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Soho : Tristesse im Trendviertel

Soho 2017 Bild: Colossal Wall and Gucci

Soho hat den Ruf als eine der schicksten Einkaufsgegenden in New York. Aber jetzt steht fast ein Viertel aller Läden leer.

          Soho zählt zu den schicksten Vierteln im New Yorker Stadtteil Manhattan. Das war nicht immer so. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war die Gegend ein tristes Industriegebiet mit dem bedrohlichen Namen „Hell’s Hundred Acres“ – laut Legende, weil es in den hiesigen Fabriken so oft zu Bränden kam.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In den sechziger und siebziger Jahren zogen immer mehr Künstler hierher und machten die großen Fabriklofts zu ihren Wohnungen. In der Künstlergemeinde entstand der neue Name Soho – eine Abkürzung für die geographische Lage „South of Houston Street“. Etwas Inspiration dürfte auch vom gleichnamigen Londoner Stadtteil Soho gekommen sein, der schon seit Jahrhunderten so hieß.

          Tribeca, Nolita, Soha

          Der griffige Name setzte sich in New York schnell durch, und Soho stieg zu einer trendigen und teuren Wohn- und Einkaufsadresse auf. Künstler und Galeristen konnten sich das Viertel bald nicht mehr leisten und wurden verdrängt. Apple eröffnete seinen ersten New Yorker Laden in Soho. Luxusmarken wie Prada, Chanel und Moncler ließen sich hier nieder, ebenso wie größere und billigere Ketten wie H&M oder Old Navy.

          Derweil machte auch das Beispiel der Namensgebung per Abkürzung in Soho Schule. Zum Beispiel mit Tribeca („Triangle Below Canal Street“), Nolita („North of Little Italy“) oder Soha („South Harlem”). Viele dieser Wortschöpfungen stehen nicht auf dem offiziellen Stadtplan, sondern sind Marketingtricks von Immobilienmaklern, die meinen, dass sich Objekte in einer schick benannten Gegend besser und teurer verkaufen lassen.

          Soho 1978

          Der schicke Charakter von Soho scheint indessen in Gefahr. Spaziert man heute durch das Viertel, hat man nicht gerade das Gefühl, sich in einer Trendgegend zu befinden. Stattdessen stößt man oft auf leerstehende Geschäfte. Diesen Eindruck bestätigte nun auch  die Immobiliengesellschaft Cushman & Wakefield in einer neuen Studie. Demnach betrug die Leerstandsrate in Soho im zweiten Quartal 23,1 Prozent. Die Miete je Quadratfuß (knapp 0,1 Quadratmeter) fiel im Vergleich zum Vorjahr um fast 14 Prozent auf 478 Dollar. In keinem anderen New Yorker Viertel sind die Mieten in diesem Zeitraum so stark gesunken.

          Ein Stück weit scheint dieser Rückgang eine Korrektur zu sein. Denn in Soho und an anderen begehrten Einkaufsmeilen wie der Fifth Avenue oder der Madison Avenue sind die gewerblichen Mieten nach der überstandenen Finanzkrise im vergangenen Jahrzehnt besonders stark angestiegen. Darüber hinaus dürften sich auch die allgemeinen Schwierigkeiten im amerikanischen Einzelhandel bemerkbar machen. Bekannte Ketten wie Macy’s haben angekündigt, Hunderte von Geschäften zu schließen. Ihnen macht nicht zuletzt die Konkurrenz von Online-Händlern wie Amazon.com zu schaffen.

          Cushman & Wakefield spricht von strukturellen Marktveränderungen, die dem Einzelhandel in New York zusetzen. Trotzdem geben sich die Immobilienspezialisten mit Blick auf die langfristigen Aussichten des Einzelhandels in der Stadt optimistisch. Zu groß sei ihre Dominanz als Zentrum für Kommerz, Kultur und Tourismus. Es könnte also auch für Soho Hoffnung geben, dass sich die Geschäfte wieder beleben.

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