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Digitale Arbeitswelt : Nahles fordert mehr Flexibilität bei Arbeitszeit

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) stellt in Berlin Vorschläge für die Zukunft der Arbeit im digitalen Zeitalter neben Ingo Kramer, dem Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), vor. Bild: dpa

Das Weißbuch ist nach einem monatelangen Dialogprozess mit Sozialpartnern, Verbänden, Unternehmen und der Wissenschaft entstanden. Es empfiehlt flexible Arbeitszeitmodelle und spricht sich gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aus.

          Ob von der Couch oder aus dem Zug - die dienstliche E-Mail ist heute jederzeit schnell abgerufen. Gleichzeitig fragt sich so mancher, ob er künftig von einem Roboter ersetzt wird. Die Beispiele zeigen, wie stark die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert. Antworten darauf will Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) geben: Die digitale Transformation sei für die einen „Verheißung und Lebensgefühl, für die anderen bedeutet sie Unsicherheit“, schreibt sie in dem Vorwort ihres 234 Seiten langen Weißbuchs.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Weißbuch ist nach einem monatelangen Dialogprozess mit Sozialpartnern, Verbänden, Unternehmen und der Wissenschaft entstanden und behandelt viele Aspekte. So werde es infolge des technologischen Wandels nicht zu einer massenhaften Automatisierung von Arbeitsplätzen kommen, heißt es darin. Wahrscheinlicher seien ein Wandel der Berufe sowie eine Verschiebung zwischen den Branchen - weg von Gastgewerbe und Einzelhandel, hin zu Maschinenbau und IT. Nahles fordert daher, frühzeitig in die Qualifikationen zu investieren. Dazu solle die Arbeitslosenversicherung schrittweise zu einer Arbeitsversicherung umgebaut werden.

          Nahles plädiert darüber hinaus dafür, ein selbst bestimmteres Arbeiten und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern. Allerdings müsse auch der gesetzlich verankerte Schutz vor Entgrenzung und Überforderung geachtet werden. Sie schlägt daher ein Wahlarbeitszeitgesetz vor, das den Beschäftigten mehr Möglichkeiten bei der Wahl von Arbeitszeit und -ort bietet. Wie Nahles kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung ankündigte, soll dieses Prinzip zwei Jahre lang in Experimentierräumen erprobt werden.

          Was die Selbständigen betrifft, spricht sich Nahles abermals dafür aus, sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Union und SPD konnten sich in ihren Verhandlungen über eine Rentenreform hierauf am Donnerstag nicht einigen. Darüber hinaus würden pauschale Lösungen wegen des großen Spektrums nicht allen Selbständigen gerecht, schreibt Nahles. Sinnvoll könnten allerdings Regelungen zur sogenannten Crowdwork sein, bei der über spezielle Plattformen im Internet Aufgaben in kleine Teile zerlegt und von einer Vielzahl von Menschen - der Crowd - erledigt werden.

           Neben weiteren Aspekten geht es in dem Weißbuch schließlich um die Herausforderungen für den Sozialstaat. Nahles spricht sich gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Dafür gebe es "weder eine Notwendigkeit noch eine gesellschaftliche Akzeptanz". Vielmehr plädiert sie für ein persönliches Erwerbstätigenkonto. Junge Erwerbstätige sollen ein Startkapital bekommen, das sie für ihre Weiterbildung, eine Unternehmensgründung oder private Auszeiten nutzen können. Es solle angesichts ungleich verteilter Vermögen für mehr Gerechtigkeit in Form eines „Sozialerbes“ sorgen.

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