http://www.faz.net/-gqe-7a93o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 18.06.2013, 18:12 Uhr

Amerikanische Notenbank Obama schürt Spekulation über Bernankes Abschied

Die Hinweise auf einen Abschied Ben Bernankes als Vorsitzender der amerikanischen Notenbank verdichten sich. Bernanke sei schon länger geblieben, als von ihm erwartet wurde, sagte Präsident Obama. Nachfolgerin könnte Janet Yellen werden.

von , Washington
© AP Janet Yellen

Der Frage, ob er Bernanke wieder ernennen würde, falls dieser wolle, wich Obama aus. In bemerkenswerter Weise sprach er vom Fed-Vorsitzenden in der Vergangenheitsform. Bernanke sei „ein herausragender Partner gewesen, um uns dabei zu helfen, uns wirtschaftlich viel stärker zu erholen als beispielsweise unsere europäischen Partner“, sagte Obama.

Patrick Welter Folgen:

Bernankes Amtszeit als Vorsitzender der Federal Reserve endet im Januar 2014. In Amerika zählt es zu den wichtigsten Rechten des Präsidenten, den Fed-Vorsitzenden zu berufen. Dieser muss vom Senat bestätigt werden. Bernanke war ursprünglich vom Republikaner George W. Bush ernannt worden. Obama betätigte ihn 2010 für weitere vier Jahre im Amt. Er hat nun seine letzte Chance, einen eigenen Kandidaten zu bestimmen.

Mehr zum Thema

Dem generell reserviert wirkenden Bernanke wird eine gewisse Amtsmüdigkeit nachgesagt. Im März hatte er gesagt, mit dem Präsidenten „ein wenig“ über seine Zukunft gesprochen zu haben. Der ehemalige Princeton-Professor erklärte zugleich, er fühle keine persönliche Verantwortung, die von ihm eingeleitete Lockerung der Geldpolitik wieder abzuwickeln. „Ich denke nicht, dass ich die einzige Person in der Welt bin, die den Ausstieg managen kann“, sagte Bernanke.

An diesem Mittwoch wird er nach der Zinsentscheidung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve wieder Fragen von Journalisten beantworten. Bernanke hatte die Spekulationen angefacht, weil er sich aus persönlichen Gründen bei der Notenbankerkonferenz in Jackson Hole Ende August von seiner Stellvertreterin Janet Yellen vertreten lässt.

File of Federal Reserve Board Chairman Bernanke testifing before the Joint Economic Committee in Washington © Reuters Vergrößern Ben Bernanke

Analysten sehen Yellen als wahrscheinlichste Nachfolgerin, sollte Bernanke gehen. Die frühere Berkeley-Ökonomin, Ehefrau des Nobelpreisträgers George Akerlof, wäre die erste Frau an der Fed-Spitze. Sie fokussiert in der Krise stark auf die Verantwortung der Fed zur Verringerung der Arbeitslosigkeit. Manche Analysten haben indes Vorbehalte, ob sie einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik schnell genug einleiten werde.

Als weitere mögliche Kandidaten gelten die früheren Finanzminister Timothy Geithner und Lawrence Summers. Geithner hat öffentlich Interesse an dem Amt bestritten. Doch hatte er sich von Obama 2009 auch in das Amt des Finanzministers bitten lassen. Summers, ein früherer Obama-Berater, soll schon vor vier Jahren Interesse an dem Posten gezeigt haben. Spekuliert wird auch über die früheren Fed-Vizevorsitzenden Roger Ferguson und Donald Kohn, sowie über den scheidenden Gouverneur der Bank von Israel, Stanley Fischer.

Die Fed debattiert derzeit, wann sie die quantitative Lockerung, den Ankauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren von 85 Milliarden Dollar im Monat schrittweise zurücknehmen soll. Die Erwartung eines beginnenden Ausstiegs hat die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf rund 2,2 Prozent steigen lassen. Die Inflationsrate stieg im Mai von 1,1 auf 1,4 Prozent, wie die Statistiker am Dienstag mitteilten. Sie liegt deutlich unter dem mittelfristigen 2-Prozent-Ziel der Fed. Der Anstieg dürfte Bedenken mancher Geldpolitiker dämpfen, dass die Inflation zu niedrig liege.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Amerikanische Notenbank Rätselraten in Jackson Hole

Anleihenkäufe, negative Leitzinsen oder ein neues Inflationsziel? Die amerikanische Notenbank FED sucht von diesem Donnerstag an im Luftkurort Jackson Hole nach Lösungen für ökonomische Rätsel. Aber gibt es die überhaupt? Mehr Von Winand von Petersdorff, Washington

25.08.2016, 08:09 Uhr | Wirtschaft
Für den Katastrophenfall Bundeskabinett beschließt neues Konzept für Zivilschutz

Nachdem in den letzten Tagen bereits viel darüber diskutiert wurde, hat die Bundesregierung nun ihr neues Zivilschutzkonzept verabschiedet. Von der Opposition kommt dafür Kritik, in der Bevölkerung ist man geteilter Meinung. Mehr

24.08.2016, 19:42 Uhr | Politik
Deutsche Bank, UBS & Co. Großbanken arbeiten an neuer Digitalwährung

Vier führende Geldhäuser, darunter die Deutsche Bank, wollen ihre Kräfte bündeln, um eine digitale Währung zu erschaffen. Es geht um viele Milliarden Dollar. Überzeugen müssen sie noch die Notenbanken. Mehr

24.08.2016, 08:07 Uhr | Wirtschaft
Nach Erdbeben Überlebende in Mittelitalien stehen unter Schock

Nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien berichten die Bewohner in den Bergdörfern Accumoli und Amatrice die Bewohner, was sie in den frühen Morgenstunden erlebt haben. Ministerpräsident Renzi kündigte Hilfe an, Papst Franziskus zeigte sich tief betroffen. Die Rettungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Mehr

24.08.2016, 17:36 Uhr | Gesellschaft
Geldpolitik Türkische Zentralbank senkt die Zinsen

Zum sechsten Mal in Folge senkt die türkische Zentralbank den Leitzins. Erdogan appelliert zudem an die Geschäftsbanken, keine hohen Zinsen zu nehmen. Wer den falschen Weg gehe, müsse mit Konsequenzen rechnen. Mehr

23.08.2016, 14:51 Uhr | Wirtschaft

Verbunden auf Gedeih und Verderb

Von Martin Gropp

Der Konflikt bei VW zeigt: Die Verbindung zwischen Zulieferern und Autoherstellern ist fragil – und kann sich im Streitfall zur Abhängigkeit entwickeln. Doch beide stehen gemeinsam in der Verantwortung. Mehr 3

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden