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Amerikanische Konjunktur Sommer der Erholung bleibt aus

30.08.2010 ·  Im zweiten Quartal hat der Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft sich merklich abgekühlt. Der Hausmarkt liegt am Boden; die zweite Schwachstelle ist der Arbeitsmarkt. Den Amerikanern dämmert, dass es mit dem schnellen Konsum vorerst vorbei ist.

Von Patrick Welter
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Es hatte ein „Sommer der Erholung“ werden sollen. Frohgemut reiste Präsident Barack Obama durchs Land, um schuldenfinanzierte Infrastrukturprojekte und Unternehmensneubauten zu feiern. Aber das Aufbruchsignal bleibt aus. Der Sommer der Erholung endet im Missklang. Im zweiten Quartal hat der Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft sich merklich abgekühlt, wobei der durch Sonderfaktoren rasant gestiegene Import das ordentliche Wachstum der inländischen Komponenten und des Exports verdeckte. Aktuelle Wirtschaftsdaten weisen indes auf eine weitere Abschwächung hin.

Die Abkühlung der Konjunktur kommt nicht überraschend. Die fiskalischen Impulse aus dem Konjunkturpaket laufen allmählich aus, auch wenn viele Infrastrukturprojekte erst jetzt baureif sind. Zugleich wäre ein Luftholen im kräftigen Investitionsschub der privaten Unternehmen, der das Wachstum bislang maßgeblich anschob, nicht ungewöhnlich. Langsamer als erhofft aber übernimmt die private Nachfrage den Staffelstab im Aufschwung. Gegen die um sich greifenden Rezessions- und Deflationsängste spricht, dass die finanziellen Bedingungen sich nach den Schrecken der Griechenlandkrise entspannt haben. Die Unternehmen melden steigende Gewinne. Die Schrumpfung der Kreditvergabe scheint einen Boden zu finden und die Großbanken beginnen, ihre Kreditkonditionen ein wenig zu lockern. Sie kommen mit der Sanierung ihrer Bilanzen voran. Zumindest die systemrelevanten Banken scheinen vorbehaltlich neuer Schocks von außen hinreichend stabil. Bei den vielen kleinen Banken sieht es dagegen noch düster aus.

Der Hausmarkt liegt am Boden

Die zwei großen Schwachstellen der Erholung liegen anderswo. Der Hausmarkt liegt am Boden. In den vergangenen Monaten wurde er künstlich angeschoben durch Steuerkredite für Erstkäufer. Nach dem Ende des Programms ist die Hausnachfrage wieder zusammengebrochen. Die Strategie der Regierung, mit dem Steuerkredit Zeit zu kaufen und zu hoffen, dass die private Nachfrage in diesem Sommer hinreichend Fuß gefasst habe, ging nicht auf. Mit einigem Glück hat der Hausmarkt dennoch einen Boden gefunden, auf dem er als Folge des Angebotsüberhangs noch für einige Jahre stagnieren dürfte. Damit entfiele „nur“ ein Wachstumstreiber und es drohte zumindest keine weitere Belastung der Konjunktur.

Die andere große Schwachstelle ist der Arbeitsmarkt. Die Erholung der Industrie greift zu wenig auf den Arbeitsmarkt über, die verunsicherten Unternehmen scheuen vor vorschnellen Einstellungen zurück. Es ist zwar keine „jobless recovery“ wie nach den beiden vorherigen Rezessionen Anfang der neunziger Jahre und Anfang dieses Jahrzehnts. Seit Jahresbeginn bauen die privaten Unternehmen ihre Beschäftigung aus – allerdings noch viel zu langsam, um eine Wende am Arbeitsmarkt herbeizuführen.

Mit der jetzt dräuenden Abschwächung kann die Arbeitslosenquote im Winter schnell auf 10 Prozent und mehr steigen. Die mittelfristigen Prognosen weisen nur auf einen langsamen Abbau hin. Vergleichbar ist diese Lage nur mit den frühen achtziger Jahren, als der Fed-Vorsitzende Paul Volcker der Wirtschaft die Inflation austrieb und die Arbeitslosenquote für zwei Jahre fast zehn Prozent erreichte. Das aber ist lange her und die Amerikaner haben es vergessen. Neu ist, dass rund die Hälfte der Arbeitslosen schon sechs Monate und länger eine Stelle sucht. Das ist nicht nur Folge der Krise, sondern auch der politisch gewollten verlängerten Arbeitslosenhilfe.

Diese Krise ist nicht mit billigem Geld hinwegzuschwemmen

Schmerzhaft lernen die Amerikaner, dass diese Krise nicht wie in den Jahren des Fed-Vorsitzenden Alan Greenspan mit billigem Geld hinwegzuschwemmen ist. Die Bilder der Arbeitslosen und die Grafiken über den rasanten Schuldenanstieg im Fernsehen verstärken die Unsicherheit. Die Überschuldung vieler Hauseigentümer im Verbund mit fehlender Hausnachfrage erzwingt eine neue Immobilität. Den Amerikanern dämmert, dass es mit dem schnellen Konsum vorerst vorbei ist. Die Sparquote der privaten Haushalte stieg zuletzt auf 6,1 Prozent, Tendenz steigend. Das wird die private Nachfrage noch für lange Zeit hemmen. Es ist zugleich aber eines der wichtigsten Signale, dass Amerika auf dem Weg der strukturellen Besserung ist. Die privaten Haushalte bringen ihre Bilanzen schneller als erwartet in Ordnung.

Das ist die strukturelle Korrektur, die der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, in Jackson Hole nicht nur von den Amerikanern einforderte. Der Abbau des Schuldenüberhangs der Haushalte, der Unternehmen und der Finanzhäuser, den die Rückkehr auf einen soliden Wachstumspfad voraussetzt, braucht Zeit. Den Amerikanern verlangt dies Geduld ab, die sie nicht nur als Folge der gloriosen, aber vergangenen Aufschwungjahren kaum haben. Die nur langsame Gewöhnung an vorerst niedrigere Wachstumsraten belastet ihrerseits die Erholung.

Für Obama und seine Demokraten ist das vor der Zwischenwahl im November alles zu langsam. Der Unwille über die Milliardenschulden, die er auf das Schuldenerbe ohne Erfolg noch draufsattelte, ist groß. Umfragen zeigen, dass bei den Amerikanern der Wunsch nach einem Wechsel reift.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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