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Indonesischer Obama : Neuer Präsident Widodo gibt Indonesien Hoffnung

Nicht nur optisch, sondern auch politisch: Der neue Präsident Joko Widodo wird schon als indonesische Version Barack Obamas gehandelt. Bild: dpa

Er liebt Heavy-Metal und tritt als Moslem für religiöse Toleranz ein. Der neue Präsident Indonesiens Joko Widodo ist ein Mann des Volkes. Die Hoffnungen auf ihn sind groß, genauso wie die Problemen des Landes.

          Für Indonesien, das viertgrößte Land der Erde, ist heute ein besonderer Tag. Joko Widodos ist am Morgen vereidigt worden - der erste Präsident, der nicht der alten Elite entstammt. Der frühere Möbelhändler ist ein Mann des Volkes, ein gläubiger Moslem, der für religiöse Toleranz und Pluralismus eintritt. Nach der offiziellen Zeremonie in der Hauptstadt Jakarta, als deren Gouverneur er für zwei Jahre fungierte, wird er dort am Nachmittag auf einem Pferdewagen entlang der Verkehrsader Jalan Thamrin bis zum Staatspalast gebracht. Zehntausende werden ihm dabei zujubeln.

          Till  Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Am Abend wird die Feier dann am Nationalmonument  fortgesetzt. Dort sollen einige der bekanntesten Musikgruppen des Landes mit seinen 250 Millionen Einwohnern aufspielen. Gerüchte besagen, der neue Präsident, der ein bekennender Heavy-Metal-Fan ist, könnte sogar selbst ein Instrument in die Hand nehmen. Dabei unterscheidet sich der nun siebte Staats- und Regierungschef Indonesiens nicht nur in seinem Musikgeschmack von seinem Vorgänger Susilo Bambang Yudhoyono. Dieser ehemalige General hatte sogar mehrere Musikalben mit seichter Schnulzenmusik komponiert.

          Joko Widodo ist aber auch ein gänzlich neuer Politikertypus, der den Ortstermin beim Volk zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Einige sehen in ihm auch so etwas wie eine indonesische Version Barack Obamas. Die Erwartungen an den 53 Jahre alten Neuling im Präsidentenamt sind dementsprechend hoch, die Herausforderungen für das Land zahlreich. Ob er sie in den Griff bekommen kann, hat auch über die Region hinaus Bedeutung. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt, Mitglied der G20 und die größte Volkswirtschaft Südostasiens.

          Widodo will Indonesien zum Knotenpunkt des Schiffsverkehrs machen

          Derzeit wächst Indonesiens Wirtschaft allerdings so langsam wie seit dem Jahr 2009 nicht mehr. Ausländische Investoren haben Geld aus dem Markt gezogen. Die sinkenden Preise für Rohstoffe wie Palmöl, Gas und Kohle machen der stark vom Export abhängigen Wirtschaft zu schaffen. Die Infrastruktur des Landes ist selbst in den Zentren auf der Insel Java in einem erbärmlichen Zustand. Der neue Präsident muss die Bürokratie-Reform vorantreiben, die Korruption eindämmen und den islamischen Fundamentalismus bekämpfen.

          Schon in den kommenden Wochen will Widodo außerdem die extrem hohen Subventionszahlungen auf die Spritpreise drosseln. Der Schritt ist in der Bevölkerung unpopulär. Die Ersparnisse sollen aber der benachteiligten Landbevölkerung zu Gute kommen, wie der Präsident kürzlich im Interview mit dieser Zeitung sagte. Zudem will er mit einer „Maritimen Agenda“ das Land mit seinen 17.000 Inseln zu einem Knotenpunkt des Schiffsverkehrs machen und die Transportkosten drastisch reduzieren. Auf Basis seiner Maßnahmen soll das Wachstum in den kommenden Jahren 7 Prozent erreichen. 

          Dafür muss es Joko Widodo aber erst einmal gelingen, politische Rückendeckung zu bekommen. Derzeit werden noch etwa Zweidrittel der Sitze im Parlament von der „Rot-Weiß-Koalition“ des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Prabowo Subianto kontrolliert. Diese hatte angekündigt, die Regierung Joko Widodos mit allen Mitteln zu boykottieren. Schon vor seinem Antritt hatte sie ihm eine Niederlage beigebracht und die Direktwahl lokaler und regionaler Anführer abgeschafft. Durch sie war der Aufstieg des politischen Außenseiters überhaupt erst möglich geworden.

          Der neue Präsident sieht jedoch nicht so aus, als würde die politische Opposition ihm große Kopfschmerzen bereiten. Seit der Wahl hat sich schon die islamische Partei PPP seinem Lager angeschlossen. Auch andere, wie die frühere Suharto-Partei Golkar, könnten sich mittelfristig seinem Bündnis annähern. Zudem gibt das präsidiale System Indonesiens ihm die Möglichkeit, manche Entscheidungen auch gegen das Parlament durchzudrücken. Und mittlerweile hat selbst sein Gegner Prabowo Subianto ihm seine „kritische“ Unterstützung zugesagt. Der frühere Schwiegersohn des im Jahr 1998 gestürzten Diktators Suharto nahm am Montag auch an der Vereidigung seines Rivalen teil.

          Quelle: FAZ.NET

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