09.01.2004 · Der Autobauer will die vor sieben Jahren für neue Mitarbeiter gestrichene Betriebsrente wieder einführen. Unklar sei, wann und zu welchen Konditionen die Betriebsrente wieder für alle Beschäftigten gelte.
Der Autobauer Adam Opel will die vor sieben Jahren für neu eingestellte Beschäftigte gestrichene Betriebsrente nach Betriebsratsangaben in diesem Jahr wieder einführen. Damit steuert die Tochter des amerikanischen GM-Konzerns in der Altersversorgung einen anderen Kurs als etwa die Commerzbank oder der Versicherer Gerling, die die Betriebsrente kündigen beziehungsweise deutlich verringern wollen.
Noch sei unklar, wann und zu welchen Konditionen die Betriebsrente wieder für alle Beschäftigten gelte, sagte Unternehmenssprecher Rüdiger Assion am Freitag in Rüsselsheim. Nach Angaben des Rüsselsheimer Opel-Betriebsrats laufen die Verhandlungen über die zukünftige Gestaltung der betrieblichen Altersversorgung bereits seit 1998. Derzeit werde ein neues Modell entwickelt. Mit einem Abschluß sei nicht in den nächsten Monaten zu rechnen.
Der Rüsselsheimer Autobauer will mit diesem Schritt auf die gute Marktlage reagieren. „Die Branche steuert in ein Konjunkturhoch hinein“, sagte der Opel-Sprecher. Die Betriebsrente sei ein Mittel, um das Unternehmen attraktiver zu machen und gut ausgebildete Meister und Ingenieure zu binden.
Interne Diskussion beschleunigt
Es bestehe aber die große Hoffnung auf ein positives Verhandlungsergebnis im Jahr 2004, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Peter Klein: „Ich denke, daß wir das schaffen.“ Die bereits seit längerem laufenden Verhandlungen mit der Geschäftsleitung über ein neues Altersvorsorgesystem für die gut 30.000 Beschäftigten des Rüsselsheimer Autobauers hätten durch die aktuelle Debatte über die Kürzungsvorhaben einiger Unternehmen einen neuen Impuls erhalten.
Betriebsrat Klein sagte, in den Verhandlungen gehe es vor allem darum, die 1997 abgeschaffte Betriebsrente für diejenigen Mitarbeiter einzuführen, die seitdem neu eingestellt worden seien. Dabei handele es sich um rund 7000 Beschäftigte. Darüber hinaus werde geprüft, ob im Rahmen eines neu zu gründenden Versorgungswerks auch die gesamte Belegschaft einbezogen werden könne. Denkbar sei auch ein Pensionsfonds. Offen seien noch Fragen wie die nötigen Rückstellungen für die betriebliche Altersvorsorge.
Breite Kritik an Plänen von Commerzbank und Gerling
Die Commerzbank hatte in dieser Woche angekündigt, die Betriebsrenten ihrer rund 26.000 Beschäftigtenaus Kostengründen zum Jahresende zu kündigen. Der angeschlagene Versicherer Gerling hat die Betriebsrenten vieler Mitarbeiter zum 1. Januar um 30 bis 50 Prozent verringert. Der Berliner Pharmakonzern Schering plant eine Umstellung seiner betrieblichen Altersvorsorge für neu eingestellte Mitarbeiter und will Betriebsrenten künftig nach festen, angesparten Beiträgen berechnen und nicht mehr wie bisher aufs Gehalt bezogen. Mit der Neuregelung wollen die Unternehmen die notwendigen Pensionsrückstellungen kalkulierbar machen.
In der Politik hatte die Kündigung beziehungsweise Kürzung von Betriebsrenten heftige Kritik ausgelöst, da der betrieblichen Altersvorsorge als zweites Standbein neben der allgemeinen Rente eine immer wichtigere Rolle zukommt.
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