24.11.2008 · Banker haben derzeit ein denkbar schlechtes Image. Es ist also alles andere als ein leichtes Amt, das der Vorstandssprecher des Bankhauses Trinkaus & Burkhardt, Andreas Schmitz, im kommenden Jahr antritt: Er wird neuer Präsident des mächtigen Bundesverbandes deutscher Banken. Wie gut, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt.
Von Brigitte KochEs wäre blauäugig zu glauben, die Krise sei schon vorbei, hat Andreas Schmitz im Juni seinen Aktionären gesagt. Und das Ende der Krise, wann auch immer das sein sollte, werde für Teile der Branche einen echten Neubeginn markieren, prognostizierte der Vorstandssprecher des Düsseldorfer Bankhauses HSBC Trinkaus & Burkhardt AG damals.
Recht hatte er, wenngleich er sich das Ausmaß der Krise in jener Ante-Lehman-Zeit wohl noch nicht wirklich vorstellen konnte. Letzteres hat der designierte Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) bei der Vorlage des Quartalsberichts Anfang November auch eingeräumt. Das „russische Roulette“ namens Paulson sei nicht vorherzusehen gewesen, sagte er in Anspielung auf den amerikanischen Finanzminister und die Lehman-Pleite.
Der Nachfolger des noch bis März 2009 amtierenden Bankenpräsidenten, Commerzbank-Chef Klaus Peter Müller, nimmt grundsätzlich kein Blatt vor den Mund. Der gebürtige Niederrheiner sagt, was er denkt, recht freundlich, aber bestimmt. Die Attitüde eines manierierten Privatbankiers alter Schule hat er nicht. Fast in Rage gerät er beim Thema Landesbanken, und das, obwohl die LBBW indirekt zu rund 20 Prozent an seiner Bank beteiligt ist.
„Die anderen sind gedopt“
Hier fordert er seit langem eine Konsolidierung oder Spezialisierung der Institute, die nach seiner Meinung kaum ein tragfähiges Geschäftsmodell haben. Mit Blick auf die Finanzspritzen für die fast in der Nachbarschaft liegende West LB hat er kürzlich einen Vergleich mit Olympia bemüht. „Die anderen sind gedopt, und man selbst versucht aus eigener Kraft Erfolg zu haben.“ Sobald den Landesbanken die Liquidität ausgehe, was ja regelmäßig passiere, erhielten sie die nächste „Dröhnung“, wetterte er.
Schmitz wird sein Amt als oberster Lobbyist der Privatbanken in denkbar schwieriger Zeit antreten und sich dabei – im Gegensatz zu Vertretern von Großbanken – nicht auf große Stäbe im eigenen Haus stützen können. Mit ihm wird zudem erstmals ein Banker zum Präsidenten gekürt, dessen Arbeitgeber von einer ausländischen Großbank kontrolliert wird. Das an der eleganten Düsseldorfer Königsallee domizilierende Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt hat er bisher recht glimpflich durch die Finanzmarktturbulenzen gesteuert, wenngleich speziell im dritten Quartal deutliche Abstriche am Gewinn nicht zu verhindern waren. Nach eigenem Bekunden hat die Bank zu keiner Zeit Subprime-Anlagen getätigt. Der seit 2004 amtierende Vorstandssprecher sieht ein Erfolgsrezept in der klaren Strategie der Bank: Sie konzentriert sich auf die scharf definierten Zielgruppen Vermögende Privatkunden, Firmenkunden und Institutionelle Kunden.
Sein Lieblingsspruch: „Das Beste aus zwei Welten“
„Das Beste aus zwei Welten“ lautet einer seiner Lieblingssprüche, wenn er auf den Charakter und das Alleinstellungsmerkmal des Bankhauses angesprochen wird. „Zukunft mit Tradition“, ein weiterer. Damit meint der gertenschlanke, hochgewachsene Jurist mit dem blonden Messerschnitt zum einen die Tradition des mehr als zweihundertdreißig Jahre alten ehemaligen Privatbankhauses Trinkaus & Burkhardt. Zum anderen spricht er damit auf das riesige internationale Netzwerk von HSBC an, in das die mit einer Bilanzsumme von rund 21 Milliarden Euro eher kleine Düsseldorfer Bank in intensiver Zusammenarbeit eingebunden ist.
Der 48 Jahre alte Schmitz ist ein Eigengewächs der Bank, die in ihrer Vorstandsriege stark auf das Team setzt. Seit 17 Jahren steht der mit einer Rechtsanwältin verheiratete Vater von drei Söhnen im Dienste des noch immer gern wie eine Privatbank daherkommenden Geldhauses. Als er 2002 in das Führungsgremium einzog, trug man dort noch den feinen Titel des persönlich haftenden Gesellschafters. Vor zwei Jahren erfolgte nach leichten Irritationen im Umfeld des Gesellschafterkreises die Umfirmierung in eine Aktiengesellschaft.
Aus den Bankiers wurden Vorstände. An der Arbeit und dem auf Kontinuität bauenden Verhältnis zu den Kunden habe dies nichts geändert, hat Schmitz einmal gesagt. Im Vorstand ist er unter anderem für das Firmenkundengeschäft, das Investmentbanking und das Auslandsgeschäft verantwortlich. An dem mittlerweile nicht mehr allzu großen Bankplatz Düsseldorf ist der Borussia-Mönchengladbach-Fan und Liebhaber chinesischer zeitgenössischer Kunst eng verdrahtet und nimmt bereits einige Ehrenämter wahr: So ist er Vizepräsident der IHK, Vorstand der Bankenvereinigung Nordrhein-Westfalen und Präsident der Börse Düsseldorf.
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Helmers Helmers (margithelmut)
- 26.11.2008, 01:41 Uhr
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