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Der richtige Riecher : Hunde spüren Schimmel auf

  • Aktualisiert am

Bessy sucht keine Drogen - es sei denn Schimmel törnt Bild: dpa

Schimmel in der Wohnung ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch krank machen. Einige Sachverständige setzen daher auf vierbeinige Helfer: Ausgebildete Hunde spüren auch versteckten Schimmel auf.

          Architekten, Bauträger, Hauskäufer, Handwerker, Mieter - Schimmel in Gebäuden kann für sie alle zum Problem werden. Er ist unangenehm, wertmindernd und vor allem gesundheitsgefährdend. Das Problem: Der Schimmel ist in den meisten Fällen gar nicht sichtbar. Ein Sachverständigenbüro in Leinburg nahe Nürnberg hat für diese Fälle eine kompetente Mitarbeiterin: Eine zwei Jahre alte Border-Collie-Hündin.

          Bessy ist ein Schimmelspürhund, eigens dafür ausgebildet und geprüft. Wenn sie in einem Gebäude versteckten Schimmelpilz erschnüffelt hat, der etwa unter dem Teppichboden, Parkett oder Estrich oder hinter den Einbaumöbeln versteckt sein kann, dann zeigt sie das ihrem Herrchen Harald Wittmann mit vorsichtigem Bellen und Kratzen. Wittmann ist Sachverständiger für Schimmel.

          Die Ausbildung der Hündin hat länger als ein Jahr gedauert. Geeignet für eine Ausbildung zum Schimmelspürhund sind prinzipiell alle Hunderassen, bis auf die kurznasigen. Schon im Alter von 16 Wochen wird damit spielerisch begonnen. Zunächst müssen die Tiere lernen, den Geruch anzuzeigen - beispielsweise durch Kratzen oder Hinlegen. Später werden Proben mit unterschiedlichen Schimmelarten versteckt. Wenn die Hunde sie melden, werden sie belohnt.

          Schimmelspürhunde werden in Deutschland seit mehr als 15 Jahren eingesetzt. Der Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS) hat in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt eine Richtlinie für die Zertifizierung der Hunde erarbeitet. Seit 2013 führt der BSS als unabhängige Fachinstitution Zertifizierungen durch. Biologe Christoph Trautmann, Leiter der Arbeitsgruppe Schimmelspürhunde, sagt: „Unsere Kernaufgaben sehen wir in der Qualitätssicherung von Schimmelspürhunden. Darüber hinaus wollen wir die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Schimmelsuche mit Spürhunden erforschen.“

          Bessy wurde bei Claus und Petra Acker in Hambrücken in Baden-Württemberg ausgebildet. Claus Acker ist auf Schimmelpilzsanierung spezialisiert, und Petra Acker bildet seit 2011 Mensch-Hund-Teams aus. „Es ist ganz wichtig, dass Mensch und Hund harmonieren. Der Hundeführer sollte erfahren sein, damit er auch das Verhalten des Hundes richtig interpretieren kann“, erklärt Petra Acker, die selbst Border Collies züchtet. Genauso wichtig sei aber, dass der Mensch selbst Sachverständiger ist oder im Einsatz von einem qualifizierten Sachverständigen begleitet wird.

          „Die Gefahren durch Schimmel und die Gesundheitsgefährdung für den Menschen werden in der Öffentlichkeit leider meiner Meinung nach noch zu sehr unterschätzt“, sagt Petra Acker. Mit Hilfe von Schimmelspürhunden könne man schon vor dem Einzug in ein Haus oder eine Wohnung prüfen, ob es Probleme geben könnte.

          Den Vorteil beim Einsatz von Hunden sieht auch Frauke Albert, Ärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie: „Durch ihre sehr feine Nase entdecken sie das viel früher. Sie können auch flüchtige Verbindungen, die wir Menschen erst in hohen Konzentrationen als den typisch muffigen Kellergeruch wahrnehmen, schon in geringeren Mengen erschnüffeln.“ So könne man handeln, bevor größerer Schaden entstanden ist und oft auch ehe der Mensch Symptome zeigt. „Und es lassen sich Zusammenhänge und mögliche Ursachen für Infektionen und allergische Reaktionen aufklären.“

          Als TÜV-geprüfte Schimmel-Sachverständige wissen Kathrin und Harald Wittmann, welche gesundheitlichen Probleme unentdeckter Schimmel hervorrufen kann: „Allergien, chronischer Schnupfen, Atemwegsbeschwerden oder Hautreaktionen können dadurch entstehen“, sagt Kathrin Wittmann. Die Experten kommen zu Privatleuten und arbeiten zusammen mit Architekten, Baubiologen, Malern und anderen Bauhandwerken. „Auf Wunsch können wir auch eine ganze Hundestaffel organisieren, um ein Großgebäude nach Schimmel abzusuchen.“

          Um die Gesundheit von Bessy muss man sich dabei keine Sorgen machen: „Wir gehen immer als erstes ohne Hund das Gebäude ab. Wenn der Schimmelbefall offensichtlich und enorm ist, bleibt Bessy draußen“, beruhigt Kathrin Wittmann. In den anderen Fällen sei Bessy nur eine gute Viertelstunde am Einsatzort. „Außerdem gibt es im Wald und Feld zu jeder Jahreszeit auch Schimmelpilze und die nimmt der schnüffelnde Hund auch bei normalem Gassigehen auf.“

          Quelle: dpa

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