erhalten hat, unmittelbar zu löschen.“ Das müsse bis Ende der Woche geschehen.

In einer scharfen Replik hat das DIW alle Vorwürfe zurückgewiesen. „Eine Gefährdung des Datenschutzes beziehungsweise des Steuergeheimnisses hat zu keinem Zeitpunkt bestanden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Um die Vorwürfe zu entkräften, hat das DIW das Bundesinnenministerium und den Datenschutzbeauftragten des Bundes um Prüfung gebeten.

DIW: Bundesamt behindert die Forschung

DIW-Präsident Klaus Zimmermann richtete schwere Vorwürfe an das Statistische Bundesamt: Es behindere die Forschung und greife in die Freiheit der Wissenschaft ein. Die angedrohten Zwangsmaßnahmen stellten einen Willkürakt dar. Dass nun auch 25 Forschungsvorhaben durch das Stoppen des Datenflusses gefährdet würden, nannte Zimmermann „Sippenhaft“. Wenn es dazu käme, müsse sein Institut die Arbeit in weiten Teilen einstellen.

Hintergrund des Streits ist die Forschung des DIW zur Einkommensverteilung. Dazu gab es 2006 einen Forschungsauftrag des Bundesfinanzministeriums, ob die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland zugenommen habe. Die Berliner Wirtschaftsforscher verknüpften den offiziellen Datensatz mit Ergebnissen des Soep, das auf einer detaillierten Langzeitbefragung von mehr als 10.000 Haushalten über ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse beruht. Die statistische Auswertung veröffentlichte das DIW 2007 als Diskussionspapier und im Juni 2009 in der Fachzeitschrift „Review of Income and Wealth“.

DIW: Identifizierung einzelner Personen extrem unwahrscheinlich

Zimmermann verteidigt die statistische Verknüpfung zweier Datensätze: Es seien keine Einkommensdaten von Einzelpersonen ermittelt worden. Es gehe vielmehr um „ähnlich aussehende Fälle“. Selbst wenn zufällig die Daten ein und derselben Person vom Computer zusammengeführt würden, sei diese nicht erkennbar. Eine Identifizierung einzelner Bezieher sehr hoher Einkommen sei extrem unwahrscheinlich, weil das Soep gerade in dieser Klasse nur eine sehr geringe Zahl von Fällen erfasse. Nach Angaben des DIW gab es nach der letzten ausgewerteten Statistik 2001 in Deutschland eine Gruppe von 650 Personen, die ein Markteinkommen von mehr als 15 Millionen Euro im Jahr hatten.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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