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Tepco öffnet Leitungen : Wasser aus Fukushima wird in den Pazifik geleitet

Japans Premierminister Shinzo Abe (mit dem roten Helm) begutachtet die Wassertanks. Bild: REUTERS

Im japanischen Kernkraftwerk Fukushima leitet der Betreiber jetzt Grundwasser in den Pazifik. Die Fischer an der Küste sind einverstanden - vorausgesetzt, die radioaktive Belastung des Wassers liegt unter den Grenzwerten.

          Die Betreibergesellschaft der havarierten Atomreaktoren in der japanischen Präfektur Fukushima, die Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco), hat am Mittwoch damit begonnen, Grundwasser vom Gelände des Atomkraftwerks direkt in den Pazifischen Ozean zu leiten.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Täglich fließen von den nahen Hügeln rund 400 Tonnen Grundwasser zu den Atomreaktoren und mischen sich dort mit den 300 Tonnen radioaktiv kontaminierten Kühlwasser, mit denen Tepco die havarierten Reaktoren kühlt. Über eine Wasserumleitung leitet Tepco jetzt rund 100 Tonnen Grundwasser in Tanks um, bevor sie sich in den Untergeschossen der havarierten Kraftwerksgebäude mit dem hoch belasteten Kühlwasser mischen können. In den Tanks wird gemessen, wie stark das Wasser radioaktiv belastet ist. Liegt es unter den zulässigen Grenzwerten, wird es in den Pazifik geleitet.

          Tepco erklärte am Mittwoch, dass das Grundwasser nur dann abgeleitet wird, wenn es weniger als 1 Becquerel Caesium-134 und Caesium 137 enthält- Das Beta-Strahlen emittierende radioaktive Material muss unter 5 Becquerel pro Liter liegen. Das Unternehmen wies darauf hin, dass die Belastung der Flüsse in der Umgebung des Kraftwerks mit Caesium sogar über einem Becquerel liegen. Ein Sprecher des Unternehmens konnte am Mittwoch noch nicht sagen, wie oft und wie viel Wasser jetzt täglich in den Ozean fließen.

          Für Tepco ist das ein großer Erfolg bei seinen Bemühungen, die die Probleme mit radioaktiv belastetem Kühlwasser in den Griff zu bekommen. Voraussetzung war, dass die örtlichen Fischer zustimmen. Sie haben das im März getan, stellten allerdings die Bedingung, dass die radioaktive Belastung des in den Ozean geleiteten Wassers deutlich unter den zulässigen Grenzwerten liegt und kontrolliert wird. Tepco-Vorstand Tsunemasa Niitsuma hatte den Fischern damals versichert. das Unternehmen werde die Vorgaben für Grenzwerte strikt einhalten. 430.000 Tonnen radioaktiv belasteten Wassers lagern derzeit auf dem Gelände des Atomkraftwerks.

          Die rund 700 Tonnen radioaktiv belasteten Wassers, die bislang jeden Tag angefallen sind, sind für Tepco derzeit eines der größten Probleme bei dem Versuch, die Lage in den havarierten Reaktoren unter Kontrolle zu bekommen. Dass von jetzt an 100 Tonnen Wasser weniger anfallen, erleichtert die Situation auf dem Gelände des Atomkraftwerks. Gelöst ist sie damit aber noch lange nicht.Um das Eindringen des Grundwassers in die zerstörten Reaktorgebäude zu verhindern, will Tepco von Juni an einen Schutzwall aus gefrorenem Erdreich um die ha-varierten Reaktoren bauen. Der Staat finanziert das mit 47 Milliarden Yen Steuergeld. Derzeit laufen dazu die ersten Probebohrungen. Ob der Schutzwall geeignet ist, das Grundwasser komplett direkt in den Pazifik abzuleiten, ist noch offen.

          Die Vereinten Nationen haben in der vergangenen Woche einen Abschlussbericht vorgelegt, dem zufolge die Strahlung aus Fukushima die Gesundheit der Bevölkerung nicht unmittelbar beeinträchtigt hat.

          Quelle: FAZ.NET

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