Home
http://www.faz.net/-gqe-11mqu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Amerikas Manager Das Ende der Exzesse

John Thain war nicht der erste Manager an der Wall Street, der sich auf Firmenkosten das Büro renovierte. Der ehemalige Citigroup-Chef Sandy Weill hatte ein Faible für offene Kamine im Büro. Doch wer Geld verschwendet, ruiniert seinen Ruf.

© dpa Vergrößern 1,2 Millionen Dollar für die Büro-Renovierung: der zurückgetretene Merrill-Lynch-Chef John Thain

Gene Lopwitz, der Chef der Investmentbank aus dem Roman "Fegefeuer der Eitelkeiten" hatte ein ganz besonderes Büro. Im 50. Stock eines klimatisierten Wolkenkratzers in Manhattan hatte sich Lopwitz einen offenen Kamin einbauen lassen. Kostenpunkt: 350 000 Dollar. Es war eines der Beispiele für die Exzesse an der Wall Street der achtziger Jahre, die Schriftsteller Tom Wolfe damals in seinem Roman über die "Masters of the Universe", die von Gier und Geld getriebenen Macher an der Wall Street, beschrieb.

Norbert Kuls Folgen:  

Wolfe musste diese extravagante Büroausstattung nicht mal erfinden. Sandy Weill, der in einer jahrelangen Einkaufstour den Finanzgiganten Citigroup geschaffen hatte, pflegte auch ein Faible für offene Kamine im Büro. Den ersten Kamin ließ sich Weill in den siebziger Jahren bauen, als er Chef des Wertpapierhauses Shearson war. Der Kamin wurde im 106. Stock des World Trade Center installiert - und im Guinness-Buch der Weltrekorde als der höchste offene Kamin deklariert. Als Weill in den achtziger Jahren Präsident von American Express war, ließ er sich in deren Hauptverwaltung im New Yorker World Financial Center ebenfalls einen Kamin bauen.

Mehr zum Thema

Als Vorstandschef des Citigroup-Vorläufers Primerica sorgte Weill für einen offenen Kamin im IBM-Gebäude in Midtown Manhattan. Auch nach der Mega-Fusion seines Finanzdienstleisters Travelers Group und der Großbank Citicorp Ende der neunziger Jahre installierte er in der Bibliothek des Citicorp-Centers erst mal eine offene Feuerstelle, die damals 100 000 Dollar gekostet haben soll. "Kamine bringen Glück", pflegte Weill zu sagen. Die Aktionäre der Citigroup, die jetzt nach fünf Quartalen mit Milliardenverlusten zerschlagen wird, sehen das anders.

Sanford Weill © AP Vergrößern „Kamine bringen Glück”, pflegte der frühere Citigroup-Chef Sandy Weill zu sagen

An der Wall Street haben sich die Zeiten geändert

Die Zeiten an der Wall Street haben sich geändert. Das bekam in den vergangenen Tagen John Thain zu spüren, der Ende 2007 angetreten war, die wegen Spekulationen mit Hypothekenanleihen schwer getroffene Investmentbank Merrill Lynch zu retten. Als frischgebackener Vorstandschef investierte Thain zunächst 1,2 Millionen Dollar in die Renovierung seines Büros. Einen offenen Kamin hatte er zwar nicht. Dafür gab es aber einen Teppich für 87 000 Dollar, Vorhänge für 28 000 Dollar und Stühle für 87 000 Dollar. Für sein privates Speisezimmer wurde ein Kronleuchter für 13 000 Dollar und ein Spiegel für 5000 Dollar angeschafft.

Thain wurde in der vergangenen Woche nach der Übernahme von Merrill durch die Bank of America überraschend gefeuert. Der Grund war allerdings nicht das Büro. Anlass waren erneute Milliardenverluste, die jetzt auch Bank-of-America-Chef Kenneth Lewis in Erklärungsnöte bringen. Aber die zeitgleich lancierte Liste mit Thains teuren Möbeln reichte aus, um ihn zum jüngsten Symbol von Exzessen an der Wall Street zu machen. Der um die Rettung seines Rufs bemühte Thain hat seinen Fehler mittlerweile eingestanden und will die Kosten für die Renovierung zurückerstatten. Die Zeiten seien damals anders gewesen, verteidigte er sich in einem Fernsehinterview.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bankenstrafen-Ticker Milliarden-Strafen für fünf Großbanken

Betrug, Geldwäsche, Zinsmanipulationen: Banken weltweit müssen für ihre Fehltritte büßen. Jetzt sind im Skandal um manipulierte Devisenkurse Strafen gegen fünf Großbanken in Höhe von 2,7 Milliarden Euro verhängt worden. Mehr

12.11.2014, 11:02 Uhr | Wirtschaft
Wall Street Ende eines Scheidungsdramas

Die Frau eines Investmentbankers hatte ihrem Mann und dessen Kollegen von der Wall-Street-Bank Jefferies krassen Drogenmissbrauch und Sexeskapaden vorgeworfen. Jetzt haben die Parteien ihren Sorgerechtsstreit beigelegt – und die Frau relativiert ihre Aussagen. Mehr Von Norbert Kuls, New York

12.11.2014, 07:01 Uhr | Wirtschaft
Online-Angebot schließt Wall Street Journal Deutschland kein Kerngeschäft

Nach gut zwei Jahren stellt der amerikanische Medienkonzern Dow Jones das deutschsprachige Angebot des Wall Street Journal wieder ein. Es hatte zu wenige Leser. Mehr

13.11.2014, 09:43 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.01.2009, 16:05 Uhr

Griechische Widersprüche

Von Tobias Piller, Rom

Die Griechen sind zermürbt und wollen das Wort Reform nicht mehr hören. Ministerpräsident Antonis Samaras würde die Troika deshalb am liebsten los werden – und ist doch auf ihr Sicherheitsnetz angewiesen. Mehr 15 19


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutsche fühlen sich für Unternehmerdasein nicht gerüstet

Nur 34 Prozent der Deutschen glauben, ihre Ausbildung habe ihnen die Fähigkeit vermittelt, ein eigenes Unternehmen zu führen. Mehr 4