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Veröffentlicht: 16.07.2013, 07:15 Uhr

Rindviechereien Kühe außer Rand und Band

Dass Hunde den Mond anheulen und Elstern Schmuck stibitzen ist bekannt. Doch in jüngster Zeit häufen sich die Meldungen über durchgedrehte Kühe.

von
© dpa Täuschen friedlich

Zur Standardausrüstung von Polizisten und Feuerwehrleuten sollten künftig wohl auch Pferd, Lasso und Cowboyhut gehören. Denn immer öfter müssen diese wild gewordenes Rindvieh einfangen. In Seevetal bei Hamburg wurde ein Einsatz zum regelrechten Viehtreck, nachdem 80 Kühe am vergangenen Montag aus ihrem Stall ausgebüxt und zum Teil bis ins 8 Kilometer entfernte Hamburg gelaufen waren. Die Polizei war zwei Stunden mit dem Einfangen der Tiere beschäftigt. Wie die Tiere aus ihrem Stall entkommen konnten, war zunächst unklar.

Martin Hock Folgen:

In Buchholz bei Bonn musste die Feuerwehr am Samstag mit Hilfe von improvisierten Lassos aus Löschschläuchen eine Kuh von ihrem unfreiwilligen Badetag in einem Swimmingpool erlösen. „Unverletzt, jedoch blitzsauber“, wie es im Polizeibericht hieß.

Im Dunkeln sind alle Kühe weiß

Und damit liefert sie einen wesentlichen Hinweis in einem Prozess am Verwaltungsgericht Hannover. In diesem geht es nämlich unter anderem um die Frage, wie gut Kühe schwimmen können. Dort hatten Polizisten eine ausgebüxte Rinderherde eingefangen. Doch der Landwirt, der die Einsatzrechnung zahlen soll, behauptet nun, die Tiere hätten seinem Nachbarn gehört.

Die Kühe waren am Abend ausgebrochen. Und wurden auf einer Insel zwischen der Leine und einem Kanal eingefangen. Die Polizei beschrieb die Rinder als weiß, doch der Bauer sieht seine hellgelb bis weizenfarben. Weiße habe der Nachbar. Doch die Polizei hält für unwahrscheinlich, dass die Rinder durch den Fluss geschwommen seien.

Nicht nur deutsche Kühe

Doch das Phänomen beschränkt sich nicht auf deutsche Kühe: So berichtete unlängst das „Luxemburger Wort“ von einem Horntier aus Aspelt, das seinen Kopf auf einer Wiese durch einen Gartenstuhl aus Kunststoff gesteckt hatte. Obwohl der Kopf ohne Probleme durch ging, konnte sich die Kuh nicht aus eigener Kraft befreien. Die Tierrettungseinheit der „Protection civile“ musste ausrücken und das Tier von seinem ungewöhnlichen Halsschmuck befreien.

Weniger glimpflich ging es für einen 45 Jahre alten Brasilianer aus: In der Stadt Caratinga verließe eine Kuh die Weide, um auf das Blechdach eines Hauses zu steigen, das unterhalb des Straßenniveaus lag. Das Dach hielt dem Gewicht  des Tieres nicht stand und stürzte ein. Dabei fiel die Kuh direkt auf den schlafenden Mann, der von ihr erdrückt und tödlich verletzt wurde.

Tod auf der Schweizer Autobahn

Meistens befinden sich Kühe bei ihren Abenteuern auf der Flucht. Im westfälischen Heil flüchtete eine Kuh in die dortige Ökostation, obwohl laut dem „Westfälischen Anzeiger“ ausgewachsenen Milchkühen dort das Betreten ausdrücklich untersagt ist. Durch einen mutwillig beschädigten Weidezaun war eine Herde ausgebüxt, sieben Kilometer weit gelaufen und schließlich eingefangen worden. Doch beim Rücktransport flüchteten zwei Rinder abermals. Eines rannte zur Ökostation, stieß die große Glastür auf und hatte sich selbst gefangen. Die andere machte sich durch die Lippe davon, konnte am anderen Ufer jedoch eingefangen werden.

Der Fluchtinstinkt ist nur zu verständlich. Denn wer will schon ins Schlachthaus? Dabei leben die Kühe aber so gefährlich wie einst die Ausbrecher von der Teufelsinsel. Der Schweizerbauer berichtet vom Stier Muni, der beim Umladen in einen anderen Transporter in Brunegg im Kanton Aargau ausriss und auf dem Pannenstreifen der Autobahn Richtung Zürich trottete. Die Versuche von Lastwagenfahrern und „Automobilisten“, sich dem Stier in den Weg zu stellen, schlugen fehl und endeten teilweise mit Sachschaden, wie die Polizei mitteilte.

Bei der Verzweigung Mülligen wechselte der Stier von der A1 auf die A3 und konnte mit Polizeisperren bei der Ausfahrt Brugg von der Autobahn getrieben werden. Danach wurde Muni erschossen. Während dieser Aktion hatte die Kantonspolizei die Autobahnen mehrmals sperren müssen. Dadurch bildete sich Rückstau, welcher zeitweise auf mehrere Kilometer Länge anwuchs.

Ebenfalls gesperrt werden musste schon einige Wochen davor die A52 zwischen Ottikon und Hinwil. Dort hatte sich ein Tiertransportanhänger überschlagen. Zwei Kühe wurden schwer verletzt. Ein Tier verstarb beim Abtransport, berichtete ebenfalls der Schweizerbauer.

Auch auf der Straße, aber nicht im Kugelhagel, starben eine Kuh und ihr Kalb bei Reigoldswil im Kanton Basel, berichtete die Basellandschaftliche Zeitung. Die beiden waren mit einigen anderen Kühen auf eine Straße gerannt. Ein Autofahrer kollidierte mit Kuh und Kalb. Dieser erlitt nur leichte Verletzungen. Der Personenwagen wurde massiv beschädigt´.

Wenn Sie das nächste Mal eine Kuh sehen, sollten sie sich vielleicht besser aus dem Staub machen und/oder die Polizei rufen. Man weiß nie – aber merken Sie sich die Farbe der Kuh genau.

Quelle: FAZ.NET

 

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