http://www.faz.net/-gqe-96xil

Gedankenspiele : Peter Thiels Medienambitionen

Der deutsche Investor Peter Thiel Bild: Reuters

Der deutschstämmige Investor spielt angeblich mit dem Gedanken, konservativ ausgerichtete Medien ins Leben zu rufen. Mit seiner politischen Haltung ist er eine Ausnahmeerscheinung im Silicon Valley.

          Peter Thiel hatte schon in jungen Jahren Interesse an Journalismus. Als der gebürtige Deutsche an der kalifornischen Stanford-Universität studierte, war er Mitgründer der Studentenzeitung „Stanford Review“, die bis heute existiert. Nach seinem Studium wandte er sich aber anderen Dingen zu. Er arbeitete erst in einer Anwaltskanzlei und als Investmentbanker und kam dann als Unternehmer und Investor zu gewaltigem Reichtum.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          1998 war er einer der Mitgründer des Bezahldienstes Paypal, der einige Jahre später für 1,5 Milliarden Dollar an den Online-Händler Ebay verkauft wurde. Und 2004 wurde er zum ersten außenstehenden Investor von Facebook und gab dem sozialen Netzwerk kurz nach dessen Gründung 500000 Dollar als Anschubhilfe. Er hat mittlerweile den Großteil seiner Facebook-Aktien verkauft, sitzt aber bis heute im Verwaltungsrat des Unternehmens. Thiel ist außerdem Mitgründer und Großaktionär des auf Datenanalyse spezialisierten Unternehmens Palantir Technologies, das zu den am höchsten bewerteten Start-up-Gesellschaften Amerikas zählt. Die Zeitschrift „Forbes“ schätzt seinen Reichtum auf 2,5 Milliarden Dollar.

          Vor rund zwei Jahren kam Thiel auch wieder mit der Medienbranche in Berührung, wenngleich mit einem reichlich destruktiven Manöver. Der Investor finanzierte einen Rechtsstreit des Wrestlers Hulk Hogan mit dem Klatschportal „Gawker“. Hogan hatte die Seite verklagt, weil sie ein Sexvideo von ihm veröffentlicht hatte, und Thiel hatte ebenfalls eine Rechnung mit ihr offen, weil sie ihn vor Jahren als homosexuell geoutet hatte. Hogan bekam am Ende 140 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen, und Gawker musste Insolvenz anmelden.

          Nun scheint Thiel auch an eigenen Medienprojekten interessiert zu sein. Schon vor wenigen Wochen meldete das Online-Portal „Buzzfeed“, dass Thiel darüber nachdenkt, einen Nachrichtenkanal ins Leben zu rufen. Der Fernsehsender soll nach seinen Vorstellungen ähnlich wie der zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehörende Kanal „Fox News“ eine konservative politische Ausrichtung haben. An dem Projekt könnte sich dem Bericht zufolge die einflussreiche Mercer-Familie beteiligen, die schon das rechtspopulistische Portal „Breitbart News“ gefördert hat und die dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump nahesteht.

          Interesse an einer stillgelegten Internetadresse

          Wie unlängst bekannt wurde, zählt Thiel außerdem zu den Bietern für die Überreste von Gawker, wozu zum Beispiel die stillgelegte Internetadresse „gawker.com“ und das Online-Archiv der Seite gehören. Es ist viel darüber spekuliert worden, welches Interesse er daran hat, die Seite zu kaufen, an deren Untergang er maßgeblichen Anteil hatte. Beispielsweise wurde gemutmaßt, er wolle die archivierten Artikel löschen. Die gemeinnützige Journalismusorganisation Freedom of the Press Foundation war von dieser Vorstellung offenbar so alarmiert, dass sie vor wenigen Tagen unter anderem mit Blick auf Thiel ein Projekt gestartet hat, das Inhalte von Online-Publikationen konserviert, darunter das gesamte Gawker-Archiv.

          Vor wenigen Tagen berichtete „Buzzfeed“, dass Thiel Gawker womöglich nicht einfach nur ausradieren will, sondern ganz andere Pläne dafür haben könnte. So habe er bei einer Veranstaltung der Stanford University zu einer Gruppe von Studenten gesagt, falls er den Zuschlag für Gawker bekomme, könnte er die Seite als konservative investigative Online-Publikation wiederbeleben. Bei diesem Anlass habe er sich auch kritisch gegenüber anderen Medien geäußert. Er soll die „Washington Post“ einen „Arm der Demokratischen Partei“ genannt haben und außerdem gesagt haben, „Fox News“ bewege sich zu sehr am rechten Rand des politischen Spektrums.

          Peter Thiel war eine der wenigen prominenten Figuren aus dem Silicon Valley, die sich im jüngsten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf auf die Seite von Donald Trump geschlagen haben. Er spendete einen Millionenbetrag, um Trump zum Wahlsieg zu verhelfen, und er hielt eine Rede auf dem Parteitag der Republikaner, auf dem Trump offiziell zum Kandidaten gekürt wurde. Nach den Wahlen fungierte er als Berater von Trump und half zum Beispiel, ein Treffen zwischen ihm und hochkarätigen Vertretern der Technologiebranche zu organisieren. Welche Rolle genau er heute im Umfeld des Präsidenten spielt, ist nicht ganz klar. Der Autor Michael Wolff erweckte in seinem kürzlich veröffentlichten Bestseller „Feuer und Zorn: Im Weißen Haus von Donald Trump“ den Eindruck, Thiel habe seinen Einfluss verloren. Trump rufe ihn heute nicht einmal mehr zurück, hieß es darin.

          Weitere Themen

          EU trotzt Trump Video-Seite öffnen

          Atomdeal und Strafzölle : EU trotzt Trump

          Die Staatengemeinschaft schließt die Reihen gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump: Am Atomabkommen mit dem Iran wollen sie festhalten, solange sich auch Teheran daran hält.

          Topmeldungen

          Pokal-Party in Frankfurt : Balkon, Pott, Ausnahmezustand

          Ausnahmezustand in Frankfurt: Die Stadt feiert ihr Team am Römer. Während Niko Kovac dabei erst sprachlos ist, spricht der Bürgermeister von einem besonderen Versprechen des nun ehemaligen Trainers.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.