An Johannes Kerner hat es jedenfalls nicht gelegen. Der Fernsehmoderator hat nicht nur als bezahlter Werbeonkel in Spots, Anzeigen und auf Plakaten für den Börsengang der Fluggesellschaft Air Berlin geworben. „Ich habe selbst bereits für einen substantiellen Betrag Air-Berlin-Aktien gezeichnet“, beteuert Kerner am Freitag in einem Gespräch mit dieser Zeitung.
Geholfen hat das freilich nichts: Der Air-Berlin-Flieger ist auf dem Weg an die Börse mächtig ins Trudeln geraten. Donnerstag abend hatte das Unternehmen mangels Nachfrage angekündigt, die Zeichnungsfrist für seine Aktie zu verlängern. Am Freitag nachmittag gab Air Berlin die Senkung des Emissionspreises bekannt.
In Turbulenzen ist freilich auch Werbemaskottchen Kerner selbst. Anlegerschützer sehen es schon seit langem kritisch, wenn Stars wie Kerner oder Schauspieler und Telekom-Zugpferd Manfred Krug sich vor den Wagen eines Börsen-Aspiranten spannen lassen. Allzu offensichtlich sollen die Fernseh-Prominenten vor allem Kleinanleger anlocken. Gibt sich der von den Feuilletons schon mal als Schwiegersohn der Nation geschmähte, in seiner Talkshow stets sonnig-unverbindliche Kerner also dazu her, arglosen Börsenneulingen das Geld für riskante Investments aus der Tasche zu ziehen?
Kerner antwortet sibyllinisch
Gaukelte der notorische Gutmensch mit vollmundigen Werbesprüchen (“nichts ist erfolgreicher als der Erfolg“) eine trügerische Sicherheit bei Air Berlin vor? Der Moderator will davon nichts wissen: „Jeder der an der Börse unterwegs ist, weiß, daß das mit Risiken zu tun hat“, sagt Kerner, der nach dem Abitur selbst einige Jahre Betriebswirtschaft studiert hat. „Die Anleger sind nach dem Börsencrash im Jahr 2000 schlauer geworden, als viele glauben“, findet er.
Ob ihm mit seinem lukrativen Zuverdienst als Air-Berlin-Börsenonkel heute immer noch ganz wohl ist, läßt Kerner freilich mittlerweile offen. Würde er den Flugbegleiter-Job wieder übernehmen? „Ob es sinnvoll ist, nochmal für einen Börsengang zu werben, will ich nicht jetzt bewerten, wo die Emotionen groß sind, sondern hinterher“, antwortet Kerner sibyllinisch. Er ist als selbständiger Unterhaltungs-Unternehmer zwar kein Angestellter seines Hauptarbeitgebers. Doch auch dort sind offenbar Zweifel aufgekommen. Immerhin gilt der praktisch täglich im ZDF-Programm vertretene Kerner als das wichtigste Aushängeschild des Senders.
„Er hat ja schließlich nicht für Drogen geworben“
Steht es dem Top-Personal einer vorgeblich nichtkommerziellen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt gut an, die eigene Haut als Werbeträger derartig zu Markte zu tragen? „Er hat ja schließlich nicht für Drogen geworben“, sagt ein ZDF-Sprecher. Dennoch gebe es Überlegungen, künftig bestimmte Werbeengagements vertraglich auszuschließen. Bisher genießt der Moderator, wie Kenner des Senders berichten, beim ZDF große Freiheiten. Ein guter Draht zum Intendanten Markus Schächter bringt Kerner weitgehende Unabhängigkeit, zuweilen sehr zum Leidwesen von Chefredakteur und Programmdirektor des ZDF.
Daß ihm der Air-Berlin-Job so viel Kritik einbringen würde hat sich der Fernsehmacher wohl nicht träumen lassen als ihn sein „alter Freund“ (Kerner) Joachim Hunold vor ein paar Monaten auf das Thema ansprach. Aus dem Skiurlaub habe ihn der Gründer der Fluggesellschaft Anfang des Jahres angerufen, erzählt Kerner, und ihm den Werbevertrag angeboten. Kennengelernt haben sich Hunold und der in der Branche ebenfalls als überaus geschäftstüchtig geltende Kerner bei einem Benefiz-Fußballspiel: Kapitän Hunold spielte Linksaußen, der Fernsehmann Mittelfeld. Zweimal war der Air-Berlin-Chef auch schon in Kerners ZDF-Talkshow, zuletzt im November 2005.
Den Moderator wird sein Ausflug an die Börse wohl kaum aus der Bahn werfen. Der 42 Jahre alte Fernsehprofi scheint im ZDF unentbehrlich und moderiert dort von der Kochsendung bis zum Fußballspiel fast alles. Seit er 1992 als Sportreporter beim Privatsender Sat.1 anfing, hat er eine der steilsten Karrieren im deutschen Fernsehen erlebt. „Einen Imageschaden für mich befürchte ich überhaupt nicht“, sagt Kerner.
Air Berlin AG und ihr Werbebudget
A. Ro-Nori (Steuerzahler)
- 05.05.2006, 22:00 Uhr