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Wolf Warriors 2 : Der Rambo aus dem Reich der Mitte

„Wolf Warrior“ Leng Feng zieht auch bei den Mädels Bild: AFP

Ein von Patriotismus durchsetzter Actionfilm bricht an Chinas Kinokassen alle Rekorde – neuer Nationalismus in der Volksrepublik? Die chinesische Filmindustrie zeigt nur, wie gut sie von Hollywood gelernt hat.

          Es ist ein Filmskript ganz nach dem Geschmack des Massenpublikums: Ein Elitesoldat außer Dienst muss fern der Heimat in einem exotischen Land vom Tod bedrohte Landsleute retten. Die Aufgabe erledigt er mit reichlich Muskel- und noch mehr Feuerkraft sowie einer Prise trockenem Humors. Auf und jenseits des Schlachtfelds weht dabei stets ein eine gehörige Brise Nationalstolz durch die Luft.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          „Die stärksten Gefühle, die ein Mann hat, sind sein Glaube, seine Liebe für seine Angehörigen und seine Liebe für sein Land“, sagt der Hauptdarsteller des Actionstreifens im Interview. „Wenn Du keine Männer hast, die bereit sind, für ihr Land zu sterben, dann hast Du kein Land.“

          Das sagte Hollywood-Star Sylvester Stallone im Jahr 1985 der „New York Times“, als sein neuer Film „Rambo II“ in den ersten sechs Tagen an den Kinokassen in Amerika damals außergewöhnlich hohe Einnahmen von 32,5 Millionen Dollar eingespielt hatte. Das machte die Geschichte des Vietnam-Veterans John Rambo, der im zweiten Teil der Saga um den früheren Elitesoldaten mit den schier übermenschlichen Kräften zurück in den vietnamesischen Dschungel kehrte und alte Kameraden rettete, zum bis dahin dritterfolgreichsten Film überhaupt. Nur „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ sowie der dritte „Star Wars“-Spielfilm „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ hatten bis zu diesem Zeitpunkt mehr Umsatz generiert.

          Leng Feng, Peng

          Gut dreißig Jahre später scheint der amerikanische Kriegsheld „Rambo“ wieder auferstanden – in Gestalt seines chinesischen Pendants namens Leng Feng. Der frühere Elitesoldat und späteres Mitglied einer chinesischen Spezialeinheit mit dem Titel „Kriegswölfe“ rettet durchtrainiert und mit allerlei Kampfkunst gesegnet im tiefsten Afrika chinesische Landsleute aus den Wirren eines Bürgerkrieges – und jede Menge unschuldiger Afrikaner gleich mit.

          „Wolf Warriors 2“ heißt der Film aus chinesischer Eigenproduktion, der in den ersten 13 Tagen seit der Premiere so viele Chinesen ins Kino gelockt hat, dass er bis einschließlich Dienstag laut der Filmdatenbank Maoyan mehr als 3,5 Milliarden Yuan eingespielt hat (446 Millionen Euro) – und das bei Herstellungkosten von gerade mal 200 Millionen Yuan (26 Millionen Euro), einem Siebzehntel.

          Der Film trägt den Untertitel „Wer immer China angreift, wird getötet, egal wie weit das Ziel entfernt ist“. Das und die Tatsache, dass im Film die chinesische Marine eine Nebenrolle spielt und reichlich chinesische Nationalflaggen über die Leinwand wehen, hat in manchen Medien bereits Sorge vor dem Wiederaufkeimen des Nationalismus in China hervorgerufen.

          „Patriotisch“ sei der Plot, argwöhnte die „Financial Times“ in der Überschrift. Die Hongkonger „South China Morning Post“ machte einen „nationalistischen Ton“ in dem Kassenschlager aus und schlussfolgerte, dass der Film aus diesem Grund im Ausland niemals Erfolg haben werde.

          Tatsächlich präsentiert sich Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller Wu Jing, vor 43 Jahren in Peking geboren und in China als Martial Arts-Star bekannt, bei der Vorstellung des Film neben überdimensionalen Ausgaben chinesischer Reisepässe, während im Hintergrund Hunderte Fans chinesische Nationalflaggen schwangen.

          Selbstironie

          Nationalismus allerdings dürfte zumindest den Erfolg dieses Films kaum erklären. Kurz vor dem Start von „Wolf Warrior 2“ brachte Pekings Propagandamaschinerie den Spielfilm „Die Gründung einer Armee“ ins Kino, die tatsächlich von Nationalismus getränkte Geschichte der Volksbefreiungsarmee, deren 90-jähriges Bestehen Chinas Präsident Xi Jinping jüngst in einer markigen Ansprache und mit dem Besuch einer voller noch nie gezeigtem Kriegsgerät starrenden Militärparade gewürdigt hat. An den Kinokassen ist der Film jedoch gefloppt.

          Nachdem sich die F.A.Z. in Schanghai den Kassenschlager „Wolf Warrior 2“ am gestrigen Dienstagabend angesehen hat, muss konstatiert werden: von nationalistischem Überschwang im Kinopublikum kann nicht berichtet werden. Dafür ist der Film stellenweise auch zu selbstironisch und spielt zuweilen in vergleichsweise überraschender Deutlichkeit mit anti-chinesischen Klischees.

          Freundschaft mit Afrika

          Der Erfolg des Streifens, das wird auch aus den Kommentaren der Kinogänger in den Sozialen Medien in China deutlich, ist eher in seiner Machart begründet, die sich klar am Vorbild der „Rambo“-Saga aus Hollywood orientiert. Bei Chinas neuem Kassenschlager handelt es sich um ein zwei Stunden dauerndes Actionspektakel von beachtlicher Qualität, das auch für Ausländer vergnüglich anzusehen ist. Die Kommunistische Partei wird überhaupt nicht thematisiert; die chinesische Regierung kommt nur in Gestalt eines Botschafters vor. Die Marine feuert zum Schluss ein paar Lenkraketen ab, das war es auch schon.

          Im Hintergrundrauschen berichtet „Wolf Warriors“ dabei von einer größeren Rolle Chinas auf der Weltbühne und feiert die Freundschaft des Landes mit Afrika, in dem chinesische Unternehmen in den vergangenen Jahren groß investiert haben.

          Der Wolf kommt wieder

          „Wir müssen von anderen Ländern lernen“, hat Chinas Modernisierer Deng Xiaoping einst gesagt, als er die Wirtschaft des Landes öffnete. Die chinesische Filmindustrie hat die Worte nun in die Tat umgesetzt. Auch im Hinblick auf das schier endlose Strecken des Vermarktungszyklus, den Hollywood schon lange vor „Rambo“ mustergültig vorgemacht hatte.

          In der Endsequenz von „Wolf Warriors 2“ erreicht den Helden Leng Feng inmitten des Ausruhens vom anstrengenden Rettungseinsatz in Afrika schon wieder der Anruf eines Vorgesetzten – mit dem Auftrag für eine neue Mission. Wie einst John Rambo wird wohl auch seine chinesische Entsprechung noch oft auf die Kinoleinwände zurückkehren – schließlich übersteigt kaum etwas die „Liebe für Dein Land“.

          Quelle: FAZ.NET

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