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Altlasten der Finanzinvestoren Die „Heuschrecken“ werden ihre Firmen nicht los

Milliardenschwere Übernahmen waren eine Zeitlang auch in Deutschland an der Tagesordnung. Seit der Bankenkrise ist es sehr still geworden um viele der amerikanischen Private-Equity-Stars.

© dpa Vergrößern Was machen die „Heuschrecken“ nach der Krise?

Wenn die Zunft der Finanzinvestoren sich demnächst zu ihrem jährlichen Treffen in Berlin einfindet, wird sie mit Wehmut an die Zeit vor Beginn der Lehman-Krise zurückdenken. Auf dem Höhepunkt der Private-Equity-Euphorie kamen die legendären Manager wie Stephen Schwarzman (Blackstone) oder David Bonderman (Texas Pacific Group) 2007 nach Deutschland, um hier die Übernahme eines Unternehmens in der Größenordnung eines Dax-Konzerns vorzubereiten.

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Ganz so groß wurden die Einkäufe durch Beteiligungsgesellschaften aus Amerika und England dann zwar nicht, aber milliardenschwere Übernahmen waren eine Zeitlang auch in Deutschland an der Tagesordnung. Angetrieben durch große Summen in den eigenen Fonds und angefeuert durch enorme Kredite der Banken übernahmen Finanzinvestoren, was der Markt hergab. Nicht so sehr die Frage, ob ein Unternehmen in seinem operativen Geschäft erfolgreich war, stand im Vordergrund. Viel wichtiger war der Glaube, das Rad werde sich immer weiterdrehen und man könne die übernommenen Konzerne nach einiger Zeit mit noch mehr Schulden an den nächsten Investor weiterreichen.

Käufer allenfalls vereinzelt in Sicht

Die Bankenkrise machte diese Planspiele zunichte. Seitdem ist es sehr still geworden um viele der amerikanischen Private-Equity-Stars. Bonderman, Schwarzman und viele ihrer Rivalen traten hierzulande nie wieder auf, und als Blackstone sich vor einigen Wochen mit hohen Verlusten vom ersten Teil eines 4,6-Prozent-Anteils an der Deutschen Telekom trennte, wurde dies so unauffällig wie möglich veröffentlicht. Zwar sind die großen Finanzinvestoren noch immer unterwegs und kaufen den einen oder anderen mittelgroßen Betrieb. Aber seit die „Milliardendeals“ Seltenheitswert besitzen, haben die Leitfiguren der Branche das Interesse an Deutschland offensichtlich verloren.

Stephen Schwarzman © AP Vergrößern Legendärer Manager: Stephen Schwarzman

Diese Abstinenz löst allerdings ein Problem nicht: Was tun mit den Konzernen, die zwischen 2005 und 2007 hierzulande erworben wurden? Gemäß den eigenen Investmentrichtlinien müssen Beteiligungsgesellschaften diese Unternehmen langsam wieder verkaufen. Länger als fünf bis sieben Jahre bleiben Portfoliofirmen nur in Ausnahmefällen im Besitz eines Fonds. Doch die Ausnahmen häufen sich, und sie reichen - quer durch die deutsche Industrie - von Raststätten (Tank & Rast) über Werkstattketten (ATU), Wohnungsgesellschaften (Deutsche Annington), Lebensmittelhersteller (Iglo) bis hin zu großen Industriekonzernen wie dem Gabelstaplerhersteller Kion.

Manche dieser Konzerne haben die Krisenjahre gut überstanden, manche sind ein dauerhafter Problemfall. Alle eint, dass ihre Besitzer seinerzeit viel Geld ausgegeben haben - und jetzt nicht wissen, woher sie eine auch nur annähernd ähnlich hohe Summe beim Wiederverkauf erhalten sollen. Börsengänge sind in Deutschland seit Jahren für Konzerne dieser Größenordnung fast unmöglich geworden. Andere Käufer sind allenfalls vereinzelt in Sicht; der eine oder andere chinesische Investor mag Interesse haben, vielleicht auch ein Konkurrent aus der jeweiligen Branche oder ein weiterer Finanzinvestor. Doch sie können rechnen und werden die Preise von damals nicht wieder bezahlen - auch deshalb nicht, weil die Banken nicht mehr die gleichen Kreditsummen zu ähnlich lockeren Konditionen bieten.

Der Blick hat sich verändert

Damit stecken die Unternehmen bis auf weiteres in den Portfolios ihrer Besitzer fest. Noch entsteht diesen kein unmittelbarer Schaden. Denn die Private-Equity-Fonds haben insofern dazugelernt, als sie ihr Geschäftsmodell seit der Krise verändert haben. Statt mit Schulden, Eigenkapital und Ausschüttungen zu jonglieren, steht nun die Fortentwicklung des operativen Geschäfts im Vordergrund. Vielfach haben die Eigner neues Geld nachgeschossen, um eine Refinanzierung oder Entschuldung zu erreichen. Dies nicht aus Altruismus, sondern um das Image der „Heuschrecke“ loszuwerden. So bleibt ihnen auch die Hoffnung, die Konzerne wenigstens zum Einstandspreis wieder loszuwerden - auch wenn es ganz ohne Notverkäufe wohl nicht ablaufen wird. Das ist für die Finanzinvestoren aber besser als der Ruf der gnadenlosen Zerstörer.

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Denn aufgeben wollen zumindest die hiesigen Statthalter der großen Private-Equity-Fonds den deutschen Markt nicht. Aber der Blick hat sich inzwischen verändert: Gesucht werden insbesondere Unternehmen aus traditionellen Industriebranchen mit stabilen Einnahmen, die vor ein paar Jahren noch als langweilig galten, sowie Infrastrukturfirmen. Finanzinvestoren versuchen auch, sich als Partner des Mittelstands zu etablieren. Bisher warben sie dabei vor allem mit dem Kapital, das sie mitbrachten. Doch auf diesem Ohr sind viele Mittelständler taub. Nun sind es vor allem die internationale Expertise und das eigene Netzwerk mit Büros in allen Kontinenten, die die großen Private-Equity-Gesellschaften in die Waagschale werfen. Auch das wird ihnen die Türen zum Mittelstand nicht automatisch öffnen. Aber Finanzinvestoren, die eine gute Idee und einen sinnvollen Plan für weiteres Wachstum eines Unternehmens haben, werden mit Sicherheit mehr angehört als jene, die einst nur billig erscheinende Kredite mitbrachten.

Quelle: F.A.Z.

 
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