04.09.2002 · Ein Jahr nach den Attentaten vom 11. September kämpfen noch viele Airlines mit den Auswirkungen der Krise. Der Umbruch in der Branche dauert an.
Von Natascha LenzEin Jahr nach den Attentaten vom 11. September stecken viele Airlines tiefer in den roten Zahlen als je zuvor. Die sechstgrößte amerikanische Fluggesellschaft US Airways fliegt seit kurzem unter Gläubigerschutz. United Airlines, Nummer zwei in den USA, droht bald dasselbe Los, sollte sie die Kosten nicht senken können. Zusammengebraut hatte sich der schwer verdauliche Mix aus Überkapazitäten, hohen Lohnkosten und unrentablem Betrieb bereits vorher. Die Luftfahrtkrise nach dem 11. September hat die Schwierigkeiten, die sich seit längerem in der Branche abzeichneten, lediglich verstärkt und damit offensichtlich gemacht.
Über Jahre haben viele Fluglinien ausgedehnte Netzwerke mit verschiedenen Drehkreuzen aufgebaut und ihr Personal aufgestockt. Schon vor den Anschlägen waren bei amerikanischen Airlines Milliardenverluste absehbar. Auch die Lufthansa machte drei Monate vor den Anschlägen ihre Aktionäre darauf aufmerksam, dass das Jahr weniger erfolgreich als geplant verlaufen werde. Mit der belgischen Sabena und der Swissair kollabierten schließlich zwei Gesellschaften, die - unabhängig vom 11. September - schon lange nicht mehr rentabel wirtschafteten.
Konjunkturflaute, Konkurrenzdruck und weniger Geschäftsreisen
Auch wenn die Nachfrageeinbrüche nach dem 11. September langsam zurückgehen, zwingen die anhaltende Konjunkturflaute, der hohe Konkurrenzdruck und der Rückgang bei den Geschäftsreisen, die im Technologieboom der späten Neunziger für einen gewaltigen Schub gesorgt hatten, die Fluggesellschaften zu weiteren Anpassungen. Die Flotte der Lufthansa zählt heute mit 194 Flugzeugen 20 weniger als vor einem Jahr. Doch die Lufthansa, die im vergangenen Jahr mit 600 Millionen Euro erstmals einen Verlust eingeflogen hatte, ist drauf und dran, sich zu erholen und 2002 wieder Gewinn zu machen. Auch British Airways, die größte Airline Europas, hat nach dem ersten Verlustjahr seit ihrer Privatisierung mit dem Abbau von 13.500 Stellen wohl den Umschwung geschafft und zum Halbjahr gute Zahlen vorgelegt.
Die Branche steht vor einer weiteren Bereinigung, allesamt schrauben die Airlines beharrlich an den Kosten. Die fünf größten US-Fluglinien wollen in diesem Jahr ihre Kapazitäten nochmals um bis zu 14 Prozent kürzen. American Airlines, die direkt nach den Attentaten die Entlassung von 20.000 Mitarbeitern bekannt gab, streicht nochmals 7.000 Stellen; Delta hat die Lieferung von neuen Maschinen verschoben. Auch die Flugzeugbauer sind von der Luftfahrtkrise hart getroffen. 30.000 Mitarbeiter mussten beim Weltmarktführer Boeing gehen. Aufträge aus Rüstung und Raumfahrt sollen die Verluste in der zivilen Luftfahrt wettmachen.
Passagiere müssen sich umstellen
Beim Kampf um Passagiere rücken die Konkurrenten näher zusammen: US Airways und United an, kündigten an Flüge zusammenzulegen, kurz darauf beschlossen auch Delta, Continental und Northwest ein Code-Sharing und das gemeinsame Sammeln von Vielfliegermeilen. Auch beim Ausstellen der Tickets müssen sich Passagiere in den USA demnächst umstellen. Um Kosten zu senken, stellen einige Gesellschaften auf papierlose Etix-Tickets um. Flugscheine aus Papier kosten bis zu 25 Dollar Aufpreis. Auch das so genannte Upgraden in die nächsthöhere Klasse wird teurer, die Bedingungen für den Umtausch strenger, kostenlose alkoholische Getränke fallen auf Transatlantikflügen weg. Profitabel arbeiten in den USA allein die Billigflieger, die derzeit auch den europäischen Markt in Aufruhr bringen.
Bis nach Asien reichen die Folgen des 11. September für die Luftfahrt: Thai Airways, Cathay Pacific aus Hongkong und Korean Air Lines haben in den vergangenen Monaten konsequent Kapazitäten gestrichen und Gehälter gekürzt. Jetzt sprechen die asiatischen Flieger bereits wieder von zweistelligen Zuwachsraten bei den Überschüssen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.543,20 | +0,71% |
| EUR/USD | 1,2482 | −0,47% |
| Rohöl Brent Crude | 106,83 $ | −0,40% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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