01.11.2004 · Lebensversicherungen lohnen sich vor allem für faule, vorsichtige und reiche Leute. Wer den Steuervorteil noch nutzen will, sollte im November zugreifen.
Von Thomas Schmitt"Der Countdown läuft." Kalenderblätter schwirren über den Bildschirm. Ein paar Sekunden, dann ist Ruhe. "Nur noch 61 Tage!", tönt die Hamburg-Mannheimer auf ihrer Internetseite. Auf dem Blatt "Freitag, 31. Dezember" prangt: "Sichern Sie sich jetzt Ihre Steuervorteile 2004."
Immer noch keine Lebensversicherung gekauft? Schon ein schlechtes Gewissen? Das beabsichtigt die Werbung. "Letzte Gelegenheit", "nur noch 2004", "Handeln Sie schnell" - die Deutschen werden überschüttet mit Angeboten.
Viele fallen drauf rein und kaufen, was sie nicht brauchen. Das zeigt klar die Statistik. Nur etwa die Hälfte aller Verträge werden bis zum Ende erfüllt. Durchhalten ist jedoch enorm wichtig. Wer vorzeitig aufgibt, verliert Geld. Die womöglich gesparte Steuer auf Zinserträge macht längst nicht wett, was anderswo abgeht. Eine Lebensversicherung ist ein ziemlich teures Produkt. Die Gesellschaften langen ordentlich zu - für Vertreter und laufende Kosten.
Prüfen, wie lange man sich binden kann und will
Daher rechnen sich Lebensversicherungen oft erst nach 15 bis 20 Jahren. Wer sein Geld in acht, zehn oder zwölf Jahren braucht, fährt besser mit Bundeswertpapieren. Selbst wenn die nur drei Prozent im Jahr bringen und sich die Spargelder bei der Lebensversicherung mit fünf Prozent verzinsen - was nur die besten schaffen. Dies gilt selbst nach Steuern, wie der Münchner Vermögensberater Michael Huber für einen jährlichen Sparbetrag von 2.000 Euro ausgerechnet hat.
Die Konsequenz: Jeder sollte überlegen, welchen Bedarf er hat, ob er das Geld wirklich entbehren kann und wie lange er sich bindet. Entscheidend ist: Man muß ein Typ für dieses Produkt sein.
Ein Produkt für den faulen, vorsichtigen und an Geld uninteressierten Typ
Das sind sicher faule, vorsichtige und an Geld uninteressierte Zeitgenossen. Wem es zu mühsam ist, regelmäßig seine Finanzen zu überprüfen; wer sich ungern in Details von Aktien, Anleihen und Immobilien verliert; wer ständig das Sparen vergißt, der ist hier gut aufgehoben. Lebensversicherungen legen Kapital am Finanzmarkt breit gestreut langfristig an.
Ohne viel Zeitaufwand kauft sich der Anleger seine Vermögensverwaltung und kann ziemlich sicher sein, daß die Gesellschaft die Risiken im Griff behält. Sein Risiko, daß die Gesellschaft pleite geht, liegt bei eins zu hundert. Im schlimmsten Fall, der im Zuge der Aktienkrise einmal eintrat, dürfte er zumindest sein Kapital mit einer kleinen Verzinsung von etwa einem bis zwei Prozent am Ende wiedersehen.
Ein Mantel für große Vermögen
Reiche Leute mit großem Depot sollten ebenfalls nachdenken. Denn die Lebensversicherung ist ein ausgezeichneter Mantel für große Vermögen. Wer nur ein paar hunderttausend Euro auf der hohen Kante hat, muß eine Bedeckung von der Stange nehmen. Ab einer Million Euro schneidern Banken, Versicherungen und Berater den Mantel perfekt auf eigene Maße zu. Ein Leben lang ist so garantiert, daß Anleger mit Steuern auf Kursgewinne und Zinserträgen nichts mehr zu tun haben. Daß dies dem Fiskus ein Dorn im Auge ist, ist offenkundig. Deshalb funktionieren diese Konstruktionen auch nur über Luxemburg, die Schweiz oder Liechtenstein.
Auch Erben sind gut bedient. Wird eine Police auf Sohn oder Tochter überschrieben, sind nur zwei Drittel der gezahlten Beiträge oder der Rückkaufwert der Versicherung zu versteuern.
Für Junge Leute ein Grundgerüst
Junge Leute mit eigenem Einkommen liegen ebenfalls gut. Sie dürfen keine hohe Rente mehr erwarten, müssen also vorsorgen. Blicken aber im Dickicht vieler Finanzprodukte nicht richtig durch. Mit einer Allianz fürs Leben schaffen sie ein Grundgerüst. Das lohnt sich, weil das Produkt seine volle Wirkung erst über 25, 30 oder 35 Jahre entfaltet - wegen des Zinseszinseffektes.
Für Selbständige stellt sich die Vorsorgefrage vielfach noch dringender. Mitunter läßt sich so auch geschickt das eigene Unternehmen finanzieren. Ähnliches gilt für Immobilienkäufe von Privatleuten. Wer dies im nächsten Jahr plant und dafür eine Lebensversicherung einsetzen möchte, sollte dieses Jahr mit seinem Finanzberater die Finanzierung abklären.
Für viele Arbeitnehmer ist schließlich eine Direktversicherung erwägenswert (siehe: Welche Police?).
Welche Versicherung am Ende die beste ist, hängt von den eigenen Ansprüchen ab. Dabei gilt es, Renditen und Kosten zu vergleichen, auf Bewertungen Dritter zu schauen und die Vor- und Nachteile einzelner Produkte abzuwägen. Eine Allianz wird wohl nie untergehen, doch die besten Konditionen liefern eher Direktversicherer wie Europa, Asstel oder Cosmos, weil sie mit niedrigeren Kosten operieren. Als beste Gesellschaft in vielfacher Hinsicht gilt die Debeka. Zehn Beispiele für gute Anbieter liefert die Tabelle. Wer noch eine Versicherung braucht, sollte sich nun im November entscheiden. Damit alles glattgeht. Der Countdown läuft und sogar schneller, als die Werbung suggeriert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.533,10 | +0,63% |
| EUR/USD | 1,2485 | −0,45% |
| Rohöl Brent Crude | 106,75 $ | −0,48% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?