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Wichtiges Treffen heute : Gläubiger beraten über Verkauf von Air Berlin

  • Aktualisiert am

Am Boden: Ein Flugzeug der insolventen Fluglinie Air Berlin Bild: AFP

Erst in der vergangenen Woche hat die Fluggesellschaft Air Berlin einen Insolvenzantrag gestellt. Jetzt könnte alles ganz schnell gehen: Schon heute könnte es erste Ergebnisse geben.

          Die Verhandlungen über den Verkauf von Air Berlin scheinen auf die Zielgerade zu gehen. Eine Woche nach dem Insolvenzantrag beraten am Mittwoch erstmals die Gläubiger über den Verkauf der Fluggesellschaft. Der vorläufige Gläubigerausschuss von Air Berlin will sich zu seiner konstituierenden Sitzung treffen. Noch ist allerdings unklar, ob dabei schon Entscheidungen zu erwarten sind.

          Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, schon in seiner ersten Sitzung solle der Gläubigerausschuss die Aufspaltung des Unternehmens beschließen. Es liefen Verhandlungen über eine Absichtserklärung zum Verkauf der österreichischen Tochtergesellschaft Niki an Lufthansa. Eine Zustimmung des Ausschusses gelte als wahrscheinlich.

          Wirtschafts-Staatssekretär Matthias Machnig (SPD) sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND): „Es gibt Gespräche zwischen Lufthansa und zum Beispiel Niki. Ich schließe nicht aus, dass es da schon erste Ergebnisse geben könnte.“ Machnig begleitet die Verhandlungen um Air Berlin.

          Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte im FAZ.NET-Interview die Bundesregierung für ihre vermeintliche Einflussnahme scharf kritisiert. Wenn die Lufthansa tatsächlich weite Teile von Air Berlin übernehme, kreiere die Politik damit „nicht einen nationalen Champion – das ist die Lufthansa ja längst –, sondern vielmehr ein nationales Monster, das kleinere Anbieter an deutschen Flughäfen in Schach hält“.

          Air Berlin hatte am Freitag mit der Lufthansa konkrete Gespräche über die Übernahme von Teilen des Fluggesellschaft aufgenommen. Als weitere Interessenten gelten Easyjet und die Thomas-Cook-Tochtergesellschaft Condor. Die deutsche Fluglinie Tuifly des weltgrößten Reisekonzerns Tui ist zudem an einer Lösung für die Flugzeuge und Besatzungen interessiert, die sie seit Jahren an Air Berlin und inzwischen an deren Tochtergesellschaft Niki verleast hat.

          Die seit langem angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin hatte vor einer Woche Insolvenz beantragt, nachdem Großaktionär Etihad der Airline die finanzielle Unterstützung entzogen hatte. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro noch für etwa drei Monate gesichert.

          Machnig wies abermals alle Spekulationen zurück, am Ende der Gespräche über Air Berlin könnte die Lufthansa als Monopolist den Luftverkehr in Deutschland beherrschen. Es gebe zehn Interessenten. Und es sei klar: „Es wird kein Monopol der Lufthansa geben, dafür sorgen auch die Kartellbehörden.“ Auch die Bundesregierung habe kein Interesse daran, dass der Wettbewerb kleiner werde.

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          Als wenig wahrscheinlich gilt, dass der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl mit seinem Angebot zum Zuge kommt. Er will Air Berlin nur als Ganzes übernehmen. Die Bundesregierung sieht das aber nicht als sinnvolle Lösung an, weil Air Berlin gerade durch seine heutige Struktur in die schwierige Lage geraten sei.

          Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatten sich dafür ausgesprochen, dass Lufthansa einen großen Anteil von Air Berlin übernimmt. Niki Lauda, Luftfahrtunternehmer und Gründer der Air Berlin-Tochtergesellschaft Niki, sagte im „Handelsblatt“, er befürchte höhere Flugpreise, sollte die Lufthansa bei Air Berlin vorrangig zum Zuge kommen. Lauda kritisierte, die Lufthansa habe die Politik ins Boot geholt, um den Wettbewerb einzuschränken.

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