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Start einer Space-X-Rakete : Warum der Tesla-Gründer ein Auto ins Weltall schießen will

Auf zu neuen Ufern: Space X will die Menschheit zum Mars bringen – und geht dafür ungewöhnliche Wege. Bild: AP

Das amerikanische Raumfahrtunternehmen Space X steht vor dem wichtigsten Raketenstart seiner Geschichte. Die nächste Weltraummission von Tesla-Gründer Elon Musk solle eine mehr als ungewöhnlichen Fracht an Bord haben. Was steckt dahinter?

          Wenn neue Raketen oder Raumschiffe ihre Jungfernflüge absolvieren, haben sie oft noch keine kommerzielle Fracht an Bord, geschweige denn Astronauten. Als das amerikanische Raumfahrtunternehmen Space X im Jahr 2010 erstmals seine Raumkapsel „Dragon“ ins All schickte, hatte sie als Testnutzlast einen riesigen Laib Käse an Bord.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          So erzählte es zumindest einmal Elon Musk, der Vorstandsvorsitzende von Space X. Inspiration dafür sei ein Sketch der britischen Komikergruppe Monty Python gewesen, der in einem Käseladen spielt. Am Dienstag steht eine weitere wichtige Premiere für Space X auf dem Programm: Wenn nicht das Wetter oder andere Unwägbarkeiten dazwischenkommen, soll um 13:30 Uhr Ortszeit vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida zum ersten Mal die neue Rakete „Falcon Heavy“ abheben.

          Endlos durchs All gleiten

          Für diesen Anlass hat sich Musk wieder eine besondere Fracht einfallen lassen. Diesmal hat sie mit dem Elektroautohersteller Tesla zu tun, den er neben Space X führt. Die Rakete soll einen kirschroten Roadster-Sportwagen von Tesla aus seiner persönlichen Kollektion ins All befördern und in die Umlaufbahn des Mars bringen. So kann der als Selbstvermarkter bekannte Musk die Weltraummission nebenher auch als Werbeaktion für sein Zweitunternehmen nutzen. Auf Twitter sagte er, ihm gefalle der Gedanke, dass ein Auto schier endlos durchs All gleitet und vielleicht eines Tages von Aliens entdeckt wird. Musk twitterte außerdem, in dem Roadster solle auf seinem Trip das Weltraumlied „Space Oddity“ von David Bowie gespielt werden.

          Gimmicks hin oder her: Wenn der Start gelingt, wäre das ein Meilenstein für Space X. Die „Falcon Heavy“ ist die leistungsstärkste Rakete seit der „Saturn V“, die 1969 die ersten Menschen zum Mond brachte. Sie stellt auch die „Falcon 9“-Raketen in den Schatten, die Space X derzeit regelmäßig einsetzt, um Satelliten ins All und Ausrüstung zur Raumstation ISS zu befördern.

          Die neue Rakete hat 27 Triebwerke und erreicht nach Angaben des Unternehmens die Antriebskraft von 18 Boeing-Jumbos des Modells 747. Sie ist aus drei nebeneinander angeordneten Antriebsstufen von „Falcon 9“-Raketen konstruiert, wobei die Fracht auf dem mittleren Raketenbaustein sitzt. Space X sagt, sie könne Nutzlasten mit einem Gewicht von bis zu 64 Tonnen transportieren. Das sei doppelt so viel wie die Kapazität der nächstgrößeren Rakete Delta IV Heavy, die von der United Launch Alliance kommt, einem Gemeinschaftsunternehmen der amerikanischen Luftfahrt- und Rüstungsgiganten Boeing und Lockheed Martin. Mit einem Preis von 90 Millionen Dollar je Mission sei die Falcon Heavy außerdem viel billiger als die konkurrierende Rakete.

          Der Jungfernflug kommt viel später als ursprünglich gedacht. Musk hat seine Pläne für die neue Rakete schon im Jahr 2011 verkündet und den ersten Flug für 2013 in Aussicht gestellt. Aber wie er selbst zugegeben hat, hat sich die Entwicklung als viel komplizierter erwiesen als zunächst gedacht. Das freilich ist ein klassisches Muster von Musk, das auch bei seinem anderen Unternehmen Tesla zu beobachten ist. Auch der Elektroautohersteller brachte einige seiner Modelle erst mit erheblicher Verspätung auf den Markt. Im Moment hat er große Schwierigkeiten, die Produktion für sein „Model 3“ hochzufahren, das für Tesla von enormer Bedeutung ist. Es ist viel billiger als die bisherigen Premiumautos und soll das Unternehmen von einem Nischenanbieter zu einem Massenhersteller machen.

          Die neue Rakete soll zunächst eingesetzt werden, um kommerzielle Frachten wie Satelliten ins All zu bringen, so wie dies Space X auch mit dem kleineren Typ Falcon 9 bislang tut. Sie ist aber auch für bemannte Flüge und Missionen zum Mond oder zum Mars konzipiert. Space X hat sogar im vergangenen Jahr angekündigt, mit der Falcon Heavy schon Ende 2018 zwei Privatpersonen zum Mond zu bringen.

          Die beiden Weltraumtouristen, deren Identität Space X bislang nicht preisgegeben hat, sollen dabei den Mond umrunden, aber nicht auf ihm landen. Ob der Zeitplan für diese Vergnügungstour noch steht, ist unklar. Eine offene Frage ist auch, wie groß die Nachfrage nach kommerziellen Flügen mit der neuen Rakete sein wird. Weil zum Beispiel Satelliten kleiner und leichter geworden sind, ist die bisherige Rakete für Space X heute für viele Aufgaben ausreichend. Von den künftigen Missionen, die auf der Internetseite des Unternehmens aufgeführt sind, entfallen nur eine Handvoll auf die Falcon Heavy, aber ein Vielfaches davon auf die Falcon 9. Die Positionierung der Falcon Heavy im Markt ist auch insofern etwas unklar, weil Space X parallel an einer noch größeren Rakete arbeitet. Derweil entwickelt auch die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa eine Rakete, die leistungsfähriger sein soll als die Falcon Heavy.

          So sehr Elon Musk im Vorfeld des Starts die Werbetrommel gerührt hat: Er hat auch vor allzu hohen Erwartungen gewarnt und gesagt, es sei gut möglich, dass die Rakete explodiert, anstatt ihre Mission zu erfüllen. Musk bekam jedenfalls am Montag Zuspruch von Jeff Bezos, dem Vorstandschef des Online-Händlers Amazon.com, der mit seinem Zweitunternehmen Blue Origin ebenfalls ein Standbein in der Raumfahrt ist. Obwohl die beiden Unternehmer auf diesem Gebiet Wettbewerber sind, twitterte Bezos, er wünsche Space X einen „schönen, reibungslosen Flug“. Musk bedankte sich – und fügte ein Kuss-Emoji hinzu.

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          Mit dieser Falcon-Heavy-Rakete will Space X am Dienstag einen Tesla ins All schießen.

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