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Amerikas Start-up-Show : Im Haifischbecken

Das Team von „Shark Tank“ Bild: AP

Schon Jahre vor der deutschen „Höhle der Löwen“ gab es in Amerika „Shark Tank“. Die Start-up-Show geht bald in die neunte Staffel. Und hat einige bemerkenswerte Erfolgsgeschichten hervorgebracht.

          „Das niedlichste Reinigungswerkzeug in der Welt, das aber auch am meisten High-Tech in sich hat.“ So beschrieb Aaron Krause das von ihm erfundene Produkt, als er vor knapp fünf Jahren in der amerikanischen Fernseh-Show „Shark Tank“ („Haifischbecken“) auftrat, dem Vorbild für „Die Höhle der Löwen“ in Deutschland. Krause pries seinen „Scrub Daddy“, einen Schwamm in der Form eines Smiley-Gesichts, als wahren Verwandlungskünstler an: Er sei weich in warmem Wasser, hart in kaltem für kräftiges Scheuern, und er verkratze nichts. Die herausgestochenen Augen in dem Smiley-Schwamm seien dazu da, um ihn mit zwei Fingern zu halten, der Mund sei praktisch, um Besteck durchzuziehen und so von beiden Seiten zu säubern.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wie üblich in der Show stand Krause fünf potentiellen Investoren gegenüber und bat sie um finanzielle Anschubhilfe. Nicht jeder war begeistert. Milliardär Mark Cuban winkte schnell ab und sagte: „Ich bin raus“. Aber ein paar andere „Sharks“ lieferten sich einen Bieterstreit. Am Ende bekam Unternehmerin Lori Greiner den Zuschlag, die Krause versprach: „Ich mache Dich in einem Jahr zum Millionär.“ Krause stimmte zu, ihr im Gegenzug für 200.000 Dollar 20 Prozent an seinem Unternehmen zu geben. Scrub Daddy wurde zu einer der größten Erfolgsgeschichten der Show. Der vier Dollar teure Schwamm wird mittlerweile in großen Handelsketten und auf Amazon verkauft, er hat bislang nach Greiners Angaben 110 Millionen Dollar Umsatz eingebracht.

          „Shark Tank“ gibt es in Amerika schon seit 2009, also fünf Jahre länger als hierzulande „Die Höhle der Löwen“. Beide Reality-Shows geben Start-up-Unternehmern die Gelegenheit, ihre Ideen vor prominenten Figuren aus der Wirtschaft zu präsentieren und sie womöglich als Investoren zu gewinnen. In der kommenden neunten Staffel von „Shark Tank“, die Anfang Oktober beginnt, soll der britische Unternehmer Richard Branson im Gremium der Geldgeber sitzen. In der Vergangenheit war auch schon Ashton Kutcher dabei, der sich neben Schauspielerei auch als Investor einen Namen gemacht hat.

          „Shark Tank“ machte Wirtschaft zum Unterhaltungsfernsehen, ähnlich wie dies der heutige amerikanische Präsident Donald Trump schon einige Jahre zuvor mit „The Apprentice“ getan hatte. Und manche Kritiker fanden, „Shark Tank“ sei die bessere Wirtschaftsshow. Die Zeitschrift „Entertainment Weeky“ lobte zum Beispiel die „informierten Fragen“ und „klugen Entscheidungen“ der Investoren und nannte sie „eine willkommene Abwechslung zu Donald Trumps launenhaften Urteilen“ in seiner Reality-Serie. „Shark Tank“ ist selbst eine Kopie, die Idee beruhte auf der Sendung „Dragon’s Den“ („Drachenhöhle“), die ihren Ursprung in Japan hatte und dann auch in andere Länder wie Großbritannien kam. Es dauerte eine Zeit, bis sich Amerikaner für das Format begeisterten. In der ersten Staffel kam „Shark Tank“ je Episode im Schnitt auf weniger als fünf Millionen Zuschauer, ein mittelmäßiger Wert. Nach und nach wuchs das Publikum, und in der sechsten Staffel erreichte die Show einen Spitzenwert von mehr als neun Millionen Zuschauern. Seither ging es allerdings wieder bergab, die jüngste achte Staffel wollten nur noch rund sechs Millionen Amerikaner sehen. Der Sender ABC hält aber an der Show fest.

          Sprungbrett zum Erfolg

          Wie auch in der deutschen Variante setzen die Investoren in „Shark Tank“ ihr eigenes Geld ein. Ihre in der Sendung verkündeten Beteiligungen an Start-up-Unternehmen sind unverbindlich und geschehen zunächst gewissermaßen nur per Handschlag. Die danach tatsächlich geschlossenen Verträge können davon abweichen oder auch gar nicht zustande kommen. Kevin O’Leary, einer der „Sharks“, verriet einmal, dass nur ein Drittel der von ihm in der Show in Aussicht gestellten Investitionen später auch besiegelt wird. Die Zeitschrift „Forbes“ hat sich einmal die Mühe gemacht, mit 237 Unternehmern zu sprechen, die sich in der Show mit einem Geldgeber geeinigt hatten. Nur bei 27 Prozent von ihnen seien die Konditionen dieser „Deals“ am Ende so geblieben wie zunächst ausgehandelt. In 30 Prozent der Fälle seien sie abgeändert worden, und 43 Prozent der Vereinbarungen seien sogar ganz geplatzt.

          Trotzdem ist die Show für viele Unternehmer ein Sprungbrett zum Erfolg geworden. Etwa für Brian und Julie Whiteman und ihr Start-up Groovebook, ein Abonnementdienst, der seinen Nutzern gegen eine Gebühr einmal im Monat ein Buch mit ihren Smartphone-Fotos zuschickt. Nicht einmal ein Jahr, nachdem das Ehepaar in der Sendung aufgetreten ist, hat es sein Unternehmen für 14,5 Millionen Dollar an den börsennotierten Fotospezialisten Shutterfly verkauft. Im Laufe der Jahre waren in der Show auch viele skurrile Ideen zu sehen. Etwa das Unternehmen Tipsy Elves („beschwipste Elfen“), das mit „Ugly Christmas Sweaters“, also hässlichen Weihnachtspullovern, tatsächlich einen Investoren in der Sendung fand und bald danach auf einen zweistelligen Jahresumsatz kam. Oder der Squatty Potty, ein Schemel, der vor die Toilette gestellt wird und den Stuhlgang erleichtern soll. Auch hier bissen die „Sharks“ an, und der Hersteller des Squatty Potty sah sich im vergangenen Jahr auf dem Weg zu einem Umsatz von 30 Millionen Dollar.

          Bisweilen haben sich die Investoren in der Show auch gute Gelegenheiten durch die Lappen gehen lassen. Zum Beispiel die intelligente Türklingel mit integrierter Videokamera, die Jamie Siminoff vor vier Jahren in der Sendung vorgestellt hat. Deren Besitzer können auf ihren Smartphones auch von unterwegs aus sehen, wer vor der Tür steht und mit der betreffenden Person sprechen. Damit können sie zum Beispiel gegenüber etwaigen Einbrechern den Eindruck erwecken, sie seien zuhause. Siminoff fand keinen Geldgeber in der Show und ging mit leeren Händen, aber sein Unternehmen wurde trotzdem zu einem Erfolg. Es hat in diesem Jahr in einer Finanzierungsrunde mit anderen Investoren mehr als 100 Millionen Dollar eingesammelt.

          Quelle: FAZ.NET

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