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Airbus A380 Flugzeug mit Doppelbett und Schönheitsfarm

18.01.2005 ·  Die meisten Vorstandsvorsitzenden loben die Wirtschaftlichkeit des Großflugzeugs A 380. Aber auch die Möglichkeiten, die sich bieten, den Komfort für die Reisenden zu erhöhen, sind enorm.

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Mit einer feierlichen Veranstaltung hat Airbus die offizielle Vorstellung des neuen Großraumflugzeugs A 380 am Dienstag in Toulouse begangen. Vor 5.000 geladenen Gästen und den Regierungschefs und Präsidenten der vier beteiligten Staaten - Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien - wurde das neue Flugzeug in den neuen blau-weißen Airbus-Farben präsentiert.

Dazu war die Hälfte der größten Halle Europas, der 490 langen Montagelinie des Modells, in eine Bühne und die Präsentationsfläche für den Riesenflieger umgestaltet worden. Die neuen Farben sollen den Meilenstein in der Geschichte von Airbus repräsentieren; seit drei Jahren Marktführer in der zivilen Luftfahrt.

Erster Erprobungsflug wohl im März

Die A 380 ist das größte jemals gebaute zivile Flugzeug und wird wahrscheinlich Ende März zu seinem ersten Erprobungsflug von Toulouse aus abheben. Bisher haben sich 14 Fluggesellschaften, davon zwei Frachtfluggesellschaften, zum verbindlichen Kauf des A 380 oder des A 380F verpflichtet.

Singapore Airlines wird das Flugzeug als erste Gesellschaft auf der Route Singapur-London im Liniendienst im Jahr 2006 einsetzen. Im Laufe der Jahre wird dann das Fluggerät den anderen Gesellschaften zugehen, wobei die Deutsche Lufthansa frühestens im September 2007 den Liniendienst aufnehmen wird. Die Deutsche Lufthansa hat 15 Flugzeuge bestellt, die - in einer noch unbekannten Konfiguration - auf den Fernstrecken nach Asien und Nordamerika eingesetzt werden sollen.

70 Prozent des Luftverkehrs von 13 Prozent der Bevölkerung

Wolfgang Mayrhuber versprach, durch den Einsatz der A 380 würden sich der Komfort für die Kunden verbessern und die Renditen für die Anteilseigner erhöhen. Er sieht gute Chancen, die Bestellungen für dieses Flugzeug noch zu steigern: Schließlich würden gegenwärtig 70 Prozent des Luftverkehrs von nur 13 Prozent der Bevölkerung in Nordamerika und Europa verursacht.

Nicht von ungefähr befinden sich unter den ersten Bestellern auffällig viele Gesellschaften, die ihre Basis in den am schnellsten wachsenden Verkehrsmärkten in Asien und im Pazifik haben. So unterstrichen die CEOs und Vorstandsvorsitzenden von Qantas Airways, Singapore Airlines, Thai Airways International, Korean Air Lines und Malaysia Airlines die Fähigkeiten des neuen Großraumflugzeugs, mehr Passagiere zu geringeren Stückkosten zu befördern.

Stückkosten des A 380 um bis zu 20 Prozent unter der der Boeing 747

Im Gegensatz zum bisher größten Flugzeug in der zivilen Luftfahrt - der Boeing 747 - liegen die Stückkosten um 15 bis 20 Prozent niedriger. Durch die deutlich größere Passagierzahl von rund 550 Fluggästen hat die A 380 zudem den Vorteil, daß sie bei Flughäfen mit begrenzter Kapazität diese besser nutzt, weil dadurch im Gegensatz zu heute andere Flüge entfallen.

Für den asiatischen Markt, der mit durchschnittlich sechs Prozent Verkehrswachstum deutlich schneller wächst als der amerikanische oder der europäische Markt, sind auch Flugzeugversionen mit mehr als 800 Passagieren denkbar, wenn auf die Drei-Klassen-Einteilung verzichtet wird. Das dies nicht das Ende möglicher Fluggastzahlen sein wird, steht bei Branchenexperten außer Zweifel.

Längere Version könnte in zehn Jahren kommen

Die A 380 mit 80 Meter Länge und einer Spannweite von 80 Metern scheint daher prädestiniert für eine längere Version, mit der dann bis zu 1.000 Passagiere befördert werden können. Doch bis dahin werden rund zehn Jahre vergehen, war in Toulouse inoffiziell zu vernehmen.

Bei der Pressekonferenz hüllten sich die meisten Chefs der Fluggesellschaften in beredtes Schweigen, was die konkrete Ausgestaltung der von ihnen bestellten Flugzeuge des A 380 angeht. Fast keiner wollte sich viele Monate vor dem ersten Start für einen Linienflug in die Karten schauen lassen. Aber es gab zwei Ausnahmen: Jean-Cyril Spinetta, Vorstandsvorsitzender der Air France, sagte, die Gesellschaft plane mit 9 Sitzplätzen in der Ersten Klasse, 80 in der Business- und 449 in der Economy-Klasse. Eine Aufteilung, die auch mit geringen Abweichungen für die Deutsche Lufthansa gelten dürfte. Denn schließlich müssen die Kapazitäten des 280 Millionen Dollar (Listenpreis) teuren Flugzeugs wieder eingeflogen werden.

Doppelbetten, Fitnessgelegenheiten, Casino, Schönheitsfarm

Der andere, der den kurzen Auftritt zu einem kleinen Marketingevent nutze, war Richard Branson. Er freue sich auf das große Flugzeug, weil es nun die Möglichkeit gebe, die Ideen von Virgin Atlantic umzusetzen. Er kündigte an, seine insgesamt 12 Maschinen (6 Festbestellungen und 6 Optionen) mit Doppelbetten, Fitnessgelegenheiten, einem fliegenden Casino und einer kleinen "Schönheitsfarm" ausstatten zu wollen. Daher werde seine Fluggastzahl eher bei 500 liegen, während Air France mit 538 Sitzen plant.

Qatar Airways CEO Akbar Al Baker entgegnete Branson, er plane mit maximal 490 Fluggästen, die dann ein bisher nicht bekanntes Maß an Komfort und Bewegungsfreiheit genössen. "Die Welt wird staunen über unsere Innovationen", sagte Al Baker, der einer der am schnellsten wachsenden Fluggesellschaften der Welt vorsteht und bisher zwei Maschinen bestellt hat, die 2009 von neuen Flughafen in Doha starten sollen, dessen Grundstein in den vergangenen Tagen gelegt wurde.

Quelle: noa., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2005, Nr. 15 / Seite 14
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