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Kommentar zu Martin Sorrell : Allmächtig

Wenn charismatische Führungsfiguren ein Unternehmen beherrschen, werden sie oft zu wenig kontrolliert. Das ist ein Problem.

          Der jähe Sturz des Martin Sorrell ist ein warnendes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn in Großunternehmen für starke Manager der interne Ordnungsrahmen – neudeutsch „corporate governance“ genannt – zu schwach ist.

          Sorrell, Gründer und langjähriger Vorstandschef des britischen Werbekonzerns WPP, hat ein beeindruckendes Lebenswerk geschaffen: In den vergangenen 30 Jahren hat er aus dem Nichts den größten Anbieter von Werbe-, Marketing- und Kommunikationsdienstleistungen der Welt aufgebaut. In seiner Heimat Großbritannien war Sorrell, schon 73 Jahre alt, einer der einflussreichsten Wirtschaftsführer.

          Aber Unternehmen, die über lange Zeit von solch charismatischen Führungsfiguren beherrscht werden, sind genau dadurch immer auch gefährdet. Die exzessiv hohen Gehälter, die der WPP-Verwaltungsrat Sorrell genehmigt hat, sind nur der offensichtlichste Hinweis dafür, dass es in der Unternehmensführung an einem Gegengewicht zum allmächtigen Vorstandschef fehlte. Die Lehre aus dem Fall WPP lautet: Es ist zu riskant, die Zukunft eines Konzerns in die Hände eines einzelnen Managers zu legen – und sei dessen unternehmerische Leistung noch so imposant.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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