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Veröffentlicht: 23.06.2015, 06:59 Uhr

Infektionskrankheit Samsung entschuldigt sich für Mers

Südkoreas Vorzeigekonglomerat Samsung hat sich für Infektionen mit dem Mers-Virus in einem seiner Krankenhäuser entschuldigt. Die Regierung arbeitet derweil an einem Konjunkturstimulus.

von , Tokio
© AP Proteste vor dem Samsung Medical Center

In einem außergewöhnlichen Schritt hat die Samsung-Gruppe, Südkoreas Vorzeigekonglomerat, sich am Dienstag für die Mers-Infektionsfälle im Samsung Medical Center in Seoul entschuldigt. Das beliebte Krankenhaus war zu einem der wichtigen Infektionsherde für die Ausbreitung der Atemwegserkrankung in Südkorea geworden. Mehr als die Hälfte der Mers-Patienten hatte sich dort mit dem Virus angesteckt. Das Hospital hat seit Tagen den Großteil des Betriebs geschlossen. 

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„Ich verneige meinen Kopf und entschuldige mich zutiefst bei den Patienten, den trauernden Familien und allen anderen, die unter dieser Krankheit leiden“, sagte Lee Jay-yong, Vizepräsident von Samsung Electronic, bei einem seltenen öffentlichen Auftritt. Lee gilt als designierter Nachfolger der familiengeführten Unternehmensgruppe. Sein Vater, Lee Kun-hee, liegt nach einem Herzinfarkt im vergangenen Mai im Samsung Medical Center.

Mehr Schulden gegen Mers treiben die Zinsen

Derweil beschleunigt Mers die Bemühungen der Regierung, die Konjunktur anzukurbeln. Die Bank von Korea hatte ihren Leitzins schon auf das Rekordniveau von 1,5 Prozent gesenkt, als vorbeugende Maßnahme gegen Mers, wie es hieß.

Nun ist das Finanzministerium an der Reihe. Finanzminister Choi Kyung-Hwan hat angekündigt, dass es einen Nachtragshaushalt geben wird. Man kann auch sagen: einen schuldenfinanzierten Konjunkturstimulus. Das „Middle East Respiratory Syndrom“ habe bedeutende Auswirkungen auf die Binnennachfrage und Export, erklärte Choi.

Die Höhe der zusätzlichen Kapitalnachfrage des Staates steht noch nicht fest, doch die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen ist schon gestiegen. Chois Ankündigung ließ sie um 6 Basispunkte auf 2.5 Prozent klettern. Marktbeobachter erwarten in einer Bloomberg-Umfrage einen Anstieg auf 2,6 Prozent noch in diesem Monat. Analysten spekulieren mehrheitlich darauf, dass die Regierung sich einen Nachschlag bei den Ausgaben von 20 Billionen Won (rund 16 Milliarden Euro) gönnt. Das wären etwa 1,4 Prozent der Wirtschaftsleistung des vergangenen Jahres.

Nach dem Untergang der Fähre Sewol im vergangenen Jahr hatte die Regierung 11,7 Billionen Won zusätzlich ausgegeben und 29 Billionen Won finanzielle Unterstützung zugesichert. Koreas Konjunktur hat sich dennoch seit dem vergangenen Jahr spürbar abgeschwächt, obwohl die Bank von Korea seither den Leitzins schon vier Mal gesenkt hat. Zuletzt erwartete die Zentralbank nur noch ein Wachstum von 3,1 Prozent. Die Regierung war zuvor mal von 3,8 Prozent ausgegangen. Analysten halten es wegen des Mers-Ausbruchs für fraglich, ob das Land in diesem Jahr noch 3 Prozent erreichen kann.

Erfolge bei Eindämmung der Krankheit

Das Gesundheitsministerium in Seoul meldete am Dienstag drei weitere Infektionsfälle. 27 Menschen sind an dem Virus bislang in Südkorea gestorben. Die Regierung hofft, dass die Zahl der Neuinfektionen sinkt, doch hat diese sich zuletzt auf niedrigem Niveau eingependelt.

Erfolge bei der Eindämmung der Virus-Infektion sind dennoch nicht zu übersehen. Zwar starben bislang 27 Menschen an Mers. Doch 54 Menschen wurden als geheilt aus den Krankenhäusern entlassen. Die Zahl der akuten Mers-Patienten liegt damit bei „nur“ noch 94 oder 30 weniger als noch vor einer Woche. Zuletzt waren noch rund 2800 Menschen unter Quarantäne. Doch fast 11000 Menschen wurden in den vergangenen Wochen schon aus der vorsorglichen Quarantäne entlassen.

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