Adel verpflichtet, aber nur bedingt, wenn es um europäische Agrarhilfen geht. Denn sei der Wohlstand noch so groß, das Geld aus Brüssel fließt. Das gilt nicht nur für die britische Königin Elisabeth und ihren ewigen Thronfolger Prinz Charles, die für ihre Familiengüter Jahr für Jahr einen Millionenbetrag erhalten, sondern auch für das, was vom deutschen Adel noch übrig ist.
Knapp 575.000 Euro erhielt das Haus "Thurn & Taxis" im vergangenen Jahr von der Europäischen Union. Die Basis dafür ist die Größe ihrer Besitzungen, denn die Direktzahlungen an die Bauern werden seit der letzten EU-Agrarreform nach einer schlichten Formel verteilt: Je größer ein Betrieb, desto mehr Geld erhält er auch - egal ob der Besitzer den Hof bewirtschaftet oder ob er sich in den Klatschspalten der bunten Blätter herumtreibt.
Da fällt also für Adelsfamilien wie "Thurn & Taxis", den Grafen von Bismarck oder den Grafen von Westphalen, die an Grundbesitz nicht arm sind, schnell eine Summe von mehr als 150 000 Euro im Jahr ab. Aber auch der neue "Geldadel" profitiert von den Zahlungen aus Brüssel. Mehr als zwei Millionen Euro etwa hat im vergangenen Jahr die Familie Rethmann erhalten, die im Müll- und Transportgeschäft Milliarden verdient und in Mecklenburg in Land investiert hat.