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Veröffentlicht: 07.04.2015, 06:03 Uhr

Kalifornien Mandeln aus der Dürrezone

Kalifornien leidet unter einer schlimmen Dürre. Doch die Bauern des amerikanischen Bundesstaates bauen so viele Mandeln an wie nie zuvor. Obwohl die Pflanze sehr viel Wasser verbraucht.

von , Washington
© dpa Dürre in Kalifornien: Schon seit letztem Sommer hat der Bundesstaat mit akuter Wasserknappheit zu kämpfen.

Kalifornien trocknet aus. Der Bundesstaat ist in das vierte Dürrejahr eingetreten. Selbst Rekordregenfälle in diesem Jahr würden nicht reichen, um die Wasserreserven zu füllen.  Der demokratische Gouverneur Jerry Brown hat deshalb seinem Land einen Wassersparplan verordnet. Die Städte und Dörfer des Bundesstaates sind verpflichtet,  ihren Wasserverbrauch um 25 Prozent zu senken. Die Kalifornier müssten sich ändern, fordert Brown: „Die Idee von einem schönen kleinen grünen Garten , der jeden Tag mit viel Wasser beregnet wird, wird zu einem Phänomen der Vergangenheit“,  sagte der Gouverneur.

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Die Anordnung ist allerdings auf Widerstand gestoßen. Die Kritiker verweisen darauf, dass nicht die Bürger in den urbanen Zentren den Großteil des Wassers verbrauchten. Vielmehr sei es die Landwirtschaft, die 80 Prozent  des geförderten Wassers beansprucht ist. Ins Visier der Kritiker sind vor allem die Bauern geraten, die Walnüsse und Mandeln anbauen. Denn für  die Erzeugung einer einzigen Walnuss braucht es nach detaillierten Recherchen des Magazins „Mother Jones“ vier bis neun Gallonen Wasser. Dass sind 15 bis 34 Liter Wasser. Für die Entwicklung einer einzigen Mandel sind 1,1 Gallonen oder vier Liter nötig.

Mandeln für die Welt

Mandeln sind ein besonderes Problem, weil sie immer begehrter werden. Kalifornien versorgt fast allein den gesamten amerikanischen Markt und zudem vier Fünftel vom Rest der Welt mit den Früchten. Das Marktvolumen für Mandeln hat sich binnen zehn Jahren vervierfacht, die Anbaufläche hat sich in der Dekade verdoppelt. Selbst die drei Dürrejahre haben den Ausbau des Anbaus nicht gebremst. Zu den Investoren gehören New Yorker Fondsgesellschaften, die sich Renditen versprechen und die globalen Absatzchancen frühzeitig gewittert haben. 
Mandeln sind in. Sie fügen sich gut in aktuelle Diättrends von Paleo über Gluten-frei zu Kohlehydrat-arm.

Die Amerikaner essen doppelt so viele Mandeln wie vor zehn Jahren, hat „Mother Jones“ ermittelt. Mandeln kommen hier nicht nur als Snack oder als Backzutat in die Supermärkte, sondern auch als Butter oder Mandelmilch. Doch noch größer als im Inland ist der Erfolg der kalifornischen Mandel im Ausland. 70 Prozent der Ernte gehen in die Welt hinaus und landen beispielsweise in deutschen Supermärkten.

Wasser für drei Jahre

Der Wasserverbrauch allein für die exportierten Mandeln würde reichen, um Los Angeles Bürger und Unternehmen für drei Jahre mit Wasser zu versorgen. Um das nötige Wasser zu bekommen, wenden sich die Farmer allerdings in der Regel nicht mehr an die öffentliche Wasserversorgung, sie bohren Brunnen. Damit senken sie womöglich den Grundwasserspiegel. Einige Experten fürchten nun, dass sich Kaliforniens Wasserprobleme  kulminieren könnten. Die trockenen Jahre könnten ein Vorbote einer Megadürre sein, das Wasser wird schon knapp, bevor es richtig ernst wird in Kalifornien.

Gouverneur Brown verteidigte am Karfreitag, dass er die Bauern verschont und lediglich verpflichtet habe, Berichte über ihren Wasserverbrauch vorzulegen. Die Bauern seien schon genug getroffen durch die Dürre. „Und nebenbei bemerkt, sie wässern nicht ihren Rasen oder  stehen lange unter der Dusche. Sie stellen Früchte und Gemüse bereit für Amerika und einen bedeutenden Teil der Welt.“

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