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Gesundheitswesen : Jede zweite Klinik macht Verluste

Nicht unbedingt ein gutes Geschäft Bild: dpa

Die Lage der deutschen Krankenhäuser wird zusehends schlechter. Jede zweite Klinik ist mittlerweile in den roten Zahlen, hat eine Studie ergeben. In fast 60 Prozent der Kliniken war das Geschäftsergebnis im vergangenen Jahr demnach rückläufig.

          Den deutschen Krankenhäusern geht es immer schlechter. Voriges Jahr schrieb bereits jedes zweite Krankenhaus rote Zahlen. Im Jahr davor machte noch rund ein Drittel der Häuser Verluste. Das sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Alfred Dänzer, an diesem Mittwoch laut Redetext zur Eröffnung des Deutschen Krankenhaustages in Düsseldorf. Dänzer verband das mit scharfen Angriffen auf die Pläne von Union und SPD zur Reform der Krankenfinanzierung. Er erwarte „grundlegend verbesserte Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Dänzer berief sich auf Ergebnisse einer jedes Jahr veranstalteten Befragung von Krankenhausmanagern. Dieses Jahr hätten an dem „Krankenhaus-Barometer“ 290 der gut 2000 Krankenhäuser mit mehr als 50 Betten beteiligt, die Ergebnisse könnten verallgemeinert werden. Demnach gaben 51 Prozent der Krankenhäuser an, Verluste ausgewiesen zu haben. Gegenüber dem Vorjahr, als 31 Prozent der Krankenhäuser dies beklagten, sei das eine dramatische Verschlechterung. Laut DKG versorgen 2045 Kliniken im Jahr 18 Millionen Patienten stationär und behandeln eben so viele ambulant.

          Beinahe 60 Prozent der Krankenhäuser berichteten über rückläufige Geschäftsergebnisse. Ihre wirtschaftliche Lage schätzte 2013 nur noch jede achte Klinik als „gut“ ein. Auch die Zukunftserwartungen für 2014 fielen pessimistisch aus. Nur eine von fünf erwarte eine Verbesserung, jedoch 40 Prozent eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage.

          Die deutschen Krankenhäuser dürften dieses Jahr rund 65 Milliarden Euro allein von den gesetzlichen Krankenkassen einnehmen. Darin sind die Gelder aus der Behandlung privat versicherter deutscher Patienten, ausländischer Kunden oder andere Einnahmen nicht enthalten. Angesichts der angespannten Finanzlage hatte die Bundesregierung bereits im Sommer ein (von den Kassen zu bezahlendes) Notprogramm aufgelegt, aus dem unter anderem die Tariflohnerhöhungen mitfinanziert werden sollten. Es beläuft sich 2013 und 2014 auf jeweils mehr als 500 Millionen Euro. Nächstes Jahr können die Krankenhäuser zudem ihre Preise um 2,8 Prozent oder 1,8 Milliarden Euro anheben. Denn die Basis für die Preisanpassung, der „Orientierungswert“, stieg vergleichsweise stark um 2,8 Prozent als Folge der Tariflohnerhöhungen der Beitragszahler.

          Weitere Hilfen für Krankenhäuser geplant

          Union und SPD planen, falls es zu der Koalition kommt, weitere Hilfen für die Krankenhäuser. So sollen mehr Kosten in die Berechnung des „Orientierungswertes“ einbezogen werde. Auch soll die Berechnungsbasis der für alle Häuser geltenden Fallpauschalen verbreitert werden. Zudem sollen 500 Millionen Euro aus dem Gesundheitsfonds für die Sanierung oder Umwidmung alter Krankenhäuser zur Verfügung gestellt werden, wenn Länder und Kommunen nochmals 500 Millionen Euro dazu geben.

          Dänzer würdigte einige der Pläne, hält aber die ganze Richtung für nicht ausreichend. „Zu den großen Problemfeldern der Betriebs- und Investitionskosten der Kliniken steht in den bekannt gewordenen Ergebnissen der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege viel zu wenig.“ Wichtiger als der Fonds wäre ihm ein klares Bekenntnis, dass die Kostenzuwächse, insbesondere der Personalkosten, refinanziert würden. Ebenso wichtig wäre ihm eine Zusage, dass die Investitionsmittel der Länder von heute 2,7 Milliarden um die Hälfte angehoben würden. Gebraucht würden 6 Milliarden Euro.

          Schon seit Jahren zahlen die Länder, in deren Händen die Krankenhausplanung liegt, nur einen Bruchteil der von ihnen versprochenen Gelder für Investitionen und Gebäude und Großgeräte. Deshalb müssen die Kliniken das dafür benötigte Geld bei andern Kosten, wie dem Personal, sparen oder durch mehr Leistungen und Operationen für die notwendigen Einnahmen sorgen.

          Das führt allerdings wieder dazu, dass die Kassen für diese vorab nicht ausgemachten „Mehrleistungen“ Abschläge verlangt. Statt die Abschläge, wie von der DKG und Dänzer seit Jahren verlangt, ganz zu streichen, plant die Koalition nun, sie zu einem Steuerungsinstrument für mehr Versorgungsqualität zu machen. Krankenhäusern, die eine „gute“ Qualität bei der Behandlung ihrer Patienten nachweisen, könnten die Abschläge gestrichen werden, andere müssten dagegen mit Zuschlägen rechnen.

          Dänzer warnte davor, die Anforderungen an die Qualität der Behandlung immer höher zu schrauben: „Auch durch überzogene Qualitätsanforderungen kann die flächendeckende Versorgung gefährdet werden.“

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