26.09.2008 · Die amerikanische Bank J.P. Morgan Chase wird zu einem Krisengewinner. Das Institut ist selbst aus diversen Zusammenschlüssen entstanden und nutzt seine Stabilität, um angeschlagene Banken billig zu kaufen.
Kno. FRANKFURT, 26. September. Die bisher drittgrößte amerikanische Bank J.P. Morgan Chase & Co. wird neben der Bank of America, die soeben die traditionsreiche Investmentbank Merrill Lynch übernommen hat, zu einer Gewinnerin der Finanzkrise. Nachdem J.P. Morgan erst Mitte März die angeschlagene Investmentbank Bear Stearns zu einem Ausverkaufspreis von 236 Millionen Dollar übernehmen konnte, gelangt nun die amerikanische Sparkasse Washington Mutual in den Besitz des neuen Marktführers J.P. Morgan. Die Bank mit ihren bisher rund 180 000 Mitarbeitern zahlt für das Geschäft gerade 1,9 Milliarden Dollar. Weitere Kosten in Milliardenhöhe werden zwar hinzukommen, aber unter Analysten gilt auch diese Transaktion als Schnäppchen.
Mit beiden Übernahmen bleibt J.P. Morgan inmitten der größten Finanzkrise seit Jahrzehnten seiner Tradition treu. Denn die Geschichte der Bank, die heute in mehr als 60 Ländern tätig ist, besteht aus einer Kette von Käufen, Zusammenschlüssen und Namenswechseln. Sie beginnt im Jahr 1823, als die New York Chemical Manufacturing Company als Herstellerin verschiedener Chemikalien gegründet wurde. Ein Jahr später änderte die Gesellschaft ihre Satzung, um die Geschäftstätigkeit als Bank aufnehmen zu können, und schuf damit die Chemical Bank of New York. Nach 1851 wurde die Bank von ihrer Muttergesellschaft getrennt und wuchs sowohl organisch als auch durch eine lange Serie von Übernahmen. Im Jahr 1996 schließlich kaufte die Chemical Bank die Geschäftsbank Chase Manhattan Corporation und nahm den Namen des übernommenen Unternehmens an. Im Jahr 2000 erwarb sie auch die Investmentbank J. P. Morgan & Co., änderte den Namen in den noch heute gültigen J.P. Morgan Chase & Co. - und war nun eine Universalbank mit breitem Dienstleistungsportfolio.
Die Chase Manhattan Bank war ihrerseits das Ergebnis einer Übernahme der 1877 gegründeten Chase National Bank durch die Bank of the Manhattan Company im Jahr 1955 gewesen. Der Ursprung von J.P. Morgan wiederum reicht in das Jahr 1895 zurück, als sich das damalige Bankhaus Drexel, Morgan & Co. in J.P. Morgan & Co. umbenannte. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde dieses Institut durch den Glass-Steagall Act gezwungen, das Investmentbanking vom übrigen Bankbetrieb zu trennen. Daraufhin gründeten Henry Sturgis Morgan, ein Sohn von J.P. Morgan, und Harold Stanley, die nach ihnen benannte und später von Chase Manhattan übernommene reine Investmentbank.
Im Jahr 2000 war die Geschichte der Zukäufe und Zusammenschlüsse nicht zu Ende: Vier Jahre später kaufte das Institut die Bank-One in Chicago - und so gelangte der heutige Vorstandsvorsitzende von J.P. Morgan Chase, der damalige Bank One-Chef Jamie Dimon, in den Konzern. Seit Dimon den Vorstandsvorsitz von J.P. Morgan Chase übernommen hat, hat er lukrative Geschäftsbereiche wie den Rohstoffhandel ausgebaut, das Hypothekengeschäft aber stark gemieden - was die Bank heute vergleichsweise solide erscheinen lässt. Ihre Bilanzsumme erreicht rund 2 Billionen Dollar.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.533,10 | +0,63% |
| EUR/USD | 1,2485 | −0,45% |
| Rohöl Brent Crude | 106,75 $ | −0,48% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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