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Gewehre, Revolver und mehr : Die Super-Waffensammler

Die Betroffenheit nach Amokläufen ist groß, der Wunsch nach schärferen Waffengesetzen nicht. Bild: Reuters

Der Fall des Las-Vegas-Mörders wirft ein Schlaglicht auf eine Bevölkerungsgruppe: Drei Prozent der Amerikaner besitzen die Hälfte der privaten Feuerwaffen - im Durchschnitt rund 20 Waffen pro Kopf.

          Der Attentäter von Las Vegas hatte 42 Feuerwaffen in seinem Besitz. Das hatte die Polizei bekannt gegeben. Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass er die Waffen illegal erworben hat, außer dass zu seinem Arsenal offenbar automatische Gewehre gehören. Die sind für Privatleute nicht so leicht zu erwerben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Anzahl der Waffen machte den Mörder Stephen Paddock zum Mitglied einer kleinen Gruppe von 7,7 Millionen erwachsenen Amerikanern, die Supersammler genannt werden. Sie besitzen acht und mehr Waffen, repräsentieren drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung und besitzen die Hälfte aller Feuerwaffen in privater Hand. Insgesamt gehören Amerikanern grob 300 Millionen Feuerwaffen bei einer Bevölkerungsgröße von 330 Millionen.

          Zahlen womöglich zu niedrig

          Diese Daten über die Verteilung des Waffenbesitzes gehen aus einer 2016 veröffentlichten Studie hervor, die Wissenschaftler der Northeastern Universität und der Harvard Universität  geschrieben haben. Die Forscher sind dafür mangels eines zentralen Waffenregisters auf Befragungen angewiesen. Vertreter von Sportschützenverbänden bezweifeln die Zahlen, halten sie für zu niedrig. Zudem seien die Waffen nicht so  ungleich verteilt. Sie argumentieren, dass viele Besitzer keine ehrliche Auskunft geben.

          Die Waffenbesitzer horten aus ganz unterschiedlichen Gründen. Einige haben Waffen geerbt, einige sammeln Waffen, wie andere Leute Uhren sammeln. Zu ihrem Arsenal gehören oft historische Pistolen und Gewehre. Andere sind Sportschützen oder Jäger. Menschen besitzen mehrere Waffen, um für Katastrophen aller Art gewappnet zu sein. Gewehre ergänzen die Vorräte an haltbarer Nahrung, Trinkwasser und Werkzeugen aller Art, die in Notsituationen das Überleben sicher sollen. Sie nennen  sich „Survivalisten“.

          Schutz statt Sport

          Nach Aussage einer der Autoren der Studie ist nichts über einen Zusammenhang zwischen dem Besitz mehrerer Waffen und der Gewalttätigkeit bekannt. Die Supersammler unterscheiden sich vom Rest der Waffenbesitzer allerdings, dass sie mit höherer Wahrscheinlichkeit weiß und männlich sind. Das wiederum verbindet sie allerdings mit den Todesschützen der vergangenen Attentate an Schulen, Universitäten, Kirchen oder Nachtclubs.

          Der Studie zufolge haben sich die Motive für den Waffenbesitz seit 1994, dem Zeitpunkt der letzten großen Befragung, geändert. Stand damals Sport, Spaß im Hobby im Vordergrund, ist in jüngerer Zeit offenbar der Schutzgedanke das wichtigste Motiv beim Waffenkauf.

          Waffen für die Kirche und das Büro

          Die Zahl der Waffen hat deutlich zugenommen, während offenbar prozentual weniger Männer Pistolen oder Gewehre besitzen als früher. Die Zahl und der Anteil der waffenbesitzenden Frauen steigt dagegen. Als wichtigstes Motiv nennen sie den Schutz.

          Einen kleinen Boom haben Handfeuerwaffen erlebt, die vor allem zum Selbstschutz erworben werden. Sie sind seltener Sammlerobjekte. Geholfen hat dabei womöglich die Welle der Lockerung von Waffengesetzen in vielen Bundesstaaten.

          Inzwischen dürfen Waffen je nach Bundesstaat sogar in einigen Universitäten, Kirchen  und vielen Behörden  offen getragen werden. Waffenlobbyisten werben dafür, dass Zivilisten sogar in Polizeistationen Waffen tragen dürfen sollen. Nevada ist einer der Bundesstaaten mit besonders laxen Waffengesetzen.

          Bau Dir Deine Maschinenpistole

          Ein Problem für die Polizei sind Waffen, die ohne Nachladung Schüsse abgeben, solange der Abzug durchgezogen gehalten wird. Das sind die so genannten automatischen Waffen. Hunderte Schuss je Minute verlassen den Lauf. Ihr Besitz ist mit Ausnahmen zwar verboten. Im Internet kursieren allerdings zahlreiche Anleitungen und ergänzende Geräte, mit denen Enthusiasten Waffen in automatische Gewehre mit Dauerfeuer umwandeln können.

          Einige diese Geräte sind offenbar sogar legal oder bewegen sich zumindest in einer juristischen Grauzone. Bei dem Attentäter wurden nach einem Agenturbericht zwei solcher Geräte gefunden. Ein Gesetzentwurf, der diese Geräte zum Aufmotzen gewöhnlicher  halbautomatischer Sturmgewehre verbieten sollte, kam im Kongress nie zur Abstimmung.

          Trump schadet dem Geschäft

          Viele Leute können in den Vereinigten Staaten Waffen kaufen, ohne dass ihre Herkunft ausgeleuchtet wurde. Eine Befragung der Northeastern Universität unter Matthew Miller kam zum Resultat, dass einer von fünf Waffenbesitzern in den vergangen 24 Monaten eine Pistole oder ein Gewehr ohne einen Background-Check erworben hat. 30  Bundesstaaten verlangen keine derartigen Untersuchungen.

          Gewöhnlich schnellen nach schweren Attentaten wie jenen in Las Vegas, in Sandy Hook, in Orlando oder San Bernadino die Waffenkäufe nach oben. Viele Amerikaner fürchten, dass Gesetzgeber die Gesetze verschärfen.

          Diesmal könnte es anders kommen, denn das Weiße Haus hat klar gemacht, dass es eine solche Debatte jetzt nicht will. Mit dieser Regierung müssen sich die Waffenfreunde keine Sorge machen. Das allerdings nimmt einen Grund weg, die Waffen zu horten. In gewisser Weise schadet Donald Trump dem Geschäft.     

          Quelle: FAZ.NET

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