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Marktbericht : EZB-Kredit belastet den Dax

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach einem starken Vormittag zeigte sich der deutsche Markt abermals schwächer. Dax und FAZ-Index notierten im Minus.

          Gewinnmitnahmen nach zuletzt deutlichen Kursanstiegen haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch belastet. Gegen Mittag gaben die deutschen Aktien ihre Tagesgewinne wieder ab und rutschten in die Verlustzone. Der Dax sank um 0,95 Prozent auf 5791 Punkte, nachdem er am Dienstag noch um 3,11 Prozent nach oben geklettert war. Auf Jahressicht steht bei dem Leitindex ein Minus von mehr als 16 Prozent zu Buche. Der M-Dax schloss am Mittwoch 0,22 Prozent tiefer bei 8718 Punkten. Der Tec-Dax verlor 1,45 Prozent auf 666 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index gab 0,88 Prozent auf 1294 Zähler nach.

          Gewinnmitnahmen nach EZB-Kredit belasten den Dax

          Händler verweisen auf Zweifel an der Liquiditätssituation der europäischen Banken, nachdem sich mit mehr als 500 Instituten eine sehr große Zahl für den ungewöhnlichen Zeitraum von drei Jahren bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Rekordsumme von insgesamt fast 500 Milliarden Euro geliehen hat. Vor diesem Hintergrund sei es in einem nervösen Handel zu Gewinnmitnahmen gekommen. Von einem weiteren Händler hieß es, dass Spekulationen zufolge Banken angesichts neuer Regulierungsvorschriften ihr Engagement in Staatsanleihen reduzieren könnten.

          Der Anfangseuphorie vom Vormittag schwänden nach der Riesen-Geldspritze der EZB die Kräfte, sagte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Da noch keine detaillierte Aufstellung vorliege, die länderspezifische Erkenntnisse zulasse, kursierten Spekulationen, die wieder einmal für Verunsicherung sorgten. „Da nehmen einige Investoren doch lieber die Gewinne mit, bevor sie vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt werden“, fuhr Lipkow fort.

          Wall Street schwächelt

          Die wichtigsten amerikanischen Aktienindizes sind nach den kräftigen Vortagsgewinnen am Mittwoch wegen neuer Sorgen um die Eurozone etwas leichter in den Handel gestartet. Der Dow Jones Industrial stand etwas mehr als eine Stunde nach dem Auftakt mit 0,35 Prozent im Minus bei 12.061 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,43 Prozent auf 1236 Punkte. An der Nasdaq sorgten schwache Oracle-Zahlen für noch größere Verluste: Der Composite-Index fiel um 1,46 Prozent auf 2566 Punkte und der Auswahlindex Nasdaq 100 sank um 1,70 Prozent auf 2243 Punkte.

          An der Nasdaq fielen die Titel von Oracle um 13,6 Prozent auf 25,21 Dollar, nachdem der Softwarekonzern mit seinen am Vortag nach Börsenschluss vorgelegten Daten zum zweiten Geschäftsquartal die Erwartungen von Analysten deutlich verfehlt hatte. Auch im Dow Jones litten einige Technologiewerte darunter: IBM-Aktien büßten als schwächster Indexwert 4,19 Prozent ein, gefolgt von Cisco Systems und Hewlett-Packard mit einem Minus von 2,61 und 2,93 Prozent.

          SAP nach Oracle-Zahlen unter Druck

          Positiv wirkte sich die Maßnahme der EZB zunächst auf Europas Finanzaktien aus, deren Kurse aber nach hohen Zuschlägen dann ins Rutschen kamen. Der Kurs der Anteilsscheine der Allianz legte zunächst noch 1,4 Prozent zu, verlor im weiteren Handelsverlauf aber 0,08 Prozent. Ebenso legte die Commerzbank erst leicht um 0,2 Prozent zu, Deutsche Bank um 0,7 Prozent. Später blieben die Aktien der Commerzbank im Vergleich zum Vortag nahezu unverändert, die Deutsche Bank sank leicht um 0,27 Prozent.

          Großer Verlierer waren SAP, deren Kurs mehr als 6 Prozent nachgab. Sie waren damit so billig wie seit Mitte Oktober nicht mehr. Aufs Gemüt drückten die enttäuschenden Ergebnisse des Softwarekonzerns Oracle. „Es scheint, als ob sich die allgemeine IT-Nachfrage abschwächt, was wir bereits für den Rest von 2011 und 2012 so erwartet hatten“, schrieb DZ-Bank-Analyst Oliver Finger in einem Kommentar. Der Aktienkurs der Software AG verzeichnete einen Abschlag von 4,92 Prozent.

          Die Anteilsscheine von Balda trotzten einer Gewinnwarnung und legten um 0,23 Prozent auf 4 Euro zu. Das Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit einem Verlust statt eines Gewinns. „Viele Anleger waren aber schon für fallende Kurse positioniert und hatten negative Nachrichten eingepreist“, sagt ein Händler. Einem anderen Börsianer zufolge dürfe der Kursaufschlag nicht überbewertet werden, da viele spekulativ orientierte Investoren bei der Balda-Aktie mitmischten.

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