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Analyse der Commerzbank Target-Saldo zwingt zur Transferunion

 ·  Allein die Bundesbank hält Forderungen von zuletzt knapp 500 Milliarden Euro gegenüber den Notenbanken finanzschwacher Länder. Viele Ökonomen sehen darin enormen Sprengstoff, auch die Commerzbank warnt: Je höher die Summen, desto schwächer die Verhandlungsposition der Gläubiger.

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Die Commerzbank zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft der Währungsunion. Trotz lobenswerter Reformansätze in einigen Ländern sei die Transferunion südlicher Prägung vorgezeichnet, schreibt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, in einer Analyse, und begründet diese Prognose mit den Ungleichgewichten innerhalb des Euroraums und den daraus resultierenden riesigen Target-Forderungen in den Bilanzen der Notenbanken der finanzstarken Länder.

Bundesbank türmt Forderungen von 500 Milliarden Euro auf

Die Target-Salden entstehen über das Zahlungsverkehrssystem des Euroraums. Vor der Krise glichen sich Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen den Notenbanken nahezu aus, weil die Banken in Defizitländern das für Importe und Kapitalabflüsse überwiesene Geld per privaten Kredit zurückerhalten haben. Seit Beginn der Krise ist der Rückfluss wegen des Misstrauens auf dem Bankenmarkt gestört. Finanziert wird jetzt direkt über die Notenbanken. Dadurch haben sich bei den Notenbanken der finanzschwachen Länder wie Portugal, Griechenland, Spanien, Irland oder Italien Verbindlichkeiten von mehr als 800 Milliarden Euro aufgetürmt. Auf der Gegenseite hält allein die Bundesbank Forderungen von zuletzt knapp 500 Milliarden Euro. Relativ zur Größe sind die Positionen in Luxemburg und den Niederlanden noch umfangreicher.

Bei einem Zerfall der Währungsunion wären die Bilanzen dieser Notenbanken bedroht - und mithin das gesamte Geldsystem, schreibt Krämer in seiner Analyse. "Je mehr die Target-Salden steigen, desto weniger können sich die Zentralbanken ein Scheitern der Währungsunion leisten." Deshalb seien die riesigen Forderungen und Verbindlichkeiten eher Klebstoff denn Sprengstoff für die Währungsunion. Der Druck auf die Zentralbank wachse deshalb, je stärker die Staatsschuldenkrise mit der Notenpresse übertüncht werde. Der bevorstehende Dreijahrestender werde deshalb nicht der letzte bleiben. Womöglich werde es künftig sogar Geschäfte mit noch längerer Laufzeit geben.

Je größer die Salden, desto schwächer die Gläubiger

Diese indirekte Staatsfinanzierung könne die EZB auf Dauer aber nicht durchhalten. Dann müssten die Regierungen wieder handeln und sich der Grundfrage der Währungsunion stellen. Auf der einen Seite ständen unter anderen Deutschland, die Niederlande und Österreich, die finanzielle Eigenverantwortung, Fiskalregeln und Wettbewerb wollten, auf der anderen Seite die meisten südlichen Länder und Frankreich, die weniger Reformen, Gemeinschaftsanleihen und schwächere Fiskalregeln bevorzugten. Je größer die Target-Salden würden, argumentiert Krämer, desto mehr werde die Position der finanzstarken Länder in diesem Konflikt geschwächt.

Eine Transferunion werde im Durchschnitt der Mitgliedsländer zu höheren Steuern führen, sagt Krämer voraus. Das werde die Leistungsanreize reduzieren und das Wirtschaftswachstum schwächen. Mehr Arbeitslosigkeit und höhere Inflationsraten seien zu erwarten. Die in den Peripherieländern zu erwartenden Reformen könnten die beschriebenen negativen Folgen nicht ausgleichen.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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