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Kühne Idee eines Chefplaners : Im Zug von China nach Amerika

Ein solcher chinesischer Schnellzug könnte irgendwann einmal vielleicht von China nach Amerika fahren. Bild: AFP

Chinesische Ingenieure träumen von einem gigantomanischen Projekt: einer Bahnverbindung zwischen ihrem Land und den Vereinigten Staaten. Durch einen Tunnel unter der Beringstraße würden Züge für die 13.000 Kilometer zwei Tagen brauchen.

          Es klingt wie ein Aprilscherz mitten im Mai: Chinesische Ingenieure denken darüber nach, eine Eisenbahnlinie zwischen ihrem Land und den Vereinigten Staaten zu bauen. Damit würden die größte und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt erstmals auf dem Landweg miteinander verbunden.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die 13.000 Kilometer lange Strecke soll von Nordostchina über Ostsibirien verlaufen und dort die Beringstraße zwischen Asien und Amerika überqueren. Durch Alaska und Kanada hindurch könnte der Schienenweg bis ins Kernland der Vereinigten Staaten vordringen, berichtet heute morgen die regierungsnahe Tageszeitung „China Daily“.

          Das Blatt beruft sich auf Wang Mengshu, einen Fachmann für Tunnel- und Eisenbahnkonstruktionen an der Chinesischen Ingenieursakademie. Er gehört zu den Chefplanern für Chinas Hochgeschwindigkeitsstrecken, das längst und am schnellsten wachsende Netz der Welt.

          Wissenschaftler hätten über die Idee schon lange geforscht, sagte Wang. „In der Vergangenheit war die Technik für den Tunnelbau nicht gut genug, um das in die Tat umzusetzen. Aber mit der rapide fortschreitenden Entwicklung der Ingenieursleistungen ist es jetzt möglich, einen Tunnel unter der Beringstraße zu bauen.“

          Kritiker fürchten, China könnte sich mit Großprojekten übernehmen

          Nach Wangs Vorstellungen sollen auf der Strecke Hochgeschwindigkeitszüge eingesetzt werden. Bei einem Höchsttempo von 350 Kilometern in der Stunde würde es weniger als zwei Tage dauern, um von China nach Amerika zu gelangen. Russland unterstütze das Projekt ebenfalls, versicherte der Techniker.

          Der Artikel findet sich in der heutigen Ausgabe der „China Daily“ etwas versteckt in einem Kasten unterhalb der eigentlichen Tunnel-Nachricht des Tages. Demnach beginnen die Chinesen im Juni mit dem Bohren eines mehr als 30 Kilometer langen Eisenbahnstollens, um ihre Südwestprovinz Yunnan mit dem Nachbarland Myanmar (Burma) zu verbinden.
          Die geplante Verbindung wäre der längste Schienentunnel der Welt hinter dem Saikan-Tunnel in Japan (54 Kilometer), dem Tunnel unter dem Ärmelkanal (51) und dem Lötschberg-Basistunnel in der Schweiz (34).

          Noch kühner ist das chinesische Vorhaben, über eine Länge von 123 Kilometern die Bohai-Buch zu unterqueren, die östlich der Pekinger Nachbarmetropole Tianjin liegt. Den längsten Kanal und die längste Brücke haben die Chinesen längst gebaut.

          Der in Yunnan geplante Gaoligong Shan Tunnel ist Teil der 330 Kilometer langen Dali-Ruili-Verbindung nach Myanmar. Auf der neuen Trasse sollen die Züge Wang zufolge bis zu 250 Kilometer in der Stunde schnell fahren können. Der Abschnitt gehört wiederum zum Vorhaben Trans-Asian-Railway, in dem sich vor acht Jahren 18 Länder aus dem Asien-Pazifik-Raum einigten, 14.000 Kilometern Schienenwegen zu bauen.

          Kritiker fürchten, dass sich China mit all diesen Projekten übernehmen könnte. Schon jetzt gehört die Eisenbahnbehörde zu den am höchsten verschuldeten Regierungsstellen.
          Wie man indes aus finanzieller Misere das Beste machen kann, zeigen die asiatischen Aktienmärkte. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific legt nach der Flaute zuvor am zweiten Tag hintereinander zu. Heute Morgen beträgt das Plus 0,3 Prozent, so dass der Wochenverlust glimpflich ausfallen könnte.

          Das ändert freilich nichts am mittelfristig schwierigen Trend: Die Kurse in Japan und Hongkong, den wichtigsten Börsenplätzen der Weltgegend, haben sich seit Jahresbeginn schlechter entwickelt als in allen anderen 22 Industrieländern.

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