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Ryanair-Chef im Gespräch : „Das wäre ein Monster und kein Champion“

Hamburger Flughafen: Ryanair interessiert sich ebenfalls für Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Bild: dpa

Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin wünscht sich die Bundesregierung einen „nationalen Champion“ in der Luftfahrt. Im FAZ.NET-Interview sagt Ryanair-Chef Michael O’Leary ganz klar, was er davon hält.

          Berührt die Air-Berlin-Insolvenz ihre Pläne für Frankfurt?

          Nein, wir werden unsere derzeit zwei Flugzeuge auf neun erweitern im September/Oktober. Dann haben wir rund zwei Prozent des deutschen Marktes. Wir können derzeit nur langsam wachsen auf dem deutschen Markt, weil nur wenig Platz ist, es nur wenig Slots gibt. Nun aber gibt es die Gelegenheit für alle Airlines, ein gutes Stück im deutschen Markt zu wachsen. Aber was tut die Bundesregierung? Sie sagt, das muss alles zum deutschen Champion Lufthansa gehen. Das ist ein historische Fehler, quasi ein Monopol der Lufthansa zu installieren.

          Welche Teile von Air Berlin wären denn für Sie interessant?

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Das kann ich im Moment noch nicht sagen, weil es keine Transparenz gibt. Wenn eine Airline wie Air Berlin in die Insolvenz geht, dann sollten alle interessierten Airlines erst einmal Einblick erhalten und dann bieten dürfen. Nicht nur Lufthansa. Fakt ist, dass die Verwertung für Außenstehende völlig intransparent abläuft und die relevanten Daten, um die Lage von Air Berlin einschätzen zu können, zurückgehalten werden.

          Glauben Sie tatsächlich, dass das so ist?

          Ja, es wäre aber auch aus Sicht der Gläubiger von Air Berlin der einzig richtige Weg, Transparenz herzustellen. Das ist beispielsweise im Fall der ebenfalls insolventen Alitalia auch so. In Deutschland läuft das anders. Da gibt es keine Transparenz und die Bundesregierung stellt letztlich Lufthansa 150 Millionen Euro zur Verfügung mit der Bürgschaft für Air Berlin. Kein Mensch sagt wofür. Und dann stellen sich deutsche Politiker hin und sagen, Lufthansa muss zum Zuge kommen, wir brauchen einen deutschen Champion. Aber Lufthansa ist ein Champion mit 70 Prozent Marktanteil in Deutschland, mit Air Berlin werden es 95 Prozent sein. Die Politiker in Berlin schaffen damit nicht einen nationalen Champion – das ist die Lufthansa ja längst –, sondern vielmehr ein nationales Monster, das kleinere Anbieter an deutschen Flughäfen in Schach hält.

          Und dagegen wollen Sie nun beim Bundeskartellamt und der EU-Kommission vorgehen?

          Ja, der Prozess ist intransparent und verstößt gegen alle Wettbewerbsregeln, national wie international.

          Ryanair-Chef Michael O’Leary

          Haben Sie inzwischen mit Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sprechen können?

          Nein. Er spricht nicht mit mir, wohl weil das Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht will. Winkelmann behauptet, mit zehn Airlines gesprochen zu haben. Ryanair war jedenfalls nicht darunter. Wahrscheinlich steht Ryanair ganz unten auf seiner Liste. Wir würden den Kauf von Geschäftseinheiten ernsthaft prüfen, wenn wir an einem fair organisierten Bieterverfahren für Air Berlin teilnehmen könnten.

          Was ist mit den 8.600 Arbeitsplätzen von Air Berlin? Würden Sie den Leuten ein Angebot machen?

          Sicher. Das würden wir dann aber mit den Gläubigern von Air Berlin besprechen, nicht mit Herrn Winkelmann.

          Die 150-Millionen-Euro-Hilfe begründet die Bundesregierung unter anderem damit, dass man den Urlaubern eine sichere Rückkehr ermöglichen wolle.

          Das ist doch glatt gelogen. Alitalia ist ebenfalls insolvent, fliegt aber nach wie vor sicher. Dafür sorgen Insolvenzverwalter und Gläubiger.

          Haben sie schon Nachricht vom Bundeskartellamt oder von der Europäischen Kommission wegen Ihrer Beschwerde?

          Nein, das dauert sicher noch. Es ist ja noch Urlaubszeit.

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