03.09.2008 · Schlussverkauf in Amerika. Den ganzen Sommer über hat der Dollarkurs das Shoppen in Übersee billig gemacht. Reiseveranstalter schrieben Amerika-Rekorde, Zollfahnder hatten alle Hände voll zu tun. Jetzt steigt der Dollar wieder. Lohnt sich das Einkaufen in Übersee immer noch? FAZ.NET hat nachgerechnet.
Von Nadine Bös7 For All Mankind heißt die Lieblings-Jeansmarke von Jara Martini. „Die sehen richtig cool aus, haben einen tollen Schnitt und ein klasse Design.“ Ziemlich teuer sind sie außerdem: Mit 200 Euro und mehr müssen Liebhaber schon rechnen für solch ein Stück. „In Deutschland hätte ich diese Hose nie gekauft“, sagt die junge Physiotherapeutin. Als sie aber ihre Schwester in New York besuchte, schlug Jara Martini sofort zu. Ihre 7-For-All-Mankind-Jeans kostete in Amerika nur 100 Dollar, wie sie begeistert erzählt. Beim derzeitigen Kurs wären das umgerechnet etwa 69 Euro. „Ein Riesenschnäppchen.“
Der Dollar hat Einkaufen in Übersee den ganzen Sommer über billig gemacht - und die hierzulande konsummüden Verbraucher munter. Nicht nur New York, ganz Amerika war angesagt für Urlauber. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) ist die Zahl der Deutschen, die in die Vereinigten Staaten reisten, im vergangenen Jahr steil nach oben gegangen. Waren es 2006 rund 1,4 Millionen, reisten im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Deutsche in die Vereinigten Staaten ein. „Dass der günstige Dollarkurs und die guten Shoppingmöglichkeiten dahinter stecken, liegt nahe“, sagt ein DRV-Sprecher. Zum Schnäppchen geworden seien ja nicht nur Einkäufe, sondern auch Hotels, Restaurants oder Theater.
Doch der Trend könnte wackeln; das Einkaufen in den Staaten und die Reisen dorthin werden wieder teurer. Der Dollar erfreut sich einer relativen Stärke - gerade jetzt reagiert er nochmal auf die sinkenden Ölpreise. Erst an diesem Mittwoch ist der Euro deshalb auf ein Sieben-Monats-Tief gefallen. Trotzdem gilt noch immer, dass der Kurs günstiger ist als vor einem Jahr. Etliche, hierzulande begehrte Markenartikel sind noch immer vergleichsweise günstig, gleichgültig ob Jeans, iPod oder Tennisschläger.
„Es ist das Rekordjahr für die Vereinigten Staaten“
Die Reiseveranstalter Dertour, Meier's Weltreisen und ADAC-Reisen bestätigen: „Es ist das Rekordjahr für die Vereinigten Staaten.“ Im Reisejahr 2007 / 2008 verzeichneten sie ein Plus von 22 Prozent bei Amerika-Reisen - das bis dahin höchste Niveau im Jahr 2000 wurde erstmals übertroffen. Ein besonders starkes Wachstum gab es bei Städtereisen nach New York, Las Vegas oder Miami. New York war das wichtigste Ziel für kurze Trips - weil die Flugdauer mit 8 Stunden verhältnismäßig kurz ist. Die Sprecherin des Reiseveranstalters Dertour bestätigt: Die Attraktivität des Dollars sei für diese Entwicklung entscheidend und „natürlich“ sei Amerika sowieso „ein ideales Land zum Shoppen“.
Die Lust am Konsum ist so zu einem wichtigen Grund geworden, der die Deutschen zum Besuch des „Big Apple“ oder in all die anderen Einkaufsparadiese der Vereinigten Staaten treibt. Ob Kleidung, Elektronik oder Sportgeräte - für den Urlauber hat ein billiger Dollar einen ähnlichen Effekt wie ein eingebauter Rabatt auf alle Waren. Doch nun ist Schlussverkauf angesagt und genaues Nachrechnen. Denn gab es in guten Zeiten teilweise mehr als 30 Prozent „Dollar-Discount“, schrumpft der Vorteil rapide dahin, während sich der Dollar von seiner Schwäche erholt. Noch lohnt sich aber dennoch das Mitbringen vieler Waren aus Amerika (siehe unsere Beispielrechnungen).
