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Neuer „Leaf“ : Nissan kämpft um den Vorsprung bei den Elektroautos

Nissan-Chef Saikawa stellt den neuen „Leaf“ gleich persönlich vor. Bild: AFP

Der japanische Autobauer Nissan war 2010 Vorreiter bei Elektroautos für den Massenmarkt. Doch Anbieter wie Tesla haben gewaltig aufgeholt. Mit dem neuen Leaf will Nissan die Marktführerschaft behalten.

          Das erfolgreichste Elektroauto der Welt bekommt einen Nachfolger. Nissan Motor stellte am Mittwoch bei Tokio die zweite Generation des „Leaf“ vor. Zum ungefähr gleichen Preis wie zuvor erhält der Kunde ein Elektroauto mit 40 Prozent mehr Reichweite und elektronischen Fahr- und Einparkhilfen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Nissan unterstreicht mit dem Leaf den Anspruch, Marktführer bei den Elektrofahrzeugen zu sein. Unternehmenschef Hiroto Saikawa zeigte sich vor Journalisten überzeugt, dass Nissan seinen Vorsprung vor Konkurrenten wie dem amerikanischen Anbieter Tesla werde halten können.

          Verkaufsziele lange nicht erreicht

          Nissan war im Jahr 2010 mit dem ersten Leaf der erste Anbieter mit einem Elektroauto für den Massenmarkt. Früher und so stark wie kein anderer Autoanbieter setzte das japanische Unternehmen, das in einer Allianz mit Renault verbunden ist, auf den Elektromotor als Antrieb der Zukunft. Nissan hat mehr Elektrofahrzeuge verkauft als jeder andere Autobauer und entsprechend Erfahrung gewonnen.

          Dennoch haben die damals optimistischen Erwartungen sich nicht erfüllt. Bis Jahresende 2016 wollte die Renault-Nissan-Allianz 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft haben. Daraus wurde nichts. Aktuell zählt die Allianz mehr als 480.000 Elektrofahrzeuge, davon mehr als 280.000 Leaf.

          Entsprechend vorsichtig gibt das Unternehmen sich deshalb mit den Verkaufserwartungen für das neue Modell. Mindestens doppelt so viele Leafs wie bisher will Nissan absetzen, das wären rund 100.000 im Jahr. Man könne nicht gut prognostizieren, wann der Wandel zum Elektrofahrzeug sich im Massenmarkt durchsetzen werde, sagte Saikawa. Er schloss aber nicht aus, dass die Verkaufszahlen sich gegenüber dem Vorgängermodell verdreifachen könnten.

          Nicht ganz ein Tesla

          Wer von Elektroautos spricht, denkt heute freilich nicht an Nissan, sondern an Tesla. Der amerikanische Elektroautospezialisten Tesla erzielt weit mehr Aufmerksamkeit als die Japaner. Für das Mittelklassemodell 3 will Tesla rund 500.000 Vorbestellungen erhalten haben. Das weit teurere Modell S von Tesla verkauft sich schon fast so gut wie der Leaf. Gegen Tesla setzte Nissans Chef am Mittwoch die Spitze, dass die Erfahrung von mehr als 80 Jahren im Autobau sich nicht schnell gewinnen lasse.

          Die Japaner plazieren den neuen Leaf mit einem Preis von rund 30.000 Dollar unter den 35.000 Dollar des Modell 3, sparen dafür aber an der Batterieleistung und der Reichweite. Letztere hat sich mit einem Akku von 40 Kilowattstunden zwar vergrößert. Das soll nach japanischem Standard für 400 Kilometer reichen, nach europäischer Messung seien dies rund 380 Kilometer und nach amerikanischem Standard rund 150 Meilen. Das reiche für den durchschnittlichen Autokunden in Japan und in den meisten Ländern Europas, sagt Saikawa.

          Der Nissan Leaf liegt damit hinter den Angeboten von Tesla oder General Motors. Ein leistungsfähigeres Modell mit einer Batterieleistung von 60 Kilowattstunden soll es im kommenden Jahr geben. Ein hochrangiger Manager von Nissan nannte dafür eine Reichweite von mehr als 300 Meilen (rund 480 Kilometer).

          Setzen auf Innovation

          Der neue Leaf ist im Design zurückhaltender als das Vorgängermodell, das durch gewaltige froschartige Scheinwerfer auffiel. Wichtiger sind aber die technischen Neuerungen unter der Haube. Nisan betont, dass das Fahrzeug mit elektrischen Fahrhilfen, einem automatischen Einparksystem und dem „E-Pedal“, das zum Beschleunigen und zum Bremsen dienen kann, weit mehr biete als nur den Elektroantrieb. Damit will das Unternehmen sich von Vergleichen mit anderen Elektroautos absetzen.

          Der erste Leaf war nach den Worten Saikawas ein Nischenprodukt. Den neuen Leaf will Nissan aber als eine Säule der Produktpalette etablieren. In den Jahren 2020 bis 2025 erwartet der Nissan-Chef nicht nur für sein Unternehmen, dass Elektroautos zunehmend die Verbrennungsmotoren verdrängen.

          Noch aber seien Subventionen und Steuervorteile hilfreich, um Elektrofahrzeuge voranzubringen, sagte Saikawa. Nissan bleibt damit nicht nur seiner Wette auf den Elektromotor treu, sondern auch dem Vertrauen in die staatliche Lenkung des Automarktes. Der Leaf wird von Oktober an in Japan verkauft. Marktstart in Europa und in den Vereinigten Staaten ist 2018.

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