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Greetings aus New York : Detroit ist pleite

Die Skyline von New York - das wichtigste Finanzzentrum Amerikas. Bild: dapd

Die amerikanische Autostadt Detroit meldet Konkurs an. Es ist der größte Insolvenzfall einer Kommune in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Stadt ist in derart desolater Verfassung, dass fast jede zweite Straßenlampe kaputt ist.

          Es war ein schwarzer Tag für Detroit. Die Heimatstadt der amerikanischen Autoindustrie hat am späten Donnerstag offiziell Konkurs angemeldet. Es ist der größte Insolvenzfall einer Kommune in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Der seit März amtierende Zwangsverwalter Kevyn Orr sah keinen anderen Ausweg mehr, nachdem er sich mit den Gläubigern der Stadt im Bundesstaat Michigan nicht auf eine Umschuldung einigen konnte. Der Konkursantrag markiert einen weiteren Tiefpunkt in der Stadt, die schon seit Jahrzehnten einen Niedergang erlebt.

          Einst viertgrößte Stadt Amerikas

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Detroit einmal die viertgrößte Stadt Amerikas und hatte zeitweise fast zwei Millionen Einwohner. Zu seiner Glanzzeit war Detroit auch für die nach der Autoindustrie benannte Plattenfirma „Motown“ (von „Motor Town“) berühmt, die Musiklegenden wie Diana Ross und Marvin Gaye hervorgebracht hat. Heute leben hier nur noch gut 700000 Menschen, und Detroit gehört nicht einmal mehr zu den Top Ten der größten amerikanischen Städte. Der Bevölkerungsschwund in den vergangenen Jahrzehnten hat maßgeblich zu den finanziellen Schwierigkeiten beigetragen.

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          Rick Snyder, der Gouverneur von Michigan, zeichnete in einem Brief zur Autorisierung des Konkursantrags ein desolates Bild von Detroit: Wegen des Geldmangels der Stadt hätten zum Beispiel im ersten Quartal dieses Jahres 40 Prozent aller Straßenlampen nicht funktioniert, und mittlerweile hätten sich 3300 Beschwerden über kaputte Lampen angesammelt. Die Einwohner von Detroit warteten bei einem Notruf im Schnitt 58 Minuten auf die Polizei, während der landesweite Durchschnitt bei 11 Minuten liege. Dabei würden nur 9 Prozent aller Fälle gelöst, landesweit seien es mehr als 30 Prozent. Nur ein Drittel aller Krankenwagen der Stadt sei einsatzfähig, und auch die Fuhrparks von Polizei und Feuerwehr seien völlig veraltet. In der Stadt gebe es 78000 verlassene Gebäude. Snyder schrieb, die Entscheidung für eine Insolvenz komme nach sechzig Jahren des Niedergangs, „eine Zeit, in der die Realität oft ignoriert wurde.“.

          Erfahrung mit spektakulären Insolvenzfällen

          Detroit hat Insolvenz nach Kapitel 9 des amerikanischen Konkursrechts beantragt. Diese Variante ist speziell für Kommunen gedacht und vergleichbar mit einem Antrag nach Kapitel 11, wie er von Unternehmen gestellt wird. Zwangsverwalter Orr sagte am Donnerstag, er hoffe, das Insolvenzverfahren bis zum Spätsommer 2014 abzuschließen.

          Detroit hat Erfahrung mit spektakulären Insolvenzfällen. Schließlich hat auch der hier ansässige größte amerikanische Autokonzern General Motors (GM) 2009 ein Insolvenzverfahren durchgemacht. Dass es GM und den beiden in Vororten von Detroit beheimateten Wettbewerbern Ford und Chrysler heute deutlich besser geht als noch vor einigen Jahren, hat der Stadt nicht aus ihrer finanziellen Notlage geholfen.

          Schlechte Nachrichten kamen am späten Donnerstag auch noch aus der amerikanischen Technologiebranche. Sowohl der Internetkonzern Google als auch der Softwarespezialist Microsoft enttäuschten mit ihren Quartalszahlen. Die Aktienkurse beider Unternehmen, die sich bisher in diesem Jahr deutlich besser geschlagen haben als der Gesamtmarkt, notierten nachbörslich deutlich im Minus. Microsoft lieferte neben den schwachen Zahlen noch eine andere Negativmeldung: Der Konzern schrieb 900 Millionen Dollar auf sein Geschäft mit dem Tabletcomputer Surface ab. Erst vor wenigen Tagen hatte das Unternehmen die Preise für das erst im vergangenen Herbst herausgekommene Gerät drastisch gesenkt.

          Die Wall Street ging am Donnerstag mit Kursgewinnen aus dem Handel. Der Dow-Jones-Index legte um 78 Punkte auf 15549 Punkte zu, und der S&P 500 kletterte um 8 Punkte auf 1689 Punkte. Dagegen schaffte der Index der Technologiebörse Nasdaq nur ein minimales Plus von einem Punkt auf 3611 Punkte.

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