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Kasinokrise : Die sterbende Spielerstadt

Spielkasino in Atlantic City: Die Spielerstadt verliert an Attraktivität Bild: AP

Atlantic City war schon immer die hässliche Schwester von Las Vegas. Aber im Moment spitzt sich die Lage dramatisch zu. In diesem Jahr könnte ein Drittel aller Kasinos schließen.

          Atlantic City gilt hinter Las Vegas als die zweitwichtigste Spielerstadt in den Vereinigten Staaten. Seit dem Jahr 1978 gibt es Kasinos in der Stadt an der Küste des Bundesstaates New Jersey. Atlantic City wollte damals mit den Glücksspielhäusern seinen allmählichen Verfall aufhalten. Mitte des vergangenen Jahrhunderts war die Stadt einmal ein Tummelplatz für Prominente und ein beliebtes Ziel für Strandurlauber. Aber das exklusive Image schwand dahin, und die Atlantic City würde zur schäbigen Billigadresse. Kasinos sollten die Wiederbelebung bringen. Das Rezept ging eine Zeit lang auf, auch wenn Atlantic City immer die weniger glamouröse Schwester von Las Vegas geblieben ist. Atlantic City steht im Ruf, ein Rentnerparadies zu sein, während Las Vegas als die Metropole mit Sex-Appeal gilt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Seit einigen Jahren herrscht in Atlantic City wieder Krisenstimmung, und im Moment spitzt sich die Lage dramatisch zu. Der Stadt droht ein Kasinosterben. Am Montag wurden die rund 1000 Mitarbeiter des Trump Plaza Hotel & Casino benachrichtigt, dass ihr Haus Mitte September schließen könnte. Schon im Januar hat das Kasino Atlantic Club zugemacht, und Ende August will auch das Showboat aufgeben. Gefährdet ist auch das Revel, die jüngste Kasino-Adresse in Atlantic City, die erst vor zwei Jahren mit einer Beyoncé-Konzertserie und anderem großen Rummel eröffnet wurde. Das Haus hat kürzlich schon zum zweiten Mal Insolvenz beantragt und könnte geschlossen werden, falls es keinen Käufer findet. Sollte tatsächlich für all diese Kasinos das Ende kommen, dann würde Atlantic City innerhalb kurzer Zeit vier seiner zum Jahresanfang noch zwölf Kasinos verloren haben.

          Neue Wettbewerber erschweren das Geschäft

          Atlantic City macht vor allem die Konkurrenz aus nahe gelegenen Bundesstaaten wie Pennsylvania oder New York zu schaffen, in denen in den vergangenen Jahren Kasinos erlaubt wurden. Seit dem Jahr 2006 sind die Kasino-Umsätze in Atlantic City nach einer Studie der University of Nevada um mehr als 45 Prozent gefallen. Zwar blickt auch Las Vegas auf turbulente Zeiten zurück, gerade nach der Finanz- und Wirtschaftskrise des vergangenen Jahrzehnts. Aber in jüngster Zeit hat sich Las Vegas wieder stabilisiert.

          Das Trump Plaza hat mit besonders großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Hier sind die Kasinogewinne im ersten Halbjahr um fast 28 Prozent gefallen, so schlecht hat kein anderes Haus abgeschnitten. Das Haus gehört zur Trump Entertainment Resorts Inc., die auf mehrere Insolvenzverfahren zurückblickt und deren Namensgeber Donald Trump heute nur noch eine sehr begrenzte Rolle im Unternehmen spielt. Trump hatte einst drei Kasinos in der Stadt. Eines der Häuser wurde 2011 verkauft. Sollte das Trump Plaza tatsächlich schließen, bliebe nur noch das Trump Taj Mahal übrig.

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