http://www.faz.net/-gqe-89jlb

Energie : Australien prüft Aufnahme eines Atomprogramms

Australien setzt weiter auf Kohle und will ein Atomprogramm prüfen. Bild: Reuters

Die neue australische Regierung will sich mit einem möglichen Einstieg in die Atomenergie befassen. Vor dem Klimagipfel stellt sie sich zudem hinter ihre Kohleindustrie: Weil australische Kohle sauberer als anderswo sei, habe man die moralische Verpflichtung zum Export.

          Australiens neue Regierung erwärmt sich für Atomkraft. Zugleich erteilt sie im Vorfeld des Klimagipfels in Paris all jenen eine Absage, die das Ende der Ausfuhr von Kohle von der Bodenschatznation fordern. 61 prominente Australier, unter ihnen Medizin-Nobelpreisträger Peter Doherty, der frühere Notenbankgouverneur Bernie Fraser, sowie Spitzensportler und Show-Größen hatten ein Moratorium für den  Bau neuer Kohlebergwerke gefordert.

          Moralische Verpflichtung zum Kohle-Export

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der neue Ministerpräsident Malcolm Turnbull bezog nun klar Stellung. Er sprach von einer drohenden „Armut durch Energiemangel“ in den Entwicklungsländern, wenn Australien keine zusätzliche Kohle liefere. „Stellte Australien seine Kohleausfuhr ein, würde das den weltweiten Ausstoß von Treibhausgas nicht um ein Iota verringern“, sagte Turnbull. „Ehrlich gesagt würde es ihn erhöhen – denn unsere Kohle ist sauberer als diejenige vieler anderer Länder. Die Vorschläge entsprechen keiner vernünftigen Politik. Weder in ökonomischer Hinsicht, noch mit Blick auf Arbeitsplätze oder auch aus dem Blickwinkel der Erderwärmung oder des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgas“, sagt Turnbull. Handelsminister Andrew Rob sprach sogar von einer „moralischen Verpflichtung“ Australiens, Kohle an Entwicklungsländer zu liefern.

          Die internationale Energieagentur IEA schätzt, der weltweite Verbrauch von Kohle werde bis 2019 um jährlich 2,1 Prozent steigen. Der Verbrauch werde sich allein im Australien benachbarten Südostasien bis 2040 auf 1100 Terrawatt Stunden vervierfachen. Unter dem Strich würden damit 2040 rund 14mal so viele fossile Brennstoffe in Südostasien verbraucht wie noch 1990.

          Mit Blick auf die eigene Energieversorgung erklärte Australiens Regierung nun, derzeit sei kein Einstieg in die Atomenergie notwendig, da der fünfte Kontinent einen Überschuss an Energie produziere. Diese Versorgung sei bis 2024 ausreichend. Doch könnten „diese Bedingungen sich über den Zeitraum ändern, den es dauern wird, ein Nuklearprogramm aufzulegen“, heißt es in einer Erklärung der Turnbull-Regierung. „Eine frühzeitige Betrachtung der relativen Vorteile von Nuklearenergie ist notwendig, um informierte Investitionsentscheidungen und entsprechende Anpassungen der Regeln und Gesetze vornehmen zu können.“

          In Australien liegen rund ein Drittel der Uranreserven der Welt. Kohle ist das zweitwichtigste Exportgut Australiens nach Eisenerz. Hinter Indonesien ist das Land der zweitgrößte Exporteur von Kohle weltweit. Die größten Einfuhrnationen bleiben China, Indien und Japan. Australien ist auch der weltweit drittgrößte Lieferant von Uran nach Kasachstan und Kanada, betreibt selbst aber keine Atomanlagen.    

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.