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Für den späteren Berufserfolg : Chinas großes Gesichtmeißeln

In China sind Schönheitsoperationen unter Abiturienten Alltag geworden. Bild: Reuters

Ihre Schulzeit haben Chinas Abiturienten gerade hinter sich gelassen. Jetzt bereiten sie sich auf die Uni vor - mit einer Schönheitsoperation. Hochgezogene Lider und vergrößerte Nasen sollen der Karriere den nötigen Kick geben.

          Am 9. Juni endeten die berüchtigten chinesischen Abiturprüfungen. Die Punktzahl im „Gaokao“, das je nach Provinz zwei bis drei  Tage lange Examen über chinesische Geschichte, Literatur, Mathematik und Naturwissenschaften, entscheidet darüber, an welcher Universität sich der künftige Student bewerben darf. In China entscheidet das Ansehen der Hochschule fast ausschließlich über den späteren Berufserfolg – zumindest galt diese Gleichung in der Vergangenheit.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Seit Neuestem kommt nach Ansicht vieler chinesischer Abiturienten und ihrer Eltern noch ein weiterer Erfolgsfaktor hinzu: in den Sommermonaten vor Studienbeginn lassen sich im Reich der Mitte immer mehr Jugendliche beim Chirurgen das Gesicht bearbeiten. Nicht selten auch andere Partien des Körpers. Je näher am Schönheitsideal des Westens, desto größer ist die Aussicht auf eine steile Karriere in der globalisierten Wirtschaftswelt – das zumindest ist der Glaube, dem mehr und mehr Chinesen anhängen, glaubt man den Berichten der offiziellen Staatspresse.

          Bereits einen Tag, nachdem im Juni die 19 Jahre alte Si in der westchinesischen Stadt Xian in der Provinz Shanxi ihre Gaokao-Prüfung abgelegt habe, habe sie im örtlichen Krankenhaus schon auf ihre drei angemeldeten Operationen gewartet, berichtet das Mädchen der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua: Augenlider auseinanderziehen, Nase vergrößern, Kinn optimieren. Im Vorhaben, ihr Gesicht zum Erfolg meißeln zu lassen, habe sie ihre Familie „sehr unterstützt“, berichtet Si. Sie habe sich für die Kunsthochschule beworben. „Dort ist der Standard für gutes Aussehen höher als in anderen Studiengängen.“

          Viele Krankenhäuser in China werben gezielt

          Nationale Statistiken gibt es nicht, die eine sprunghafte Zunahme bei den Schönheitsoperationen in China unter Abiturienten belegen. Doch in diesem Sommer häufen sich in auffälliger Weise die Berichte lokaler Krankenhäuser, die über eine stark gestiegene Nachfrage nach den Meißelarbeiten an Gesicht und Körper Nachricht geben. In Schanghai ist das Krankenhaus „Nummer 9“ die erste Adresse der Stadt für Schönheitsoperationen. Angehende Studenten stellten in den Sommermonaten vor Unibeginn bereits 60 Prozent der Patienten, berichtet die zuständige Ärztin Wang Danru. Üblich sei es für die Schulabgänger, es nicht bei einer Operation zu belassen. Bis Ende des Monats sei sie bereits mit Terminen ausgebucht und könne keine Patienten mehr aufnehmen. In den Monaten Juni bis August suchen auf der Schönheits-OP-Station täglich etwa 60 Abiturienten um Rat, wie sie ihr Aussehen optimieren können.

          Ein Krankenhaus in der nordöstlichen Stadt Shenyang, Deutschen bekannt als Standort eines BMW-Werks, berichtet von einem Anstieg der Schönheitsoperationen von einem Fünftel nach dem Gaokao im Vergleich zum Vormonat. Seit 2014 sei die Zahl der Abiturienten, die sich unters Messer legen, um jährlich 15 Prozent gestiegen. Viele Krankenhäuser in China werben gezielt um die jungen Patienten. So gibt es bei Vorlage des Schülerausweises schon mal einen Nachlass von zwölf Prozent auf den Behandlungspreis. Andere Krankenhäuser reduzieren den Preis um 1000 Yuan (135 Euro), wer die abgeschlossene Teilnahme an den Gaokao-Prüfungen nachweisen kann.

          Laut „Global Times“, einer der größten Zeitungen des Landes, sind 80 Prozent der jungen Patienten weiblich. Allerdings holten die Männer auf. Dem Bericht zufolge sei das Hauptmotiv für die Schulabgänger jedoch bessere Chancen auf einen guten Arbeitsplatz durch optimiertes Aussehen. Auch erhöhte Chancen, so einen „guten“ Ehepartner zu finden, spielten eine Rolle. „Für chinesische Schüler ist der Ganz zum Schönheitschirurgen so üblich wie ein Friseurbesuch“, schreibt die Zeitung.

          Quelle: FAZ.NET

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