Zollfahnder in Alarmbereitschaft
Die Zollfahnder an den Flughäfen hat das Amerika-Einkaufsfieber der Deutschen in Alarmbereitschaft versetzt. „Unsere Beamten haben seit Monaten alle Hände voll zu tun“, beschreibt eine Sprecherin des Hauptzollamtes am Frankfurter Flughafen die Lage. Zwar liege das Hauptaugenmerk der Fahnder noch immer auf Profi-Schmugglern, die Drogen, Waffen oder Plagiate ins Land bringen wollen. Aber: „Auch die kleinen Zoll- und Steuervergehen sind gegen das Gesetz.“
Jara Martini durfte ihre Lieblingsjeans ganz abgabenfrei über die Grenze bringen: Für Reisende gilt eine Freigrenze von 175 Euro. Bei Internetkäufen sind die Regeln strenger: Hier liegt die Freigrenze lediglich bei 22 Euro. Noch immer gilt in vielen Fällen, dass der Dollar noch günstig genug ist, dass sich sogar viele Internetbestellungen trotz des Zolls rechnen.
Abgabenpauschale für teurere Einkäufe
Für alle teureren Einkäufe oberhalb der Freigrenze wird die deutsche Mehrwertsteuer von 19 Prozent fällig - und für die meisten Güter außerdem ein Zollsatz, der je nach Ware ganz unterschiedlich hoch sein kann. Für Computer beispielsweise fällt gar kein Zoll an, weil sie in Deutschland nicht hergestellt werden. Bei einem iPod müssen nach einer unverbindlichen Zollauskunft des Hauptzollamts Frankfurt 13,9 Prozent Zoll bei der Einfuhr abgeführt werden. Bei einer Levi's Jeans werden sogar 19 Prozent Zoll fällig.
Wer so viel kauft, dass er die Freigrenze überschreitet, aber beim Gesamtwert der Waren unter 350 Euro bleibt, kann eine Abgabenpauschale ansetzen. Die liegt bei 13,5 Prozent und sorgt dafür, dass viele Einkäufe für Reisende auch dann noch attraktiv bleiben, wenn sie die Freigrenze überschreiten.
Beispiel iPod Touch: Der Musikspieler mit acht Gigabyte Speicherplatz kostet in den Vereinigten Staaten 299 Dollar; in Deutschland beträgt der Preis 279 Euro. Nimmt man eine amerikanische Umsatzsteuer von 8 Prozent an und kalkuliert die Abgabenpauschale mit ein, würde ein Käufer bei einem Wechselkurs von 1,4455 Dollar deutlich günstiger wegkommen, wenn er in Amerika kauft. Bei etwa 252,89 Euro läge dann der Preis inklusive Abgaben. Ersparnis gegenüber Deutschland: 26,11 Euro. Sparen lässt sich auch bei anderen beliebten Waren, wie Jeans, Turnschuhen oder Tennisschlägern.
Und was, wenn man erwischt wird?
Wer am Zoll beim Schmuggeln von anmeldepflichtigen Waren erwischt wird, muss nachzahlen. Nach Angaben des Hauptzollamts Frankfurt leiten die Beamten bei kleineren Beträgen nicht unbedingt ein Strafverfahren ein. Müssen mehr als 130 Euro Abgaben nachgezahlt werden, ist aber auf jeden Fall zusätzlich ein Strafverfahren fällig, sagt eine Sprecherin.
Ob den Flughafenbeamten in letzter Zeit mehr Hobby-Schmuggler ins Netz gegangen sind? Darüber führt die Behörde in Frankfurt keine Statistik. Bundesweit gibt es erst recht keine Zahlen - so etwas sammelt niemand. Und wie empfinden es die Beschäftigten am Zoll? „Massen an iPods und Computern sind uns nicht ins Netz gegangen“, heißt es beim Hauptzollamt Frankfurt. „Aber wir passen schon stärker auf.“ Vielleicht hat sich ihr Problem auch bald ganz erledigt: Die OECD prophezeite Europa erst gestern eine deutlich erlahmende Konjunktur. Das lässt vermuten, dass der Euro weiter an Wert verlieren könnte. Wer noch vom Amerikaboom profitieren möchte, sollte sich deshalb lieber beeilen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.738,47 | +0,68% |
| FAZ-INDEX | 1.504,02 | +0,59% |
| TecDAX | 775,33 | +0,71% |
| MDAX | 10.290,00 | +0,40% |
| SDAX | 5.011,74 | +0,53% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.491,54 | +0,43% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,48 | +0,59% |
| Dow Jones | 12.874,00 | +0,57% |
| Nasdaq 100 | 2.569,49 | +0,87% |
| S&P500 | 1.351,77 | +0,68% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3154 | −0,13% |
| Rohöl Brent Crude | 117,48 $ | −0,26% |
| Gold | 1.727,00 $ | +0,91% |
| Bund Future | 138,32 € | −0,22% |