02.01.2006 · Yasmin kann rechnen. "Miete müssen wir zahlen, Strom kommt dazu, Taschengeld, sagt Mama, geht dann nicht mehr", sagt die Achtjährige. Ihrer Mutter ist das peinlich, denn es ist dadurch nicht zu verbergen, daß Geld zu Hause ein großes Thema ist.
Yasmin kann gut rechnen. "Miete müssen wir zahlen, Strom kommt auch dazu, Taschengeld, sagt Mama, geht dann nicht mehr", sagt die Achtjährige. Ihrer Mutter Andrea ist das ein wenig peinlich, denn es ist dadurch nicht zu verbergen, daß Geld zu Hause ein großes Thema ist.
Andrea (45) ist alleinerziehend. Der Vater hat sich aus dem Staub gemacht und sie mit ihrem großen Sohn (26) und den achtjährigen Zwillingen Yasmin und Paul zurückgelassen. Sie hat Fachverkäuferin im Einzelhandel gelernt und bis vor fünf Jahren auch noch gearbeitet. Doch dann verschwand ihr Arbeitgeber vom Markt, Andrea wurde arbeitslos und ist es bis heute.
Mit 45 nicht zu alt, aber zu krank zum arbeiten
"Bin ich mit 45 Jahren zu alt, um Arbeit zu finden?" fragt sie. Zu alt vielleicht nicht, aber womöglich zu krank. Andrea S. hat Diabetes, spritzt fünfmal am Tag - wenn das Geld reicht und sie sich das Insulin kaufen kann. Denn sie muß zuzahlen, 5 Euro jedesmal, wenn sie sich die Spritzen holt.
Ihren Kindern macht sie häufig nichts vor: "Wir können uns das nicht leisten", sagt sie ihrer Tochter immer wieder, wenn die mit ihren ganz normalen Kinderwünschen kommt, die die Mutter schon als extravagant bezeichnet. "Wir sind arm", sagt sie dann - wo immer auch Armut anfängt.
Nach Andrea T.s Empfinden beginnt das spätestens bei 1450 Euro im Monat, von denen sie zu dritt leben müssen. Ihr ältester Sohn ist ebenfalls arbeitslos, das allerdings erst seit einem knappen Jahr. Er hat bei der Post gearbeitet, verlor dann im Rahmen von Stellenabbau seinen Arbeitsplatz. Jetzt ist er auch Hartz-IV-Empfänger.
Manchmal muß man den Kindern etwas vormachen
Viel geht nicht bei Andrea T. Dem Sohn ist schon zweimal sein Fahrrad geklaut worden - ein neues gibt es nicht, obwohl er so gern eines hätte. Dann vertröstet sie ihn auf Weihnachten oder seinen nächsten Geburtstag. "Aber im Grunde belüge ich ihn. Denn ich weiß genau, daß ich auch nächstes Jahr kein Fahrrad für ihn werde kaufen können." Manchmal muß man den Kindern doch etwas vormachen.
Der Urlaub ist auch so eine Sache. Dort geht nichts, wäre da nicht ein Schweizer Ehepaar, das der Familie vermittelt wurde. Sie haben Mutter und Kinder im Sommer nach Graubünden eingeladen. Andrea T. mußte nicht einmal die Reisekosten bezahlen. Für die Kinder war das ein Traum.
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| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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