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Digitale Assistenten : Das nächste große Ding

Alexa, das neue Familienmitglied: für die nächste Generation vielleicht ganz normal. Bild: Maximilian von Lachner

Ob Alexa, Siri oder Cortana – digitalen Assistenten wird trotz möglicher Lauschangriffe eine goldene Zukunft vorausgesagt. Wer gewinnt das Wettrennen um unsere Wohnzimmer?

          Der Chef der Internetbank Comdirect hat eine neue Freundin. Sie heißt Alexa, und wenn Arno Walter irgendwo in der Öffentlichkeit auftritt, ist sie seit einigen Wochen immer dabei. Manchmal ruft der Banker unvermittelt ihren Namen und lauscht, ob sie ihn vernommen hat. Dann fragt er: „Alexa, wie steht der Kurs von Apple?“ Und wenn sie ihm antwortet, strahlt er über das ganze Gesicht.

          Jonas Jansen
          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alexa ist nicht aus Fleisch und Blut. So heißt die Sprachsoftware in dem kleinen Gerät namens Echo, über das Amazon seine Kunden per Sprachsteuerung durch das Internet surfen lässt. Alexa weiß, wie das Wetter wird, sie kennt Kochrezepte, Spielstände beim Tennis oder eben Aktienkurse. Bei vielen Unternehmenslenkern weckt sie derzeit die Phantasie, mit Hilfe der Sprachsteuerung noch ganz andere, lukrative Dienste an die Kunden zu bringen.

          Banken gelten nicht gerade als die schnellsten und innovativsten Unternehmen, wenn es darum geht, neue Technik zu etablieren. Dass sogar sie ganz aufgeregt sind über die neuen Möglichkeiten, zeigt, wie weit fortgeschritten der Rummel um kluge Assistenzsysteme inzwischen ist. Nicht nur Amazon wittert das große Geschäft. Google hat seinen Assistenten in ein ähnlich zylinderförmiges Produkt namens „Home“ gesteckt, bei Microsoft heißt die sprechende Software Cortana, und Apple hat jetzt ebenfalls einen intelligenten Lautsprecher auf den Markt gebracht, damit die Computerstimme Siri nicht mehr nur auf dem iPhone, iPad oder den Computern Fragen beantworten kann. Der neue kluge Heimassistent heißt „Home-Pod“.

          Ängste vor dem Lauschangriff

          Das alles als schräge Spielerei zu sehen wäre ein grober Fehler. Die digitalen Assistenten haben das Potential unser aller Umgang mit Technologie zu verändern. Das sagen zumindest ihre Schöpfer – und ganz abwegig scheint das nicht. Statt auf Touchdisplays der Smartphones herumzuwischen oder auf Tastaturen zu hämmern, könnten wir in Zukunft einfach mit der Stimme mit den Geräten kommunizieren. Die Geräte dringen in einen besonders privaten Bereich vor: in die Wohnzimmer ihrer Benutzer. Das fasziniert schon Millionen Menschen. Amazon veröffentlicht zwar keine genauen Verkaufszahlen, doch haben Marktforscher von Cirp hochgerechnet, dass seit dem Verkaufsstart des Echo Ende 2014 allein in den Vereinigten Staaten mehr als acht Millionen Geräte abgesetzt wurden.

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          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche

          In den letzten Monaten hat das Tempo der Verkäufe immens zugenommen. Nicht nur auf Technologiemessen gelten sie inzwischen unter fast allen Experten als das nächste große Ding – also als die Innovation, auf die die Technikwelt seit der Erfindung des iPhones wartet.

          Doch die Assistenzgeräte wecken bei potentiellen Kunden nicht nur Begeisterung, sondern auch Ängste vor einem Lauschangriff, weil sie alle ständig im Raum sind und auf Kommando hören: Wer die Zauberworte „Alexa„, „O.k., Google„ oder „Hey, Siri“ sagt, weckt sie auf. Die Hersteller beteuern, dass die Geräte nur auf die Reizworte reagieren. Sie bestreiten vehement, dass sie die ganze Zeit lauschen und im Hintergrund Konversationen aufzeichnen. Doch vielen Menschen erscheint das unplausibel. Zwar tragen Abermillionen Deutsche schon längst mit ihren Smartphones digitale Abhörgeräte mit sich herum, doch an den praktischen Computer in der Hosentasche haben sich die Verbraucher inzwischen gewöhnt. Eine gesichtslose, aber sprechende Box auf dem Esszimmertisch befremdet hingegen noch viele. Nicht ohne Grund machte ein Video im Netz die Runde, das zeigte, wie Amazons Echo auf die Frage „Bist du mit der NSA verbunden?“ nicht etwa Informationen zum amerikanischen Geheimdienst ausspuckte, sondern einfach ausging.

          Bei aller Skepsis spricht aber auch einiges dafür, solche Geräte zu benutzen: Sprache ist das bequemste und schnellste Kommunikationsmittel, man braucht dafür weder seine Hände, noch einen Stift oder eine Tastatur. Darum sind die Entwickler rund um den Globus nicht erst seit kurzem daran interessiert, sie für technische Geräte nutzbar zu machen. Dave Limp, der für Geräte bei Amazon und damit auch für Echo zuständig ist, sagt ganz offen, dass ein wenig der Nerd in ihm die Entwicklung getrieben hat: Inspiriert von der Serie Star Trek, in der ebenfalls ein zuhörender allwissender Computer auf die Befehle des Commanders auf der Brücke des Raumschiffs Enterprise gehört hat.

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