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Allianz Deutschland-Chef Rupprecht "Der Schutzbrief für den Pflegefall"

18.09.2007 ·  Die Bevölkerung wird immer älter - und die Alten werden zu einer immer wichtigeren Zielgruppe für die Versicherer. Aber wie nähern sich die Konzerne der neuen Zielgruppe? Allianz-Deutschland-Chef Gerhard Rupprecht erklärt im Interview, was sich die Versicherer für die Alten ausdenken.

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Die Bevölkerung wird immer älter - und die Alten werden zu einer immer wichtigeren Zielgruppe für die Versicherer. Aber wie nähern sich die Konzerne der neuen Zielgruppe? Allianz-Deutschland-Chef Gerhard Rupprecht erklärt im Interview, was sich die Versicherer für die Alten ausdenken.

Herr Rupprecht, die Versicherungen bieten Policen für Senioren an. Warum?

Bisher wurden die älteren Menschen vor allem in jungen Jahren als Kunden gewonnen. Heute wollen wir sie direkt ansprechen. Diese Gruppe hat höhere Ansprüche als früher, für sie ist die Vorsorge fürs Alter drängender, und sie ist eher bereit, dafür Geld auszugeben.

Welche Arten von Versicherungen werden künftig für Menschen über 50 Jahren entwickelt?

Das Thema Vererben wird sehr viel wichtiger. Es gibt ja immer mehr ältere Menschen, die über höhere Vermögen verfügen. Durch Erbschaftsversicherungen können die Senioren ihr Erspartes im Todesfall steuergünstig an die Erben übertragen. Dann entfällt die Abgeltungssteuer, es muss nur Erbschaftsteuer gezahlt werden. Für solche, die ihr Haus nicht vererben wollen, gibt es im Ausland bereits eine Art umgedrehte Hypothek. Die Senioren erhalten für ihr Haus oder ihre Wohnung eine monatliche Rente, dafür bekommt der Versicherer nach dem Tod die Immobilie. Vielleicht wird so etwas in Deutschland auch einmal angeboten.

Und sonst?

Das Angebot an Assistance-Leistungen wird sich deutlich vergrößern. Das heißt, wir werden künftig verstärkt Hilfe für die Kunden organisieren, statt ihnen nur Geld zu zahlen.

Nämlich?

Wie beim Abschlepp- und Reparaturservice eines Autoschutzbriefes wollen die Kunden auch in schwerwiegenderen Fällen, nach einem Unfall, einer Operation oder im Pflegefall, Hilfe bekommen. In solch einem Fall genügt ein Anruf, und es wird eine Haushaltshilfe organisiert, die die Wohnung in Ordnung hält und die Einkäufe erledigt. Oder ein Pflegedienst. Oder es werden gute Handwerker für den altersgerechten Umbau der Wohnung bestellt. Sinnvoll ist so etwas natürlich nur, wenn auch die Kosten versichert sind und die externen Dienstleistungen etwas taugen. Das muss der Versicherer gewährleisten. Wir haben dafür einen eigenen Prüfdienst eingerichtet.

Wozu braucht man dafür eine Versicherung, das könnte doch auch ein Dienstleister übernehmen?

Könnte er, aber die Deutschen tun sich schwer damit, Dienstleistungen auch entsprechend zu bezahlen. Das wird sich vielleicht in einigen Jahren ändern, weil die älter werdende Bevölkerung zunehmend Mühe haben wird, alles selbst zu erledigen. Aber bis dahin hat die Versicherung den Vorteil, dass der Preis der Dienstleistung in die Prämie eingerechnet ist. Das entlastet den Betroffenen, wenn er Hilfe benötigt. Zudem will er im Ernstfall seine Zeit nicht damit verbringen müssen, einen guten Dienstleister zu finden. Diese Arbeit nimmt ihm der Versicherer ab.

Dann werden die Versicherer selbst zu Dienstleistern?

Ja, das kann durchaus sein. Was spricht auch dagegen, dass ein Versicherer zum Beispiel eine ambulante Pflegeorganisation aufbaut oder Heimplätze für seine Kunden reserviert? In anderen Länder ist die Entwicklung da schon wesentlich weiter.

Die Fragen stellte Dyrk Scherff.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.09.2007, Nr. 37 / Seite 53
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