01.05.2008 · Der amerikanische Medienkonzern Time Warner setzt seinen Umbau fort und hat angekündigt, sich von der Kabelsparte trennen zu wollen. Das hat auch mit AOL, Yahoo und Microsoft zu tun.
Time Warner, der größte Medienkonzern der Welt, steht vor einem radikalen Umbau. Vorstandschef Jeffrey Bewkes berichtete am Mittwoch (Ortszeit) neben einen Gewinnrückgang im ersten Quartal auch die Absicht, die Kabel-Sparte von den restlichen Aktivitäten des Unternehmens zu trennen. Damit reagierte er auf den Druck einiger Aktionäre. Diese fordern, dass sich das Unternehmen auf das Film- und Fernsehgeschäft konzentriert und die Internettochter AOL für einen möglichen Verkauf wieder auf die Erfolgsspur bringt.
Zur Zeit ist der Konzern mit 84 Prozent an der zur Disposition stehenden Sparte Time Warner Cable beteiligt. Sie bietet TV-Anschlüsse an. Im ersten Quartal war ihr Umsatz um acht Prozent auf 4,16 Milliarden Dollar gestiegen und der Gewinn um zwölf Prozent auf 242 Millionen Dollar gefallen. „Unter den richtigen Rahmenbedingungen ist eine komplette strukturelle Abtrennung im besten Interesse der Aktionäre von Time Warner und Time Warner Cable“, sagte Bewkes in einer Telefonkonferenz. „Wir gehen den richtigen Weg, um den Shareholder-Value zu erhöhen.“
Einzelheiten bleiben offen
Laut Bewekes sind die Verwaltungsräte des Mutterkonzerns und der Kabel-Tochter kurz vor einer Einigung darüber, wie die Sparte genau abgespalten werden soll. Einzelheiten dazu nannte er allerdings nicht. „Der Markt hat weitestgehend erwartet, dass Time Warner Cable vollständig abgetrennt wird“, sagte David Joyce, Analyst bei Miller Tabak & Co. in New York. Sein Kollege Paul Greene von T. Rowe Price Associates in Baltimore ergänzte mit Bezug auf den Mutterkonzern: „Wenn ihnen auf Grund des Verkauf Barmittel zufließen und sie diese nutzen, um Aktien zurückzukaufen, dann hat das durchaus seinen Reiz.“
Unterm Strich war es für Time Warner zuletzt nicht rund gelaufen. Im ersten Quartal brach der Gewinn um 36 Prozent auf 771 Millionen Dollar ein. Im selben Zeitraum stieg der Umsatz um 2,1 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar, heiß es am Mittwoch.
Time Warner hat das Kabelgeschäft erst vor gut einem Jahr an die Börse gebracht, es steht für mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes von Time Warner. Im Februar hatte Bewkes schon größere Veränderungen bei der Internetsparte AOL angekündigt, die aufgespalten
werden soll. So soll das Geschäft mit Internetzugängen, das mit einem rapiden Verlust an Abonnenten kämpft, abgetrennt werden. Die Sparte verlor im Berichtszeitraum 647.000 Kunden im Zugangsgeschäft, was den Gewinn der Tochter auf fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zusammenschmelzen ließ. Insgesamt lag die Kundenzahl damit Ende März bei 8,7 Millionen - das ist ein Minus von mehr als 50 Prozent innerhalb der vergangenen zwei Jahre.
Microsoft zögerlich - AOL doch an Yahoo?
Stattdessen will sich AOL auf das Geschäft mit Online-Werbung auf seinen Internetseiten konzentrieren. Diese Aufspaltung könnte AOL nach Ansicht von Analysten attraktiver für einen Partner machen. Derzeit verhandelt das Internetunternehmen Yahoo über eine Allianz mit AOL - als Alternative zum feindlichen Übernahmeangebot des Softwarekonzerns Microsoft. Der Verwaltungsrat habe sich auf seiner Sitzung am Mittwoch aber noch nicht über das weitere Vorgehen geeinigt, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Microsoft erwäge eine Erhöhung seines bereits vor drei Monaten abgegebenen Angebots von ursprünglich 31 Dollar je Yahoo-Aktie auf 33 Dollar, hieß es in der Zeitung unter Berufung auf Insider. Yahoo und einige seiner Großaktionäre wollten aber zwischen 35 und 37 Dollar haben. Das Microsoft-Aufsichtsgremium habe Konzernchef Steve Ballmer weitgehend freie Hand in dem Tauziehen gegeben. Der nächste Schritt Microsofts wird noch für die laufende Woche erwartet. Time Warner stand bereits kurz davor, die Kontrolle über das Internetunternehmen an Yahoo abzugeben, verlautete vor wenigen Tagen aus informierten Kreisen.
Ebenfalls rückläufig war der Quartalsgewinn im Filmgeschäft von Time Warner, allerdings nur um 25 Prozent. In der Sendersparte, zu der unter anderem der Bezahlkanal HBO gehört, kletterte der Gewinn hingegen um 1,6 Prozent. Bei den Verlags- Aktivitäten konnte das Unternehmen mit Publikationen wie Time Magazine und People den Gewinn sogar mehr als verdoppeln.
Die Wurzeln des Konzerns reichen ins Jahr 1989 zurück. Damals schlossen sich Time and Warner Communications zu einem neuen
Branchenriesen zusammen. Dieser wurde 2001 vom Internetunternehmen AOL für 124 MilliardenDollar übernommen. Der Plan vom integrierten Medienkonzern, der Fernsehshows und Magazine online verkauft, ging allerdings nicht auf. Das führte schon ein Jahr später zu
Abschreibungen von 100 MilliardenDollar.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.536,20 | +0,65% |
| EUR/USD | 1,2485 | −0,45% |
| Rohöl Brent Crude | 106,75 $ | −0,48% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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