26.08.2003 · Angesichts sinkender Geburtenraten scheint die Kapitaldeckung sinnvoller als das Umlagesystem. Aber auch die Kapitaldeckung kann dem Problem einer alternden Gesellschaft nicht entkommen.
Vereinfacht gesprochen, lebt die kollektive Rentenversicherung im Umlageverfahren von der Hand in den Mund: Was Arbeitnehmer als Rentenbeiträge einzahlen, wird den Rentnern ausgezahlt. Das erinnert an das Prinzip der Grille, die im Sommer munter musiziert und an den Winter nicht denkt. Der gedachte Generationenvertrag des Umlagesystems bedingt, daß die arbeitende Generation genügend Kinder in die Welt setzt, die später die Rente zahlen können. Dieser Generationenvertrag ist eine Fiktion.
Eine andere Möglichkeit der Altersvorsorge baut auf der Kapitaldeckung auf: Die Menschen sparen - jeder für sich - für ihr Alter. Aus Zins und Zinseszins und aus dem Vermögen finanzieren sie die Jahre ihres Ruhestandes. Es ist das Prinzip der Ameise, die im Sommer für den Winter vorsorgt. Diesem Prinzip hat sich - mit einigen sozialpolitischen Einsprengseln - etwa Chile verschrieben. Auch in Deutschland war die Rentenversicherung in ihrer Frühzeit kapitalgedeckt; erst der Neuanfang 1957 erfolgte im Umlagesystem. Die Kapitaldeckung betont die Eigenvorsorge und kommt so dem Charakter der sozialen Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards näher als die Umlage. Privat angelegtes Kapital ist eigentumsrechtlich geschützt und vor politischem Zugriff sicherer als eigentumsähnliche Rentenansprüche, die alle paar Jahre in Rentenreformen beschnitten werden.
Größerer Kapitalstock lindert das Problem
Die Verteidiger der Umlagerente kritisieren, das kapitalgedeckte System sei nicht widerstandsfähig gegen demographische Veränderungen. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht müsse der Konsum einer Gesellschaft immer von den aktuell Arbeitenden erwirtschaftet werden. Damit biete die Kapitaldeckung in einer alternden Bevölkerung, in der die schaffenden Hände weniger werden, keinen Vorteil gegenüber der Umlage. Das ist nur zum Teil richtig. Weder die Rente nach Umlage noch nach Kapitaldeckung kann dem Problem einer alternden Gesellschaft entkommen. Im Gegensatz zur Umlage kann die Kapitaldeckung aber das Problem lindern, weil in der Ansparzeit ein größerer Kapitalstock aufgebaut werden kann. So muß der Konsum der Rentner zwar aus dem aktuell Erwirtschafteten gezahlt werden. Der Topf aber ist größer. Kapital kann zudem im Ausland angelegt werden. Das erlaubt den alternden Gesellschaften, in einem Geschäft auf Gegenseitigkeit am Wachstumsboom junger Gesellschaften teilzuhaben.
Kapitalrendite sinkt
Ein zweiter gewichtiger Einwand gegen die Kapitaldeckung lautet, der Wert des gesparten Produktivkapitals schmelze dahin ("asset meltdown"), wenn die Bevölkerung schrumpft und Rentner ihr Vermögen konsumieren. Auch dieses Argument hat einen wahren Kern. Wenn die Babyboomer um 2030 in Rente gehen, wird die Kapitalrendite sinken. Vieles spricht aber dafür, daß die Vorteile der Kapitaldeckung erhalten bleiben: Alternde Gesellschaften brauchen mehr Kapital, um den Verlust an Arbeitskraft auszugleichen. Das hebt - für sich genommen - die Kapitalrendite. Die Babyboomer gehen nicht alle am selben Tag, sondern über einen Zeitraum von 15 Jahren in Rente. Das gibt den Kapitalmärkten viel Zeit, die Veränderungen zu berücksichtigen. Die internationale Anlage verteilt das Risiko. Das hilft Deutschland, die Kosten der Alterung zu verringern.
Ist es möglich, in Deutschland vom Umlagesystem auf Kapitaldeckung umzusteigen? Unabhängig von allen politischen Widerständen bedeutete ein Wechsel, daß die heute arbeitende Generation für die heutigen Rentner und für ihre eigene Rente vorsorgen müßte. Das sei nicht zumutbar, sagen jene, die die Umlagerente als sicher ansehen. Wer aber auf die Empfehlungen der Politik hört und zusätzlich zu den Rentenbeiträgen selbst für das Alter vorsorgt, der schultert die zweifache Last schon heute.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
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