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Die nächste Konfrontation : Boeing gegen Trump

Die Air Force One, das Flugzeug des amerikanischen Präsidenten – eine Boeing. Bild: Reuters

Der Flugzeugbauer ist Amerikas größter Exporteur. Er will Maschinen an China und Iran verkaufen. Das passt dem künftigen Präsidenten nicht ins Konzept.

          Die nächste Konfrontation zwischen dem Flugzeugproduzenten Boeing und Amerikas künftigem Präsidenten Donald Trump ist programmiert. Der Flugzeugbauer, eines der größten Exportunternehmen der Vereinigten Staaten, will seine Maschinen an Länder verkaufen, die auf Trumps roter Liste stehen: Neben China ist das Iran.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Dennis Muilenburg, Chef des Flugzeugbauers, hatte den Ärger des künftigen Präsidenten provoziert mit einer Rede, in der er die künftige Regierung und die republikanische Partei bat, ihre Rhetorik gegen den Welthandel und speziell gegen China herunterzufahren. Schließlich gehe jede dritte der 495 Maschinen der Typklasse 737, die voriges Jahr die Fabrik in Renton, Washington, verlassen habe, nach China. Das Land kaufe rund ein Viertel des gesamten Produktionsprogramms des Konzerns, brachte Muilenburg in Erinnerung.

          Kurz nachdem ein Bericht über diese Rede online gegangen war, verbreitete Trump, das Pentagon solle die Bestellung der Präsidentenmaschinen, der so genannten Airforce One, bei Boeing stornieren, weil die Kosten mit angeblich vier Milliarden Dollar komplett außer Kontrolle geraten seien. Er wolle den Vertrag persönlich aushandeln, teilte Trump mit. Das klang wie eine Drohung. Muilenburg rief Trump an und signalisierte den Willen, mit der neuen Regierung zusammenzuarbeiten.

          „Bestellung stornieren!“ : Trump schimpft über Preis von neuer „Air Force One“

          Doch nun droht neues Unheil. Boeing will ausgerechnet Iran Flugzeuge für 16,6 Milliarden Dollar verkaufen. Es ist das erste große Geschäft eines amerikanischen Konzerns nach der Lockerung des Embargos im Zusammenhang mit dem Nuklearabkommen. 80 Maschinen der Typklassen 777 und 737 sollen ab 2018 an Iran Air ausgeliefert werden. Das Geschäft, das in engster Abstimmung und mit Lizenz der amerikanische Regierung abgeschlossen worden sei, schaffe und sichere hunderttausend Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten, davon tausende direkt bei Boeing. Der große Konkurrent Airbus hat dieses Jahr ein Geschäft in ähnlicher Größenordnung abgeschlossen.

          Der Boeing-Deal ist politisch in den Vereinigten Staaten hoch umstritten. Vor allem Kritiker des Nuklear-Abkommens aus beiden Parteien wendeten sich gegen das Geschäft. Abgeordnete im Repräsentantenhaus haben im Herbst versucht, die staatliche Unterstützung für das Abkommen, etwa durch die Export-Importbank, unmöglich zu machen. Donald Trump gehörte im Wahlkampf zu den scharfen Kritikern des Nuklearabkommens mit Iran. Vor allem von ihm hängt es ab, ob Boeing dort zum Zuge kommt.

          Quelle: FAZ.NET

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