http://www.faz.net/-gqe-8x231

Zahlungsmittel : Korea versucht die münzlose Gesellschaft

Das Prägen von Münzen ist der Notenbank von Südkorea zu teuer. Bild: dpa

Südkorea versucht, die Kosten der Münzprägung einzusparen und die Bevölkerung noch mehr zum Plastikgeld zu drängen. Eine völlig bargeldlose Zukunft aber sieht die Bank von Korea nicht.

          Her mit den Münzen! Nach dieser Idee beginnt Südkorea an diesem Donnerstag ein Experiment, das auf mittlere Sicht zu einer münzlosen Gesellschaft führen soll. In mehr als 23.000 kleinen Supermärkten können Kunden von heute an wie gewohnt weiter mit Bargeld zahlen. Auf Wunsch aber wird das kleine Rückgeld nicht mehr in Münzform zurückgezahlt, sondern auf eine weitverbreitete Bargeld-Karte für den Nahverkehr oder auf Kundenkarten gewechselt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Bank von Korea will mit dem Versuch testen, ob das Zahlungssystem kosteneffektiver zu betreiben ist. Die Kosten der Münzprägung betrugen im vergangenen Jahr 54,7 Milliarden Won (45 Millionen Euro). Eine münzlose Gesellschaft würde aber vor allem die Kosten des Transports und der Münz-Bevorratung in Geschäften senken. Wenn der Versuch glückt, sollen die Münzen bis 2020 aus dem Geldumlauf verschwunden sein.

          Ihr Ausblick auf den Tag: Kompakt und prägnant - und mit exklusiven Berichten unserer Korrespondenten. Abonnieren Sie den Newsletter „Agenda“.

          Um es den Koreanern einfacher zu machen denkt die Zentralbank schon jetzt über weitere Ergänzungen des Versuchs nach. So wird es wahrscheinlich in Zukunft möglich sein, sich das kleine Rückgeld nicht nur auf Plastik-Geldkarten, sondern auch auf das eigene Bankkonto auszahlen zu lassen.

          51 Prozent der Befragten erklärten in einer Umfrage der Zentralbank aus dem vergangenen Jahr, dass sie eine münzlose Gesellschaft für wünschenswert hielten. 24 Prozent waren dagegen. Die Nachfrage nach Münzen spricht freilich eine andere Sprache. Im vergangenen Jahr wuchs der Münzumlauf um 3,4 Prozent auf 2,34 Billionen Won (1,89 Milliarden Euro).

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

          Mehr erfahren

          In der konservativen koreanischen Gesellschaft, in der neue technische Trends dennoch begeistert aufgenommen werden, hat Bargeld dennoch einen schweren Stand. Im vergangenen Jahr zückten die Koreaner für die Hälfte ihrer Zahlungen die Kreditkarte, während sie nur noch rund ein Viertel der Zahlungen bar abwickelten. Gemessen am Wert wird Bargeld nur noch für 14 Prozent der Zahlungen verwendet. Die größte Münze zu 500 Won ist umgerechnet gerade mal etwa 40 Cent wert.

          Eine Entscheidung darüber, ob die münzlose Gesellschaft später auch zur bargeldlosen Gesellschaft werden soll, hat die Bank von Korea bislang nicht getroffen. Die Wahrscheinlichkeit für eine völlig bargeldlose Wirtschaft sei gering, wird ein Vertreter der Notenbank in koreanischen Medien zitiert. Ein Faktor ist, dass in den in Korea beliebten traditionellen Märkten und in Kleinstgeschäften der elektronische Zahlungsverkehr nicht weit verbreitet ist.

          Und wenn schon nicht als Zahlungsmittel, so wird das Bargeld in Form von Banknoten doch gerne als Wertaufbewahrungsmittel verwendet. Die Nachfrage nach der erst 2009 eingeführten größten Banknote zu 50.000 Won (41 Euro) steigt.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Hund folgt Streetview-Fotografen Video-Seite öffnen

          Südkorea : Hund folgt Streetview-Fotografen

          Ein Golden Retriever, der jedes Streetview-Bild der südkoreanischen Insel Jukdo fotobombt, begeistert das Internet. Der Vierbeiner folgt dem 360-Grad Fotografen eines Online-Kartendienstes auf Schritt und Tritt.

          Topmeldungen

          Christian Lindner hat die Union verärgert.

          Neuer Finanzminister : Lindner vergrätzt die Union

          „Alles, bloß kein CDU-Finanzminister“, forderte FDP-Chef Christian Lindner im F.A.Z.-Interview. Das kommt beim potentiellen Koalitionspartner alles andere als gut an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.