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Neue Karriere : Mike Tyson wird Marihuanabauer

Mike Tyson macht wieder auf sich aufmerksam. Bild: dpa

Der frühere Boxweltmeister Mike Tyson errichtet eine Cannabisfarm in der kalifornischen Wüste. Just zu einer Zeit, in der das Geschäft in dem amerikanischen Westküstenstaat einen Durchbruch erlebt.

          Cannabis wird in den Vereinigten Staaten zunehmend zum Wachstumsmarkt. Das lockt auch immer mehr Prominente an. Der Rapper Snoop Dogg ist Partner in einer Wagniskapitalgesellschaft, die in Unternehmen mit Aktivitäten im Marihuanageschäft investiert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Musiker Willie Nelson hat seine eigene Marihuanalinie mit dem Namen „Willie’s Reserve“. Die Schauspielerin Whoopi Goldberg vertreibt Cannabisprodukte, die Menstruationsbeschwerden von Frauen lindern sollen.

          Jetzt steigt auch Mike Tyson in das Geschäft ein. Der frühere Boxweltmeister will im kalifornischen Wüstenort California City eine Art Cannabisranch entstehen lassen. Kürzlich war der Spatenstich auf dem 16 Hektar großen Areal.

          Rund die Hälfte des Geländes will Tyson nutzen, um Marihuana anzupflanzen. Daneben soll es auch ein Ausbildungszentrum geben, in dem Techniken für den Marihuanaanbau gelehrt werden, sowie eine Produktionsstätte für sogenannte „Edibles“, also mit Cannabis versetzte Lebensmittel wie Schokolade oder Kekse. Auf dem Gelände ist außerdem ein luxuriöser Campingplatz vorgesehen.

          Wie einige andere prominente Marihuanaunternehmer hat auch der 51 Jahre alte Tyson reichlich persönliche Erfahrung mit der Substanz. In seiner Autobiografie hat er vor wenigen Jahren zugegeben, dass er in seiner aktiven Zeit als Boxer regelmäßig unter dem Einfluss von Marihuana stand.

          Er gestand auch, für Dopingtests einen künstlichen Penis mit sauberem Urin gehabt zu haben, damit sein Cannabiskonsum nicht ans Licht kommt. Tyson sprach außerdem über seine Kokainsucht und sagte, er habe diese Droge schon im Alter von elf Jahren zum ersten Mal konsumiert.

          Auch eine Analyse von NewFrontier zeigt: Das legale Geschäft mit Cannabis hat sich längst zum Milliardenmarkt entwickelt.

          Tysons Engagement im Cannabismarkt kommt zu einer Zeit, in der das Geschäft mit der Substanz in Kalifornien um einiges lukrativer zu werden beginnt. Denn zum Jahresanfang wurde der Verkauf von Marihuana als reines Genussmittel legal.

          Dieser Meilenstein würde durch einen Bürgerentscheid im November 2016 möglich, in dem zeitgleich mit den Präsidentschaftswahlen über die Legalisierung abgestimmt wurde. Kalifornien ist ohnehin Pionier auf diesem Gebiet und hat Marihuana schon 1996 als erster amerikanischer Bundesstaat für den Einsatz als medizinisches Therapiemittel freigegeben.

          Mit der Legalisierung als Genussdroge standen zwar andere Regionen wie Colorado an der Spitze, aber Kalifornien dürfte das Geschäft als bevölkerungsreichster amerikanischer Bundesstaat in eine ganz neue Dimension bringen. Zum Verkaufsstart an Neujahr gab es vor vielen Geschäften lange Schlangen. Insgesamt ist Cannabis jetzt als Genussdroge in acht Bundesstaaten legal, in denen insgesamt rund ein Fünftel der amerikanischen Bevölkerung lebt. 28 Bundesstaaten erlauben den medizinischen Einsatz.

          Trotz der jüngsten Legalisierungswelle hat das Geschäft noch immer einen großen Haken. Denn auch wenn immer mehr Bundesstaaten den Verkauf und Konsum von Cannabis erlauben, bleibt die Substanz auf Bundesebene bis heute verboten und wird sogar auf einer Stufe mit Heroin klassifiziert. Das heißt, die Regierung in Washington kann ihren Anbau und Besitz strafrechtlich verfolgen.

          Unter dem früheren Präsidenten Barack Obama geschah das kaum, aber es ist noch nicht ganz klar, ob Donald Trump diese Duldungspolitik fortsetzen wird. Ein Argument der Industrie, dies zu tun, sind die mit dem Geschäft verbundenen Arbeitsplätze. Die auf den Cannabismarkt spezialisierte Analyse- und Beratungsgesellschaft Arcview hat in einer gerade veröffentlichten Studie geschätzt, dass bis zum Jahr 2021 in den Vereinigten Staaten fast 300.000 direkte Vollzeitarbeitsplätze in der Industrie entstehen werden. Das Geschäft werde bis dahin außerdem jährliche Steuereinnahmen von mehr als vier Milliarden Dollar bringen.

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