Home
http://www.faz.net/-gqe-7a93o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Amerikanische Notenbank Obama schürt Spekulation über Bernankes Abschied

Die Hinweise auf einen Abschied Ben Bernankes als Vorsitzender der amerikanischen Notenbank verdichten sich. Bernanke sei schon länger geblieben, als von ihm erwartet wurde, sagte Präsident Obama. Nachfolgerin könnte Janet Yellen werden.

© AP Vergrößern Janet Yellen

Der Frage, ob er Bernanke wieder ernennen würde, falls dieser wolle, wich Obama aus. In bemerkenswerter Weise sprach er vom Fed-Vorsitzenden in der Vergangenheitsform. Bernanke sei „ein herausragender Partner gewesen, um uns dabei zu helfen, uns wirtschaftlich viel stärker zu erholen als beispielsweise unsere europäischen Partner“, sagte Obama.

Patrick Welter Folgen:    

Bernankes Amtszeit als Vorsitzender der Federal Reserve endet im Januar 2014. In Amerika zählt es zu den wichtigsten Rechten des Präsidenten, den Fed-Vorsitzenden zu berufen. Dieser muss vom Senat bestätigt werden. Bernanke war ursprünglich vom Republikaner George W. Bush ernannt worden. Obama betätigte ihn 2010 für weitere vier Jahre im Amt. Er hat nun seine letzte Chance, einen eigenen Kandidaten zu bestimmen.

Mehr zum Thema

Dem generell reserviert wirkenden Bernanke wird eine gewisse Amtsmüdigkeit nachgesagt. Im März hatte er gesagt, mit dem Präsidenten „ein wenig“ über seine Zukunft gesprochen zu haben. Der ehemalige Princeton-Professor erklärte zugleich, er fühle keine persönliche Verantwortung, die von ihm eingeleitete Lockerung der Geldpolitik wieder abzuwickeln. „Ich denke nicht, dass ich die einzige Person in der Welt bin, die den Ausstieg managen kann“, sagte Bernanke.

An diesem Mittwoch wird er nach der Zinsentscheidung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve wieder Fragen von Journalisten beantworten. Bernanke hatte die Spekulationen angefacht, weil er sich aus persönlichen Gründen bei der Notenbankerkonferenz in Jackson Hole Ende August von seiner Stellvertreterin Janet Yellen vertreten lässt.

File of Federal Reserve Board Chairman Bernanke testifing before the Joint Economic Committee in Washington © Reuters Vergrößern Ben Bernanke

Analysten sehen Yellen als wahrscheinlichste Nachfolgerin, sollte Bernanke gehen. Die frühere Berkeley-Ökonomin, Ehefrau des Nobelpreisträgers George Akerlof, wäre die erste Frau an der Fed-Spitze. Sie fokussiert in der Krise stark auf die Verantwortung der Fed zur Verringerung der Arbeitslosigkeit. Manche Analysten haben indes Vorbehalte, ob sie einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik schnell genug einleiten werde.

Als weitere mögliche Kandidaten gelten die früheren Finanzminister Timothy Geithner und Lawrence Summers. Geithner hat öffentlich Interesse an dem Amt bestritten. Doch hatte er sich von Obama 2009 auch in das Amt des Finanzministers bitten lassen. Summers, ein früherer Obama-Berater, soll schon vor vier Jahren Interesse an dem Posten gezeigt haben. Spekuliert wird auch über die früheren Fed-Vizevorsitzenden Roger Ferguson und Donald Kohn, sowie über den scheidenden Gouverneur der Bank von Israel, Stanley Fischer.

Die Fed debattiert derzeit, wann sie die quantitative Lockerung, den Ankauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren von 85 Milliarden Dollar im Monat schrittweise zurücknehmen soll. Die Erwartung eines beginnenden Ausstiegs hat die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf rund 2,2 Prozent steigen lassen. Die Inflationsrate stieg im Mai von 1,1 auf 1,4 Prozent, wie die Statistiker am Dienstag mitteilten. Sie liegt deutlich unter dem mittelfristigen 2-Prozent-Ziel der Fed. Der Anstieg dürfte Bedenken mancher Geldpolitiker dämpfen, dass die Inflation zu niedrig liege.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geldpolitik Fed bereitet zaghaft Zinserhöhung vor

Die amerikanische Notenbank öffnet wie erwartet die Tür für die erste Zinserhöhung seit 9 Jahren. Doch wann sie den entscheidenden Schritt wagt, bleibt offen. Mehr

19.03.2015, 08:23 Uhr | Wirtschaft
Vereinigte Staaten Erste Frau an Spitze der amerikanischen Notenbank

Der amerikanische Senat gibt grünes Licht für Janet Yellen als neue Fed-Chefin. Mehr

04.03.2015, 11:22 Uhr | Wirtschaft
Schwacher Euro Die Angst vor einer starken Währung

Viele Zentralbanken wollen ihre eigene Währung abwerten, um auf dem Weltmarkt einen Vorteil zu haben. Doch es gibt auch Verlierer, und das sind vor allem die Verbraucher. Mehr Von Gerald Braunberger

21.03.2015, 10:38 Uhr | Finanzen
Vorsichtsmaßnahme Ex-Präsident Bush senior im Krankenhaus

Es soll sich um eine Vorsichtsmaßnahme handeln: Der frühere amerikanische Präsident George Bush senior ist am späten Dienstagabend Ortszeit in Houston in Texas ins Krankenhaus gekommen. Ein Sprecher sagte, der mittlerweile 90-jährige Bush leide an Atemnot. Mehr

25.12.2014, 12:03 Uhr | Gesellschaft
EZB-Präsident Mario Draghi Herr im Haus - mächtig und verhasst

Die Blockupy-Demonstration richtete sich zwar nicht gegen den EZB-Präsidenten persönlich. Für viele Demonstranten aber ist Mario Draghi offenbar eine Symbolfigur für den Kapitalismus und die Austeritätspolitik. Trotz seiner Machtfülle steckt der Römer in der Klemme. Mehr Von Johannes Pennekamp

18.03.2015, 17:03 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.06.2013, 18:12 Uhr

Camerons zwiespältige Bilanz

Von Marcus Theurer, London

In Großbritannien beginnt die heiße Phase vor den Wahlen im Mai. Der Premierminister muss trotz Aufschwungs um sein Amt bangen. Wird er wiedergewählt, kommt es zum Showdown mit Europa. Mehr 1 12


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutsche Bildungsbürger scheuen Facebook & Co.

Deutschland ist so ziemlich das einzige Land in Europa, in dem ungebildete Leute in sozialen Netzwerken präsenter sind als gebildete. Mehr 20

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden